sueddeutsche.de: Welchen maßgeblichen Herausforderungen müssen sich Journalisten also in Zukunft stellen?
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Jarvis: Sie müssen ein neues Geschäftsmodell finden, um den Journalismus und seine Effizienz zu erhalten. Sie müssen - einfach gesagt - lernen, wie man "Neue Medien" macht. Eine steigende Zahl von Mediennutzern ist bereit, sich an der Medienproduktion zu beteiligen, doch der Hauptteil der Rezipienten wird sich weiterhin auf den Medienkonsum beschränken.
sueddeutsche.de: Welchen Stellenwert haben solche passiven Nutzer bei den partizipativen Vermittlungsformen des neuen Journalismus?
Jarvis: Die Wikipedia-Regel besagt, dass nur ein Prozent der Wikipedia-Leser selbst zur Enzyklopädie beiträgt. Das allein aber hat schon ausgereicht, um eine unglaubliche Ressource zu erschaffen. Dasselbe gilt für Online-Medien, für Regierungen und für alle möglichen anderen gesellschaftlichen Institutionen: Jene, die sich beteiligen wollen, erhalten das Rüstzeug dazu und werden miteinbezogen. In einer Masse aus Nischen werden die Leute Medien finden - oder selbst kreieren - mit Themen, die sie interessieren.
sueddeutsche.de: Haben Sie eine Vermutung, weshalb im Gegensatz zur Erfolgskarriere der Bloggerkultur in den USA deutsche Blogs über politische Themen immer noch um Akzeptanz und Popularität ringen müssen?
Jarvis: Ich habe diese Frage auf meinen zahlreichen Reisen nach Deutschland oft gestellt und leider keine zufriedenstellende Antwort bekommen. Manche erzählten mir, dass die Deutschen nicht so gerne mit ihrer Meinung herausrücken, sie schon gar nicht öffentlich kommunizieren. Aber ich glaube, dass sich daran etwas ändern wird, wenn sich unser Leben immer mehr ins Internet verlagert und sich unsere Sozialbeziehungen stärker im Virtuellen abspielen.
sueddeutsche.de: Viele Journalisten blicken angesichts der krisenhaften Situation der Zeitungsbranche zynisch in die Zukunft. Ist der klassische Zeitungsjournalismus wirklich schon aus der Mode?
Jarvis: An der Journalismusfakultät der City University of New York, an der ich lehre, legen wir natürlich weiterhin viel Wert auf die ewigen Gütezeichen des Journalismus: Sorgfalt, Fairness, Vollständigkeit, Balance, Aktualität. Doch habe ich einige zusätzliche Ethiken in der Bloggerwelt gelernt: Die Ethik der Transparenz, die des Links und die der offenen Fehlerverbesserung. Ich glaube, es ist ein guter Weg, die journalistischen Werte zu bewahren, ohne sich zu sehr auf ihre Form zu versteifen.
Jarvis gehört zu den profiliertesten Journalismusexperten und Medienvisionären der USA. Er ist Autor des Buches "What Would Google Do?", das auf Deutsch im Frühjahr 2009 bei Heyne erscheint. Er schreibt in seinem Blog "Buzzmachine.com" über Medien- und Technologiethemen sowie eine "Neue Medien"-Kolumne für die renommierte britische Tageszeitung The Guardian. Jarvis leitet das "Interactive Journalism Program" an der City University of New York Graduate School of Journalism. Frühere Karrierestationen waren das Magazin Entertainment Weekly, das er gründete und mehrere Jahre als Chefredakteur leitete, die Fernsehzeitschrift TV Guide, für die er als Kritiker arbeitete, sowie mehrere Gesellschaftsmagazine. Außerdem war Jarvis Präsident und Kreativdirektor von Advance.net, einem Tochterunternehmen des Condé Nast-Verlags, sowie ranghoher Redakteur und Mitherausgeber der New York Daily News, Kolumnist des San Francisco Examiner und Reporter und Redakteur beim Chicago Tribune.
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(sueddeutsche.de/jb/pak)
Wie sollen die meisten Leser ihrer Onlineausgabe an der "Medienproduktion zu beteiligen" wenn zu den Zeiten an dem sie dies könnten (Abend/Wochenende) dies mit einem Verweis auf rechtl. Bestimmungen, den es so nicht gibt, nicht möglich ist.
Sich kein Fachjournalist die Kommentare durchliest und gegebenfalls Ergänzungen etc. nachreicht.
Als die Presse zum Werbeträger mit redaktionellen Teil verkam, informierten sich die Innovatoren und Nachfolger aus anderen Medien.
Wer heute noch Zeitung liest, macht dies nur aus jahrzehntelanger Gewohnheit und die, die das tun, sind meistens auch recht eindimensionale Menschen (eigene Beobachtung im Bekanntenkreis). Das sind die, die zur Zeitung am Frühstückstisch auch immer 2 Brötchen, davon eines mit Marmelade und 1 Ei (exakt 5 Minuten) vertilgen. Also die sog. Pedanten, die in Ihrem Leben nie was ändern können. Das Vertilgen von 6 Minuten-Eiern wäre für die schon eine Revolution.
Zwangsläufig bekam damit die Bild-Zeitung, die prononcierte Meinungen für diese eindimensionalen Menschen verfasst, in Deutschland eine zentrale Bedeutung.