SZ: Warum braucht das ZDF Markus Lanz, wenn Johannes B. Kerner noch Jahre auf Sendung bleiben soll?
Anzeige
Bellut: Stimmt, Kerner wird bleiben. Er ist so gut wie nie. Bei Lanz setzte ich auf dessen Substanz.
SZ: Das reimt sich ja sogar. Bisher schaut er über den Kochtopf nicht hinaus.
Bellut: Ich halte ihn für einen Kopf des Infotainments: Vermittlung von Wissen mit unterhaltenden Elementen. Da haben wir Nachholbedarf.
SZ: Was für Lanz konkret bedeutet?
Bellut: Ich grenze mal negativ ab: Ich will eigentlich keine Casting-Shows mehr. Das ist zwar international ein Trend, doch unser Publikum lehnt es ab. Markus Lanz stelle ich mir bei Quiz-ähnlichen Sendungen und bei Erziehungsformaten vor. Mit dem neuen digitalen Programm (Familienkanal), das in meine Direktion gehört, bekomme ich die Erlaubnis zu experimentieren.
SZ: Relativ neu ist, dass Hape Kerkeling ein ZDF-Gesicht wird. Mitte Januar läuft "Ein Mann, ein Fjord"; eine Wissens-Serie mit Kerkeling als Moderator ist vereinbart, es geht da um die Geschichte der Welt. Was sehen Sie in ihm?
Bellut: Hape Kerkeling ist bisher mit dem Begriff Entertainer belegt. Er ist viel mehr. Er ist ein belesener, intelligenter Mensch. Und das werden wir zeigen, in einer Frequenz, die er bestimmt. Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir auch eine Samstagabendshow für ihn fänden. Insgesamt wollen wir 2009 - unabhängig von Kerkeling - für den Samstagabend drei, vier neue Shows ausprobieren.
SZ: Stimmt es, dass das ZDF Andrea Kiewel begnadigt und wieder als Moderatorin für den sonntäglichen Fernsehgarten einsetzen wird? Frau Kiewel hatte Schleichwerbeverträge und log in einer ZDF-Talkshow, als sie nach möglichen Werbevereinbarungen befragt wurde.
Bellut: Frau Kiewel hat einen schweren Fehler begangen. Ich bin überzeugt, dass jeder Fehler macht. Wenn einer einsichtig ist, sollte man ihm eine zweite Chance geben.
SZ: Wie wollen Sie Klarheit und Ehrlichkeit durchsetzen, wenn niemand ernste und nachhaltige Sanktionen fürchten braucht?
Bellut: Wie viel Strafe wäre denn angemessen? Es ist keine leichte Entscheidung gewesen, wir haben intern ausgiebig diskutiert. Frau Kiewel zeigt ehrliche Reue. Sie war ein Jahr auf dem Abstellgleis, und sie wird sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Von Mai 2009 an soll sie den Fernsehgarten wieder präsentieren.
SZ: Dass Elke Heidenreich, die nach ihrer Kritik am ZDF ("Ich schäme mich für den Sender") nicht weiter beschäftigt wurde als Moderatorin von Lesen!, ins ZDF zurückfindet, ist ausgeschlossen?
Bellut: Frau Heidenreich hat doch schon eine Sendung im Internet. Ich wünsche ihr alles Gute im World Wide Web.
Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3
(SZ vom 02.01.2009/mel)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Gelassen ausgesprochen, verräterischer Neologismus: Unterwerfung unter das Chacun a son gout. Kapitulation eines Programmdirektors vor der schnöden Realität?! Unterhaltung, ergib Dich, Du bist umzingelt! Um Dich herum stehen "wahnsinnige Bandbreite"(n), die von Dir mehr verlangen als Geschmacksabhängigkeit (besseres Epitheton!). Nein, es muß schon die unerbittliche "deditio" sein, ausgeführt auf beiden Knien, wie es sich für einen Neu-Gläubigen gehört. Wie lautet die Doctrina Belluti: Hinweg mit dem Tüll von Kategorien! Laßt uns auf den nackten Leib der hybriden Mischformen schauen, damit wir - im Jahre Darwins - erkennen, wie das (TV-)Leben spielt und die Natur so ackert.
Ach - was hätte ich mir die guten alten Kategorien gewünscht bei der Chimäre "Die Deutschen". Nein, lieber Herr Bellut, nicht das "Populäre" stand in der Kritik - die rabiaten Widersprüchlichkeiten in der Umsetzung des Sujets. Was helfen die besten Experten, die etwa (richtig) vom "römischen König" im Mittelalter sprechen, wenn die ZDF-Redaktion mit konstanter Bosheit daraus einen "deutschen König" (falsch!) bastelt? "Die interne Qualitätsdebatte" ist den Namen nicht wert, wenn sie nicht kategorial geführt wird. Ihr Proseminar-Wissen aus dem ehrwürdigen Historischen Seminar zu Münster können Sie doch nicht in den Gedächtnis-Mülleimer entsorgt haben?! Also warfen Sie mit der Wurst der Historie einfach nach der Speckseite des "populären" Nationalen - in der Hoffnung, das Pökelsalz der Sprachgewohnheit würde das Objekt der Begierde schon im haltbaren Ungefähren belassen ("ist eben beides richtig").
"Das Kanzleramt" (2005) war "eine meiner bittersten Niederlagen" (B.). Wenn es ein so "tolles Programm" war (worin ich Ihnen rechtgebe), dann sollten Sie nicht über divergierende Definitionen von "Qualität" jammern, sondern die Wucht Ihrer Persönlichkeit dafür einsetzen, daß es im Jahre 2010 (nach den Wahlen) wieder aufs Tapet kommt - mit je einem Anhang süffisanter Erklärungen, was daran reine Fiction oder doch Faction war. Robert Atzorn als brummeliger Amtschef Stottel-, äh! Steinmeier gefiel mir schon ganz gut.
Ansonsten gilt "Wallensteins Lager" (2009 Schillerjahr!): "Wie er sich räuspert, wie er spuckt. Das hat er ihm trefflich abgeguckt". Herablassend (Lanz), gönnerhaft (Kerkeling), gnadenreich (Kiewel), perfide (Heidenreich). Harren wir geduldig des nächsten Aktes - kommt wie das Halleluja nach den vier Fäusten.
...sagt Rhinelander, was nach Lektüre des umfangreichen Interviews zu sagen ist: Wer Belluts Geschwafel gelesen hat, kommt nach einem Blick ins tägliche ZDF-Programm rasch wieder in der Realität an.
Ziemlich belangloses Gerede.