Von Henrik Bork

Eine Autorin in China erzählt die Wahrheit - ihr Buch wird wie viele andere zensiert.

Buchempfehlungen aus China? Nichts leichter als das. Die Zensoren in Peking haben gerade wieder acht Bücher verboten. Das ist in China ein untrügliches Zeichen für Qualität. Eigentlich steht in der chinesischen Verfassung, dass Chinas Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung und Publikation haben. Doch offenbar darf man nicht alles wörtlich nehmen, was darin steht.

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Zhu Ling ist Journalistin, ungefähr Mitte dreißig, und hat eines der eben erst zensierten Bücher geschrieben. Es heißt: ,,Ich bin dagegen'' (Wo fandui). Nicht Zhu Ling ist gegen irgendwas oder irgendwen, wie der Titel ihres Buches nahelegen könnte. ,,Ich bin dagegen'' sind vielmehr die Worte, die ein gewisser Yao Lifa oft im Volkskongress des Städtchens Qianjiang gesprochen hat. Dieses Nest liegt in der Provinz Hubei und ist früher bestenfalls durch seine höllisch scharfen Nudeln aufgefallen - bis Yao Lifa kam. Als erster unabhängiger, selbstnominierter Kandidat hatte es der Grundschullehrer 1999 geschafft, gegen den Willen der Partei in einen Volkskongress auf Stadtebene gewählt zu werden.

Zhu Lings Buch ist ein Porträt des widerborstigen Yao Lifa, der seine Rolle als gewählter Volksvertreter sehr ernst genommen hat. Zu ernst, findet die Kommunistische Partei Chinas, die ihn nun keinesfalls als Held einer Biographie dulden will. Sonst hätte sie möglicherweise schon im nächsten Jahrhundert Yao Lifas unter den rund 30000 Abgeordneten aller Volkskongresse in Chinas Provinzen sitzen, die ständig ,,Ich bin dagegen!'' brüllen.

Die junge Autorin, mit gehäkelter Kopfbedeckung und rechteckiger Designerbrille, sitzt noch leicht verwirrt in ihrem Lieblingsteehaus am Nordeingang des ,,Ernte-Altar-Parks'' im Südwesten Pekings. Ständig klingelt seit dem Verbot des Buches ihr Handy. ,,Meine Freunde rufen an und sagen ,du bist eine Heldin, Zhu Ling''', sagt sie und lacht. ,,Ich bin doch keine Heldin. Ich habe lediglich eine wahre Geschichte aufgeschrieben. Wenn mich das zu einer Heldin macht, dann wäre das eine Tragödie für dieses Land.''

Oder vielleicht eine Komödie? Yao Lifa jedenfalls hat laut gelacht, als Zhu Ling anrief und vom Verbot des Buches berichtete. Er hat schon Schlimmeres erlebt, darunter Festnahmen und die Androhung von Schlägen. ,,Sie wollen halt nicht, dass sich Nachahmer finden'', sagt er am Telefon. Die Medien, wie das Staatsfernsehen CCTV, für das Zhu Ling früher als Redakteurin arbeitete, hätten schon seit dem Jahr 2004 nicht mehr über ihn berichten dürfen, sagt Yao Lifa. Aus dem Buch ,,Ich bin dagegen'' habe der Verleger schon eine ganze Reihe sensibler Geschichten freiwillig herausgestrichen, bevor er das Buch überhaupt gedruckt habe.

Chinas Regierung will vor den Olympischen Sommerspielen im Jahr 2008 nach außen hin ein Image größerer Offenheit projizieren. Umso heftiger drischt sie derzeit auf ihre heimischen Autoren ein.

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