ZDF-Moderator Claus Kleber ("heute-journal") plauderte vor Münchner Fernseh-Studenten einmal richtig aus dem Nähkästchen. Es ging um den Spiegel, den eigenen Sender, Segeln in der Karibik und einen Traum aus der Kindheit.
Jetzt wissen wir also, wie Claus Kleber als Kind gerne gewesen wäre er - so wie Pierre Brice. Damals hielt er es mit den Attributen "dunkelhaarig, heldenhaft, edel", die Brice alias Winnetou ausmachten.
Anzeige
Heute ist Kleber ein ziemlich blonder und blauäugiger Fernsehmoderator, der jede zweite Woche im Zweiten das "heute-journal" moderiert. Dass von "Moderation" eigentlich überhaupt nichts in seinem Arbeitsvertrag stehe, verrät der Journalist auch noch an diesem Abend in Unterföhring, vor den Toren Münchens. Hier wird er von zwei Studenten der Bayerischen Akademie für Fernsehen (BAF) für die 45-minütigeTalkshow "Unter Medienleuten" interviewt.
Der 52-Jährige gibt sich gut gelaunt, entspannt und offenherzig. Natürlich muss er bei der Aufzeichnung ("live on tape") wieder die Frage beantworten, warum er im vorigen November nicht das Angebot annahm, Spiegel-Chefredakteur zu werden. Klebers Statement: "Ich weiß, dass der Posten des Spiegel-Chefredakteurs einzigartig ist in Deutschland. Es ist die einflussreichste, mächtigste Position. Aber ich habe bisher immer alle guten Angebote angenommen, da habe ich mir gesagt 'Jetzt machst du mal was fertig'". Außerdem sei er mehr der Fernseh-Typ.
Und der Wechsel 2003 von der ARD zum ZDF? "Es gibt Angebote, die kann man nicht ablehnen", sagt er diplomatisch. "So einen Wechsel kann man ohne Gesichtsverlust machen - ich wäre nicht so ohne weiteres zu RTL." Anders als die bekannte Reporterin Antonia Rados also, die auf die "Informationsoffensive" von RTL vertraut hatte und nun desillusioniert zum ZDF zurückkehrte.
Kurze Filmeinspielungen zeigen das Umfeld des Chefs des "heute-journals". Alltag im ZDF-Studio auf dem Mainzer Lerchenberg, an einem Samstag, dem ruhigsten Tag in der Redaktion. Arbeitsbeginn: 17 Uhr. Claus Kleber informiert sich über Neuigkeiten in der Welt. Kurzer Schwenk zur Sprecherin Gundula Gause, die in der Maske sitzt und verrät, warum sie selten nach der Arbeit mit Kollege Kleber etwas trinken geht: "Ich stehe um sechs Uhr auf, da schaffe ich es abends einfach nicht mehr." Auch Claus Kleber lässt sich in der Maske filmen, während im das Gesicht gepudert wird - das erlaubt er TV-Teams sonst nie.
Schließlich kommt sein ehemaliger Uni-Professor Thomas Oppermann ins Bild; bei ihm, in Tübingen, hat der Jurist Kleber 1986 über das Thema: "Privater Rundfunk - Gestaltungsmöglichkeiten im Verfassungsrahmen" promoviert. Professor Oppermann erzählt: "Ich habe ihn nur sporadisch gesehen - er war wohl so oft in der Uni wie beim Südwestfunk." Sein bekannter Schüler ist gerührt, seinen Doktorvater - wenn auch nur via Fernseher - wiederzusehen.
160 Abende verbringt Claus Kleber in der ZDF-Redaktion. Wenn es ungünstig läuft, hat er an fünf Wochenenden hintereinander Dienst. "Das ist nicht so toll fürs soziale Leben." Erholung findet er dann, verrät Kleber, in "Schnuffeljeans" auf einem Segelboot in der Karibik, mit seiner Frau und den beiden Töchtern.
3,2 Millionen Menschen schauen täglich das "heute-journal". Dem Moderator ist das nicht genug. Claus Kleber hat eine Mission: "Wir wollen den Zuschauern Politik näher bringen, komplexe politische Interessen transparent machen und unsere Beiträge so gestalten, dass es jeder versteht." 30 Prozent verstehen offenbar nur Bahnhof bei Nachrichten im Ersten oder Zweiten.
Als Senderchef in Mainz würde Claus Kleber - klarer Fall - das Informations-Profil des ZDF noch weiter ausbauen. Vor allem müsste das oft von Fußball-Übertragungen und dergleichen verdrängte "heute-journal" feste Sendezeiten bekommen. "Außer wenn Tommy Gottschalk 'Wetten dass..?' moderiert", fügt Kleber noch an.
Vor dem ZDF-Showmoderator hat selbst der Nachrichtenstar des Senders Respekt.
- Begehrter Claus Kleber "Spiegel" wartet vergebens auf Zusage - schon wieder 18.03.2008
- Susanne Kronzucker wechselt zum ZDF Ein Sender zieht an 17.12.2007
- Spiegel/ZDF Claus Kleber traut sich's zu - und sagt ab 12.12.2007
- Spiegel/ZDF Sein Medium: Fernsehen 12.12.2007
- Claus Kleber, das ZDF und "Der Spiegel" Willst Du mein Chef sein? 10.12.2007
(sueddeutsche.de)
Partyzone Flußufer