Von Caspar Busse

"Bild" und "Bild am Sonntag" verlieren kräftig an Auflage. Nun gibt Springer-Chef Döpfner Zuständigkeiten ab - und der Online-Auftritt soll weniger Erotik, dafür mehr Inhalt bieten.

Mathias Döpfner, 44, hat derzeit viel um die Ohren. Besonders schnell muss der Vorstandschef der Axel Springer AG eine Lösung für die neuen Post-Aktivitäten im Konzern finden.

Döpfner Bild dpa

Umstrukturierungen: Mathias Döpfner gibt Zuständigkeiten ab. (© Foto: dpa)

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Die Pin Group, in die Döpfner im Sommer mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert hat, ist in schwierigem Fahrwasser, private Konkurrenten wie TNT haben am Montag verkündet, ihre Expansion in Deutschland wegen der Einführung eines Mindestlohns für die Branche aufzugeben. Derzeit werden auch bei Pin alle Optionen geprüft, selbst die Schließung steht auf der Tagesordnung. Nach der gescheiterten Übernahme beim TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 wäre ein Rückzug aus dem Postgeschäft der zweite Flop für Döpfner in den vergangenen Jahren.

Keine angenehmen Zeiten also für den Springer-Chef. Jetzt gibt er auch noch einen wichtigen Teil seiner Aufgaben im Springer-Vorstand ab. Für viele überraschend ist künftig Vorstandskollege Andreas Wiele, 45, für die Geschäfte der gesamte Bild-Gruppe zuständig. Döpfner behält zwar die publizistische Verantwortung für Bild und Bild am Sonntag, die beiden Chefredakteure Kai Diekmann und Claus Strunz werden weiter an den Vorstandsvorsitzenden berichten. Von Wiele übernimmt Döpfner den Bereich Internationales, er ist zudem nach wie vor für die Welt-Gruppe und die Regionalzeitungen zuständig.

Wiele gewinnt durch die Umorganisation aber intern an Einfluss. Denn er ist künftig für alle wirtschaftlichen Belange der Bild-Familie zuständig und damit verantwortlich für den wichtigsten Ertragsbringer des Verlagshauses. Wiele betreute bisher nur die Zeitschriftentitel, darunter auch Computer-Bild oder Auto-Bild. Jetzt soll er offenbar den gesamten Bereich effizienter machen.

Ohne die Telekom

Die beiden Titel Bild und Bild am Sonntag verlieren derzeit deutlich an Auflage. Der bisherige Chef der Bild-Gruppe, Christian Nienhaus, 47, verlässt den Konzern und wird als Geschäftsführer zur WAZ-Gruppe in Essen wechseln. Nienhaus, der bereits Anfang 2008 beurlaubt werden soll, war nicht Mitglied im Springer-Vorstand. Zuletzt wurden als sein Nachfolger die Springer-Manager Philipp Welte und Peter Württemberger gehandelt. Sie gehen leer aus, denn die Nienhaus-Position wird nicht mehr besetzt. Wiele festigt damit auch innerhalb des Springer-Vorstands seine Position.

Rudolf Knepper, stellvertretender Vorstandschef und für Technik und Logistik zuständig, war hinter den Kulissen zuletzt in die Kritik geraten. Ihm wurde unter anderem das schlechte Management bei Pin angekreidet. Der vierte im Vorstand, Finanzvorstand Steffen Naumann, gilt als Vertrauter Döpfners.

Vorstandschef Döpfner teilte am Montag mit, durch die Neuordnung der Zuständigkeiten soll das Potential der Marke Bild besser genutzt werden. Wiele wird auch für das Onlineangebot Bild.de, das 1996 gestartet wurde, zuständig sein. Nach langen Verhandlungen einigten sich am Montag Springer und die Deutsche Telekom zudem auf eine Beendigung ihrer Zusammenarbeit. Seit 2001 betrieben die beiden Konzerne das Portal Bild-T-Online gemeinsam. Jetzt kaufte Springer der Telekom die 37-Prozent-Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen ab. Zu welchem Preis, ist offen, es soll ein zweistelliger Millionenbetrag sein.

Derzeit wird an einem Neustart von Bild.de gearbeitet, der noch in diesem Jahr online gehen soll. Springer will dabei stärker auf Inhalte und weniger auf Erotik setzen. Die Redaktionen der gedruckten und der Online-Bild-Ausgabe werden dazu enger zusammenarbeiten. Ohne die Beteiligung der Telekom hat Springer nun alle strategischen Freiheiten.

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(SZ vom 4.12.2007/rus)