SZ: Wäre ein milliardenschweres Rettungspaket denkbar, wie es zur Stützung des Bank- und Kreditwesens verabschiedet wurde?
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Alterman: Ich hätte kein Problem damit, wenn die Regierung in Krisensituationen den Zeitungsverlagen finanziell unter die Arme greifen würde wie jetzt bei den Banken. Aber natürlich ist ein solches Szenario gerade in den USA riskant und umstritten, weil es die Furcht vor politischer Einflussnahme und Abhängigkeit schürt. Doch gerade in Europa gibt es öffentlich-rechtliche Geschäftsmodelle, wie die BBC, die sich vor redaktioneller Einflussnahme und Korruption zu schützen wissen.
SZ: Die US-Presse ist längst zum Spekulationsobjekt der Börse geworden. Wird sich diese Entwicklung noch zuspitzen, und welche Folgen hat sie für das Wesen des Journalismus?
Alterman: Journalismus wird immer weniger verlässlich. Er wird zu einem Forum, in dem es hauptsächlich um das Publikum, seine Erfahrungen und Ansichten geht. Es wird künftig weniger Wert auf Fachwissen und die klassische Schleusenwärterfunktion des Journalisten gelegt werden, dafür aber immer mehr auf die Partizipation des Publikums. Wir werden uns davon verabschieden müssen, Journalismus und Verifikation, also die Überprüfung von Informationen, in eins zu denken.
SZ: Es gibt immer wieder Anstrengungen, Bürger- und Profijournalismus zu vereinen.
Alterman: Seien wir doch ehrlich: Zeitungen sind nicht sonderlich gut darin, die Leser als Produzenten in ihre Redaktionsstrukturen einzubinden. Wenn der Leser eingeladen wird sich zu beteiligen, dann immer nur unter Kontrolle der Redaktion. Das hat natürlich juristische Gründe: Laien sind in ihren Äußerungen sehr viel unvorsichtiger als Journalisten. Es kommt mir so vor, als komme es den Nutzern heutzutage weniger auf die Wahrheit an, als darauf, an einer öffentlichen Debatte teilzunehmen. Blogs sind dafür ideal: Sie sind schneller, robuster und unterliegen keinen Restriktionen. Die New York Times beschäftigt elf Redakteure, die Kommentare ihrer Nutzer überprüfen, bevor sie veröffentlicht werden. Das ist nicht nur teuer, sondern verhindert auch eine echte Konversation. Zeitungen sind nicht gerade der perfekte Ort, um frei, offen und vor allem zeitnah über Themen zu diskutieren.
SZ: Welche Strategien gibt es, um junge Leser an das alte Druckmedium zu binden?
Alterman: Es gibt momentan nicht viele Ansätze. Eine viel versprechende Möglichkeit sind die stark frequentierten Social Networks, die für viele Nutzer eine Art Nachrichtenersatz darstellen. Wir alle haben das Gefühl, dass sich Zeitungen das Konzept irgendwie zu Nutze machen könnten - nur wie, das weiß noch keiner so genau.
SZ: Könnte das Geschäftsmodell Zeitung also doch irgendwie überleben?
Alterman: Insgesamt bin ich pessimistisch: Ich glaube nicht, dass sich die Zeitungsbranche selbst retten kann. Vielmehr muss die Gesellschaft eintreten und deutlich machen, dass sie auf ein solch wichtiges Gut nicht verzichten kann und will.
SZ: Sie schreiben seit Jahren für etliche renommierte Zeitungen und Zeitschriften wie den New Yorker. Haben Sie keine Angst, dass Sie bald alle Ihre Kolumnistenjobs los sind?
Alterman: Um ehrlich zu sein, wäre ich nur ungern abhängig von meiner Autorentätigkeit. Ich beziehe ein stabiles Einkommen als Journalismusprofessor von der City University of New York und war glücklicherweise immer in stabilen Beschäftigungsverhältnissen. Ich rate meinen Studenten, sich ein Spezialgebiet zu suchen oder eine besondere Fähigkeit zu entwickeln, die sie im hart umkämpften Medienmarkt einzigartig macht. Das Bild vom Journalisten als Generalisten, der über alles berichtet, ist nicht mehr zeitgemäß.
Eric Alterman, 1960 in Queens, New York, geboren, studierte Politikgeschichte und Internationale Beziehungen an den Universitäten Cornell und Yale und promovierte in Geschichte an der Universität von Stanford. Seit 1983 arbeitet Alterman als freier Autor und Publizist. Seine Texte erschienen u.a. in Vanity Fair, The Nation, The New Yorker, Time Magazine und Le Monde Diplomatique. Seit 1995 ist er Kolumnist bei The Nation. 2007 wurde Alterman zum Professor für Journalismus und Englisch an der City University of New York ernannt, wo er bereits seit 2004 Medienwissenschaft und Mediengeschichte lehrte. Darüber hinaus schreibt er regelmäßig das Blog "Altercation" für die gemeinnützige Recherche- und Informationsplattform Media Matters for America und die Kolumne "Think Again" für das "Center for American Progress".
Alterman hat sieben Bücher veröffentlicht, darunter "What Liberal Media? The Truth About Bias and the News" und "The Book on Bush: How George W. (Mis)leads America" (zusammen mit Mark Green). Sein neuestes Buch "Why We're Liberals: A Political Handbook to Post-Bush America" ist gerade erschienen.
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(sueddeutsche.de/jb/jja)
vom britischen Guardian:
Will Hutton criticises media's role in financial crisis
http://www.guardian.co.uk/media/2008/nov/21/events-pressandpublishing
So sieht es also aus, wenn Journalisten zu beichten beginnen.
Alles was noch fehlt ist ein bisschen Sex, Crime & Money um das entsprechend
auszugestalten, richtig suffisant zu skandalisieren - und schon laueft das
Geschaeft wieder. Und was Neues waere es endlich auch mal. Nicht nur immer
die Guten und Retter spielen, das kennen wirklich schon alle.
gibt es da noch Alternativen:
naemlich Gestaendnisse als Insider zu veroeffentlichen. Schliesslich gaebe es zur
Finanzkrise viel zu beichten. Den Medien muesste schon deswegen ein groesserer
Beichtstuhl eingerichtet werdenj.
Damit liesse sich auch eine Menge Geld verdienen indem man sich selber mal ein
bisschen skandalisiert. Das waere was Neuen. hoch an der Zeit und einen Makrt
gaebe es vielleicht auch dafuer.
Herr Kramp und Herr Weichert warum müssen Sie in der Ferne mit Herrn Alterman sprechen, wo das Gute doch so nahe liegt? Das Thema hätten Sie auch mit den Geschäftsführern Ihres Hauses erörtern können. Was interessiert die Situation in New York bzw. Amerika, wenn die SZ doch auf dem deutschen Markt bestehen muß, in einer Erlebniswelt, die den Lesern wohl näher ist.