Die Konservativen im ZDF-Verwaltungsrat werden Chefredakteur Nikolaus Brender stürzen - weil er nicht vor den Großen kuscht.
Sage niemand, Roland Koch wäre nicht höflich. Lächelnd ging der hessische Ministerpräsident auf Nikolaus Brender zu und streckte dem ZDF-Chefredakteur die Hand entgegen. Der schaute den Christdemokraten an - und verschränkte die Arme. Dann eilte Willi Hausmann heran, einst enger Vertrauter von Angela Merkel, und fuhr seinen Arm weit aus. "Brüder, in eins nun die Hände", heißt es zwar in einem alten Arbeiterlied, aber der ZDF-Mann mochte auch Hausmann nicht die Hand reichen. Verweigerung kann manchmal eine Haltung sein.
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Brender hat ein Gespür für Themen, für Entwicklungen, aber lange Zeit hat er nicht mitbekommen, was sich gegen ihn zusammenbraute. (© Foto: dpa)
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Eben erst hatten die Vertreter der Union im ZDF-Verwaltungsrat, Koch voran und Hausmann mittenmang, auf jener berühmt gewordenen Sitzung im Frühjahr dieses Jahres angekündigt, dass sie den Ende März 2010 auslaufenden Vertrag mit dem ZDF-Chefredakteur nicht verlängern wollen. Mit Brender hatten sie darüber nicht geredet und nicht reden wollen, und dieser Umstand vor allem erboste den 60 Jahre alten Chefredakteur - solchen Leuten gibt er nicht die Hand. Jedenfalls nicht in so einem Augenblick. War es diese Geste, der verweigerte Händedruck, die so auffällig demonstrierte Unbotmäßigkeit? Liegt es daran, dass alles jetzt so läuft, wie es läuft?
"Ich war irritiert", sagt Hausmann heute. Aber wer und was kann Roland Koch noch irritieren? Vermutlich nicht einmal er sich selbst.
An diesem Freitag tagt im Lindenflügel des Zollernhofs in Berlin von 14 Uhr an wieder der Verwaltungsrat des ZDF, das mit 3600 Leuten einer der größten Fernsehsender Europas ist. Zunächst werden Haushaltsfragen beraten werden; am Ende der Sitzung wird ZDF-Intendant Markus Schächter vorschlagen, Brender erneut für fünf Jahre zum Chefredakteur zu ernennen. Und wenn nicht der heilige Franz von Sales, der gute Schutzpatron der Journalisten, noch im letzten Augenblick gewaltig dazwischenhaut, wird Schächters Vorschlag von der Unionsmehrheit mit deutlicher Mehrheit abgelehnt werden, denn Einvernehmen ist notwendig.
Vermutlich wird es 9:5 gegen Brender ausgehen. Der wird dann nach zehn Jahren Amtszeit seine Sachen packen müssen, ohne vor seiner Abwahl zu dem Vorgang Stellung genommen zu haben. Vermutlich wird er sich dann bald am Lerchenberg in Mainz verabschieden. Eine "lame duck" zu sein, passt nicht zu ihm.
Die großen Alten des Fernsehens
Brender ist auch nicht gerne Bittsteller. Vergeblich hatte er vor Monaten auf der 13. Sitzung des Verwaltungsrats um das Wort gebeten. Er wollte eine Erklärung abgeben. Abgeschmettert. 8:6. Wortführer waren der saarländische Ministerpräsident Peter Müller und Edmund Stoiber, der frühere bayerische Ministerpräsident. Stoiber? Vor fünf Jahren, als Brenders Vertragsverlängerung schon einmal anstand, so erklärte der CSU-Politiker in der Sitzung, habe er seine "Bedenken" gegen Brender "zum Ausdruck gebracht".
Er habe dann "jedoch zugestimmt, weil . . ." Stoiber soll dann über das, was normal ist oder nicht und über seine enttäuschten Erwartungen gesprochen haben. Keiner aus der Runde kann den Monolog einigermaßen verlässlich wiedergeben. Aber alle wissen: Die Stoiber-Leute haben mit Brender noch eine Rechnung offen, weil das ZDF im Bundestagswahlkampf 2002 angeblich zu häufig Gerhard Schröder und zu wenig Edmund Stoiber im Bild hatte. Schröder trotzte damals dem Hochwasser an der Elbe wie ein Deichgraf, Stoiber war irgendwo im Kinderplanschbecken. So banal funktioniert Macht im Fernsehen.
Was Koch, Stoiber und auch Hausmann offensichtlich für einen normalen Vorgang halten, die Nichtwiederwahl Brenders, ist für etliche Medienschaffende ein Anschlag auf ihren Berufsstand. Viele der großen Alten des Fernsehens, unter ihnen zahlreiche ehemalige Intendanten, sind in den vergangenen Wochen noch einmal - oder erstmals in ihrem Leben - auf die Barrikaden gestiegen und haben sich für Brender eingesetzt. Das seien sie auch, sagen manche, den jungen Kollegen in den Sendern schuldig, die Jasagen und Buckeln nicht für eine journalistische Tugend halten sollen.
Lesen sie auf Seite 2, warum man sich bei der Suche nach dem Motiv der Unionsleute leicht verirren kann.
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DFB-Pleite gegen die Schweiz
Aber nur, wenn es die der Konservativen ist.
Hat sich was mit Uabhängigkeit der Medien.
Hofberichtestattung ist erwünscht und gefordert. Nur der, der diesem Erfordernis entspricht, bekommt einen Posten.
Zitat: Die Linke ist überrepräsentiert..
Wenns diese Aussage nicht so unglaublich dumm, dreist wie auch traurig wäre, könnte man laut lachen. Unser Fernsehen ist nicht links - ich sehe überhaupt nichts mehr relevantes Linkes in unserer Gesellschaft - was immer Links auch sein soll.
Dass es nur noch Speichellecker gibt, ist das entscheidende, egal wie jemand politisch steht. Rückrat ohne Schulterklappen - das ist es, was gänzlich fehlt!
Und mit diesem Mann wird einer der wenigen geschasst, die den Politikversagern a la Koch, Merkel, Schröder, Fischer, Westerwelle und Co. überhaupt noch die journalistische Stirn zeigen.
Der katastrophale Zustand der Medenlandschaft ist doch ein ganz wichtiger Grund dafür, dass sich unsere Gesellschaft im Steilflug nach unten befindet.
Niemand gebietet der Korruption und Geldgier einer kleinen machtbesessenen, ignoranten Clique Einhalt. Und genau das wäre die Aufgabe eines sachlich-kritischen Journalismus, den ein Mann wie Brender vertritt.
Da erste Volksbegehren bei der angestrebten Bundesweiten Volksabstimmung muss über die Entfernung der Parteipolitiker aus solchen Gremien wie der Verwaltungsrat der Öffentlich Rechtlichen, sein. Nur so lässt sich die subtile Zensur und Meinungsmache der Parteien verhindern.
Die Privaten in Händen von Heuschrecken und Medientycons - links?
Was ist aus den "linken" Spiegel, Stern, SZ, TAZ etc. geworden? Der intellektuelle Aufguss der Bild.
Und ARD und ZDF? Bei Interviews mit Merkel und Westerwelle tropft die Schleimspur inzwischen aus dem Bildschirm. Zurecht, denn niemand hebe die Hand gegen Mutti.
Und ich würde Sus scrofa domestica Koch nicht einmal einen Fuß zur Begrüssung geben.
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