Genauso wenig darf man bei dem ewigen Problem verkrampfen, was denn nun die wahre Berufung im Leben werden könnte. Sean Connery gerät eher zufällig in die Theaterszene - beim Musical South Pacific suchen sie kräftig gebaute Statisten, der Lohn ist besser als anderswo. Irgendwann aber sieht er dann auch seine Chance und ergreift sie, verschlingt den Kulturkanon von Shakespeare bis Joyce in Stadtbüchereien, arbeitet sich zum BBC-Hauptdarsteller empor, erprobt sich als Alexander der Große oder auch mal als Macbeth. Den Durchbruch bringt dann aber erst ein spezielles Bewegungstraining bei dem schwedischen Tänzer Yat Malgrem, das dieser nach den Theorien des Ungarn Rudolf Laban entwickelt hat.

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Hier hat die oft beschriebene, von keinem Nachfolger erreichte katzenhafte Eleganz und Gefährlichkeit ihren Ursprung, mit der Sean Connery dann James Bond zum Welterfolg führen wird - und James Bond ihn. Von Dr. No 1962 über Goldfinger bis hin zu Sag niemals nie trägt er sieben Mal den Smoking von Ian Flemings Superagent - und bis heute wird unterschätzt, welch delikate Balance er dabei zu halten versteht: dieser Anflug von Grausamkeit und Sadismus in seinem Lächeln, nur entschärft durch sardonische Komplizenschaft mit dem Publikum; dreiste erotische Suggestion, konterkariert durch herrliche Unschuldsmiene; und diese fast kindliche Verspieltheit, die ihn selbst unter größtem Druck im Hauptquartier des Bösen von einem Obstteller noch die Trauben naschen lässt.

Ach ja, das Naschen, die Frauen, die Früchte des Erfolgs: Sean Connery hatte da natürlich alle Möglichkeiten - aber zu seiner Legende gehört auch, dass er keine von diesen lächerlichen Gestalten wurde, die sich in der Liebe ständig den Magen verdorben haben. Irgendwann wurden das Golfspielen, die Politik, die Investments dann doch wichtiger als jede kurzfristige Ablenkung - und seit 1975, seit seiner zweiten Eheschließung mit der französischen Malerin Micheline Roquebrune, herrscht einfach Ruhe.

In Würde altern, das können die richtigen Männer dann am Ende wirklich besser als die anderen. Hitchcock hatte ihn schon zu Bond-Zeiten geholt, für "Marnie" - aber erst danach spielt Connery noch einmal eine ganze Reihe von wundervollen Rollen: einen elegischen Robin Hood in Robin und Marian, den Mönch William von Baskerville in Der Name der Rose, oder den unbezwingbaren Vater von Indiana Jones. Einiger Schrott ist auch dabei, was seinen Status aber nicht mehr im mindesten ankratzen kann. Zuletzt weiß einer wie er dann eben auch, wann Schluss sein muss.

Seit sieben Jahren steht er nicht mehr vor der Kamera - und als Steven Spielberg und George Lucas vor zwei Jahren praktisch auf Knien angekrochen kamen, um ihn noch einmal an die Seite von Indiana Jones zurückzuholen, antwortete er nur, der Ruhestand mache halt leider doch einfach viel zu viel Spaß.

Nun, an seinem achtzigsten Geburtstag, bleibt nur zu sagen, dass er damit natürlich recht hatte. Wie in so ziemlich allem, was er getan - oder eben auch gelassen hat.

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  1. Der Mann
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(SZ vom 25.08.2010/rus)