Neue Fernsehserie Einfach mal machen lassen

Woody Allen ARCHIV - US-Regisseur Woody Allen trifft zur Vorstellung seines Films ´To Rome With Love" am 13.04.2012 in Rom ein. Foto: Claudio Onorati (zu dpa Amazon gewinnt Woody Allen als Serien-Regisseur vom 13.01.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Woody Allen wird eine Webserie für Amazon machen - und hat für deren Inhalt noch nicht einmal eine Idee. Ist sein Scheitern vorprogrammiert? Im Gegenteil. Das Beispiel zeigt, wie wirklich gutes Fernsehen heute gemacht wird.

Von Tobias Kniebe

Die Meldung über die Zusammenarbeit von Amazon und Woody Allen, die am Mittwoch um die Welt ging, hat einen interessanten Nebenaspekt: Der 79-jährige, unermüdlich filmende Stadtneurotiker hat offensichtlich noch keine Ahnung, was er in seiner Fernsehserie für Amazon Prime Video eigentlich erzählen will - die Verträge für eine ganze Staffel sind aber trotzdem schon unterzeichnet. Das machte Allen in einem Statement klar, in dem er ironisch noch anfügte, Amazons Studiochef werde so viel Vertrauen sicher bald bereuen.

Woody Allen dreht Webserie für Amazon

Der Online-Händler Amazon hat Woody Allen exklusiv für eine neue Webserie verpflichtet. Der 79-Jährige soll für die Serie nicht nur Regie führen, sondern auch das Drehbuch schreiben. Streamingangebote liegen im Trend. Das zeigte sich gerade erst bei den Golden Globes. mehr ...

Wird er nicht, muss man antworten - wenn sich die aktuelle Erfolgssträhne der neuen Player im Entertainmentgeschäft fortsetzt. Gerade hat Amazon zwei Golden Globes für seine Streamingserie "Transparent" gewonnen, Netflix verbuchte einen für seinen "House of Cards"-Star Kevin Spacey. Und womöglich sind diese und viele andere Preise, plus der große Erfolg bei den Zuschauern, kein Zufall.

Wer ganz neu im Geschäft ist, muss viel Geld auf den Tisch legen, erfahrene Macher anheuern - und sie dann einfach machen lassen. So ist Netflix bei "House of Cards" verfahren, wo David Fincher engagiert wurde, inzwischen gibt es Deals mit Leonardo DiCaprio und Adam Sandler. Und vor Woody Allen wurde Amazon auch schon bei Steven Soderbergh, Ridley Scott und "Lost"-Showrunner Carlton Cuse vorstellig, die dann in großer Freiheit Pilotfilme entwickelten.

Das Gesetz der Serie

Von den "Sopranos" über "The Wire" bis hin zu "True Detective": Zu den großen Gewinnern beim Publikum zählt das neue Erzählfernsehen. Es wird häufig als Erbe des Romans bezeichnet - aber stimmt das wirklich? Von Christopher Schmidt mehr ... Analyse

Das ist ein gewaltiger Unterschied zur üblichen Produktionsstrategie der klassischen Filmstudios und Fernsehsender, die nicht umsonst in der Branche gern "Entwicklungshölle" genannt wird. Jede Menge Produzenten, Studio-Aufpasser und Oberbosse wollen meistens mitreden, ständig werden Egotrips gefahren und Stars umschmeichelt - und am Ende kommt nicht einmal ein drehfertiges Skript heraus. Die geleakten E-Mails aus dem Sony-Hack gaben zuletzt einen herrlichen Einblick in diese Hölle.

In Europa wiederum sind es regionale und nationale Fördergremien und in Deutschland besonders die Fernsehredakteure, die jede Idee kontrollieren und modifizieren wollen, weil sie angeblich wissen, was läuft. Wissen sie aber nicht. Weshalb das Modell "Carte blanche", so riskant es erscheinen mag, viel öfter zum Einsatz kommen sollte.