"Immer mehr Arbeit, immer weniger Einfluss": Marc Fisher von der Washington Post spricht über sterbende Massenmedien und die Gefahr für die Demokratie.
sueddeutsche.de: Mr. Fisher, ein Ende der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch lange nicht in Sicht. Wie ernst sollten Journalisten die gegenwärtige Situation nehmen?
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"Je mehr wir darüber reden, desto schlimmer wird es": "Washington Post"-Redakteur Marc Fisher. (© Foto: Iris Ockenfels)
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Marc Fisher: Sehr ernst, weil sie auch eine nie da gewesene Krise unseres Berufsstandes bedeutet. Derzeit ist die berufliche Existenz einer ganzen Journalistengeneration bedroht. Und selbst diejenigen, die ihre Jobs behalten dürfen, verlieren zunehmend an Einfluss. Sie mühen sich mehr ab als je zuvor und haben dadurch weniger Zeit für Qualitätsarbeit. Der Zusammenbruch des klassischen Geschäftsmodells journalistischer Arbeit hat letztlich dazu geführt, dass wir in einer Welt leben, in der zwar immer mehr Informationen verfügbar sind, sich die professionellen Berichterstatter aber um ihre Zukunft sorgen müssen. Auf diese Weise nimmt die Qualität der gesamten Medienberichterstattung stetig ab. Das sollte nicht nur Journalisten Sorgenfalten auf die Stirn treiben, sondern allen Bürgern.
sueddeutsche.de: Wenn Sie die technologischen Neuerungen der vergangenen zehn Jahre als Chance für den Journalismus begreifen: Wovon profitieren wir?
Fisher: Für die Befürworter des Internets sind es in erster Linie die partizipatorischen Qualitäten, die es uns ermöglichen, mehr Meinungen auszutauschen und Informationen über viele verschiedene Kanäle abzurufen. Ich aber habe die Sorge, dass es bei dieser Argumentation immer nur um die gut gebildeten und - wenn man so will - vernünftigen Nutzer geht. Der Fokus liegt also immer auf solchen Personen, die so viel Zeit und Kompetenz haben, Informationen im Netz überhaupt aufzuspüren. Menschen, die selten Zeitung lesen oder Nachrichten im Fernsehen sehen, sind die eigentlichen Verlierer des derzeitigen Medienwandels, denn sie sind weit davon entfernt, selbst die Initiative zu ergreifen und zehn verschiedene Sichtweisen einer Story im Internet zu lesen. Mit dem Aussterben der gedruckten Zeitung verlieren wir zudem die Möglichkeit, beim Überfliegen der Seiten zufällig über Nachrichten zu stolpern. Und mit dem Wechsel vom linearen Programm- zum Abruffernsehen im Internet bleiben wir auch nicht mehr beim beiläufigen Umschalten auf einem Nachrichtenkanal hängen, der gerade Wichtiges berichtet. Dieses beiläufig erworbene Wissen ist meiner Meinung nach essentiell für die Demokratie, weil es die Massen erreicht. Wenn uns diese Möglichkeit genommen wird, ist das ein wirklich schlimmer Verlust für unsere demokratische Gesellschaftsordnung.
sueddeutsche.de: Sie selbst bloggen sehr viel und produzieren eigene Podcasts. Welche Wege gibt es, professionellen Journalismus mit innovativen Ausdrucks - und Organisationsformen im Netz neu zu erfinden?
Fisher: Es ist ein langsamer Prozess für mich persönlich, weil ich ja nur nebenher ein Blog schreibe. Ich habe mich aber nie davor gescheut, neue Technologien und Techniken einzusetzen und mit ihnen zu experimentieren. Auch versuche ich regelmäßig, meine Leser einzubinden, zum Beispiel habe ich einmal in meinem Blog geschrieben, dass ich von einem gewissen Ereignis gehört hätte und die Leser um mehr Informationen dazu gebeten. Das ist eine neue Art informellen Crowdsourcings: die Intelligenz des Publikums nutzen, um an aktuelle Informationen zu gelangen. Bei der "Washington Post" ist diese Vorgehensweise ansonsten eher unüblich, aber einige andere Zeitungen nutzen das Internet mittlerweile für solche und ähnliche Zwecke - was größtenteils auch sehr sinnvoll ist.
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Das klingt mir bei ihnen doch stark nach Verfolgungswahn. Die böse "linke Kampfpresse" davon wußte auch Helmut K. aus O. bei L. immer herrliche Lieder zu singen. Lassen sie uns wissen wenn es ihnen besser gehen sollte...
Der Satz muss natürlich lauten: Diese Möglichkeit ist mit dem Internet erstmals seit dem Aufkommen der Massenmedien tatsächlich und in der Regel in Echtzeit gegeben.
Fisher sagt: "Wenn es keine Massenmedien mehr gibt, die letztlich unsere gemeinsame Gesprächsbasis bilden und helfen, Politik und die Weltläufte zu verstehen, hat man keine informierten Wähler und keine funktionierende Demokratie mehr."
Dies sollte man eher differenziert betrachten. Massenmedien können durch die zahlreichen "Nachrichtenfilter" auch als Manipulationsmedium betrachtet werden. Dies wird meiner Ansicht nach von Fisher zu wenig berücksichtigt. In der Soziologie gibt es zahlreiche Schriften (u.a. Habermas, Zolo) die sich mit dem manipulativen Charakter der Massenmedien auseinandersetzen. Habermas kritisiert vor allem, dass es ein ein eindeutiges Sender-Empfänger Verhältnis gibt, der Empfänger also keine Möglichkeit des Hinterfragens und des Dialoges hat. Dies sei, so Habermas, aber ein zentraler Punkt für einen liberalen Diskurs. Dies Möglichkeit ist erstmals seit dem Aufkommen der Massenmedien tatsächlich und in der Regel in Echtzeit gegeben. Beim klassischen Massenmedium Zeitung oder auch Fernsehen, ist der Nutzer darauf angewiesen zu glauben, was ihm berichtet wird, nachdem die Nachricht bereits mehrere Filter durchlaufen hat (u.a. die Ausrichtung einer Redaktion, aber auch die Besitz- bzw. Machtverhältnisse in einem Medium sind hierfür maßgebend). Eine Möglichkeit der direkten Interaktion mit dem "Sender" ist nicht gegeben (oder nur höchst selten und zeitlich verzögert.)
habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, wie sehr öffentliche Berichterstattung und Wahrheit abweichen.
Ich habe nach der Wiedervereinigung in zwei Betrieben gearbeitet, die völlig offen kriminelle Machenschaften praktiziert haben und habe diese Zeitung und auch den Spiegel informiert. Es bestand kein Interesse an der Wahrheit.
Meines Erachtens sind damals viele Dämme gebrochen, Journalismus hat sich zum PR.Rudelschrieb entwickelt, der selbst offensichtlichste Tatbestände nicht mehr aufklären wollte.
Auch die Finanzkrise, die sich jetzt in der HRE so brutal offenbart, wurde damals -noch zu Zeiten der Hypobank- begründet, die Bankberater mutierten zu Verkäufern ohne versiertes Wissen und Selbstachtung. Genauso wie die größte Mehrheit der Journalisten.
Ich habe die Konsequenz gezogen, und informiere mich nicht mehr über Zeitungen.
Immer weniger Einfluss ???
Das Sozi-Kampfblatt El Pais in Spanien zeigt das Gegenteil. Mit täglich wechselnden Falschmeldungen über den politischen Gegner der Sozi-Regierung in Madrid verhilft sie sich zu täglich treuen Lesern aus der Sozi-Gesellschaft. Die Genossen bei diesem Blatt erhalten ihre Aufträge aus dem Sozi-Ministerium des Inneren und aus dem Justiz-Ministerium. Die Falschmeldungen werden unterstützt durch gleichzeitige "interne" Veröffentlichungen des Sozi-Generalstaatsanwaltes, der als treuer Sozi-Funktionär und Ex-Politiker nun in der Justiz sein schmutzigesSpiel weitertreibt. Und für all das gibt sich seit Jahren das Sozi-Blatt her. Die Presse als Hure der Sozis. Da kann man sehen, wo die Presse sich größtenteils befindet. In der Gosse.
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