"World War Z"-Regisseur Marc Forster "Wir wandeln im Halbschlaf durchs Leben"

Brad Pitt in "World War Z"

(Foto: Paramount)

Ein echter Zombiefilm sei sein Blockbuster mit Brad Pitt in der Hauptrolle eigentlich gar nicht, erklärt "World War Z"-Regisseur Marc Forster im Interview. Warum er trotz seines apokalyptischen Endzeitszenarios optimistisch bleibt.

Von Anke Sterneborg

Es ist ein weiter Sprung, den der in Deutschland geborene und in der Schweiz aufgewachsene Marc Forster gemacht hat, seit dem intimen Kampf der Geschlechter in "Monster's Ball". Erstaunlicherweise wirkt der Mann mit den sanften Zügen und dem kahlen Schädel im Gespräch fast ein wenig schüchtern und nervös, was möglicherweise einfach daran liegt, dass ihm seine Muttersprache inzwischen ein wenig fremd geworden ist. Man erkennt aber auch die eher zurückhaltende Art seiner Helden, die dem von Will Ferrell gespielten Steuerbeamten in "Schräger als Fiction" ebenso zu eigen ist wie dem von Brad Pitt verkörperten Weltenretter in "World War Z".

SZ.de: Im Kino jagt derzeit ein Weltuntergang den nächsten, wie nah ist uns der Weltuntergang in der Realität?

Marc Forster (lacht): Dass der Weltuntergang schon direkt vor der Tür steht, glaube ich zwar nicht, aber sicherlich leben wir in einer Zeit großer Unsicherheiten, in der viele Menschen in Angst leben, schon rein wirtschaftlich, wenn Sie Spanien, Portugal oder Griechenland anschauen. Der Untergang steht uns zwar nicht direkt bevor, dennoch müssen wir Menschen umdenken, damit es nicht doch noch soweit kommt. 2050 soll es zehn Milliarden Menschen geben, für die auf diesem Planeten nicht genug Ressourcen vorhanden sind. Da kann man sich gut vorstellen, dass die Menschen so wie die Zombies im Film wie von Sinnen den letzten Nahrungsressourcen nachjagen.

Das Horror-Genre spiegelt traditionell die jeweils aktuellen Ängste, was hat sich da seit Romero verändert, was war für Sie der Hauptgrund, sich jetzt auf dieses Thema einzulassen?

Mir ging es weniger darum, einen Zombiefilm zu machen, als ein apokalyptisches Endzeitszenario zu entwerfen. Es war die Kombination von beidem, die mich interessiert hat. Als die Zombiefilme in den Siebziger Jahren populär waren, was das ebenfalls eine Zeit großer Veränderungen in der Welt, damals ging es vor allem um die Kritik am Konsum. Heute sind die Zombies aus anderen Gründen eine gute Vorlage für vielfältige Interpretationen. Es hat mich gereizt, einen Popcornfilm zu machen, der zugleich eine gute Vorlage bietet, unser modernes Verhältnis zur Welt auszuloten, diese Art, wie wir quasi im Halbschlaf durchs Leben wandeln.

Und wie viele ihrer ganz persönlichen Ängste stecken da drin?

Ich bin generell sehr optimistisch und glaube daran, dass die Menschen einen Weg finden werden, um die Probleme zu lösen, mit denen wir in unserer Welt derzeit zu kämpfen haben. Wir werden sicher rechtzeitig erwachen, bevor wir uns vollends in Zombies verwandeln.