ZDF: Heidenreichs Zukunft ungewiss Ausgelesen?

Den Kollegen Gottschalk unfair attackiert: ZDF-Programmchef Thomas Bellut über Elke Heidenreichs Zukunft im ZDF.

Interview: Christopher Keil

SZ: Herr Bellut, nach dem Fernsehpreis waren Sie ein paar Tage nicht im Sender. Kam Ihnen mit dem Abstand vielleicht der Gedanke, Marcel Reich-Ranicki könnte mit seiner pauschalen Qualitätskritik am deutschen Fernsehen tatsächlich recht haben?

Thomas Bellut: Natürlich hat er in der Form nicht recht. Unmittelbar vor der Ausstrahlung des Fernsehpreises am vergangenen Sonntag lief bei uns die Dokumentation Expedition Erde mit dem Astronauten Thomas Reiter. Das ist höchstes wissenschaftliches und ästhetisches Niveau. Unmittelbar nach der Fernsehpreisverleihung kam ein "Heute-Journal Spezial" zur Weltwirtschaftskrise. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat Qualitäten und ist trotzdem sicher nicht perfekt. Aber diese grundsätzliche Debatte bitte differenziert und intellektuell sauber.

SZ: Im Nachklang der Brandrede setzte sich ZDF-Moderatorin Elke Heidenreich ("Lesen") auf die ausgelöste Empörung übers Fernsehen und schrieb in einem Beitrag, dass sie sich schäme, überhaupt beim ZDF zu arbeiten. Mit großem Furor kanzelte sie besonders Thomas Gottschalk ab, der statt ihr die Laudatio auf Reich-Ranicki halten durfte und offerierte: "Von mir aus schmeißt mich doch raus." Nehmen Sie an?

Thomas Bellut: Selbstverständlich kann ich nicht zulassen, dass ein Kollege wie Thomas Gottschalk so unfair attackiert wird, zumal die Attacke ungerecht und ungerechtfertigt war. Ich frage jetzt mal Frau Heidenreich: Können Sie denn überhaupt noch für einen Sender arbeiten, den Sie ja so schrecklich finden?

Maß überschritten

SZ: Interessanterweise hat Frau Heidenreich, die Dienstagabend in Stuttgart einen Medienpreis annahm, als Konsequenz ihres Donnerwetters einen besseren Sendeplatz für Lesen eingefordert.

Thomas Bellut: Das habe ich mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Fest steht im Augenblick eigentlich nur, dass es 2009 eine Literatursendung im ZDF geben wird. Wie sich das mit Frau Heidenreich weiterentwickelt, kann ich nicht sagen. Der ZDF-Intendant (Markus Schächter) hat ihr einen Brief geschrieben. Wir ziehen noch Bilanz. Ich bin jedenfalls über das Verhalten von Frau Heidenreich, über ihre Worte, auch persönlich enttäuscht.

SZ: Für Elke Heidenreich spricht allerdings, dass man wissen müsste, wen man beschäftigt. Wer Heidenreich engagiert, bekommt immer auch Heidenreich.

Thomas Bellut: Richtig. Wir hatten aber fünf gute Jahre Lesen. Und: Frau Heidenreich hat im ZDF stets ihre Meinungsfreiheit behalten, und sie hat sich schon häufiger kritisch über das Fernsehen geäußert. Kritik halte ich für völlig normal. Es kommt auf das Maß an. Das Maß wurde hier allerdings weit überschritten.

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