Hochgerechnet ergibt dies etwa 150 Neuaufnahmen und 80 Streichungen für das gesamte Werk. Der Überschuss der Neuaufnahmen wurde durch Kürzungen bei den Beschreibungen der Einträge ausgeglichen, so dass man jetzt beispielsweise nicht mehr erfährt, dass Burkina Faso früher Obervolta hieß.
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Die Dokumentierung der Änderungen im Duden an selber Stelle wäre wesentlich umfangreicher, auch wenn die ersten drei neuen Wörter (abbusseln, Abendakademie, Abendgarderobe) exemplarisch zeigen, dass die meisten der 5000 Neuaufnahmen im Duden weder orthographisch relevant sind noch dem Zeitraum seit 2006 entstammen.
Der größte Vorteil des Wahrig im Vergleich zum Duden ist neben dem Abdruck des amtlichen Regelwerks die Tatsache, dass im Wahrig Neuschreibungen weiterhin durch Blaudruck kenntlich gemacht werden, auch wenn der Redaktion einzelne Fehler unterlaufen sind, denn "sich bereitmachen", "freinehmen" und "weniggelesen" sind nicht die traditionellen Schreibungen, welche in diesen Fällen wiederum zu Unrecht blau sind.
Von der exzessiven Trennung zum obligatorischen Zusammen
Wenn hingegen Duden-Chef Matthias Wermke den Verzicht auf die Markierungen damit begründet, dass die Neuregelung "längst im Schreiballtag angekommen" wäre, übersieht er, dass viele Neuschreibungen gerade einmal drei Jahre alt sind, weswegen man wiederum im Wahrig die dort der Aufnahme der Variantenempfehlungen der Nachrichtenagenturen zum Opfer gefallenen Tabellen vermisst, welche die Schreibänderungen seit 2004 bisher übersichtlich dokumentierten. Beispielsweise führt die erst seit 2006 gültige Regel, dass bei adjektivischen Verbzusätzen immer dann zusammenzuschreiben sei, wenn eine "idiomatisierte Gesamtbedeutung" entstehe, zu obligatorischen Zusammenschreibungen wie dass es dir "ähnlichsieht", dass du dich nicht "schlaumachst", sondern "verrücktspielst".
Selbstverständlich sind solche Monstrositäten nicht "Schreiballtag", und auch Lehrern ist nicht zuzumuten, ihren Schülern im Falle der Auseinanderschreibung Fehler anzustreichen, zumal die Schüler seit 1996 auf exzessive Getrenntschreibung getrimmt wurden und diese seitdem häufig bis hin zu "heraus nehmen", "zurück stellen" und so weiter übergeneralisieren.
Aber auch mit neuen - verpflichtenden - Getrenntschreibungen kann die Revision von 2006 aufwarten. Während es weitgehend "folgenlos bleiben" dürfte, dass sich ein Baby nun "bloß strampeln" statt "bloßstrampeln" (so klassisch wie auch 1996 und 2004) muss, dürfte die jetzt notwendige Änderung des in Deutschland am häufigsten vorkommenden Schildes von "Ausfahrt freihalten!" in "Ausfahrt frei halten!", dem die Rechtschreibreformen von 1996 und 2004 zunächst kein Haar gekrümmt hatten, viel auffälliger sein, auch wenn die Hersteller der Schilder hiervon bislang nichts mitbekommen haben.
Und dann kam Pons
Die Herausnahme des amtlichen Regelwerks aus dem neuen Duden ist umso ärgerlicher, als das dudeneigene Regelwerk die Neuregelung keineswegs immer richtig beschreibt. Will man beispielsweise wissen, wie man "allgemeinverbindlich" oder "leichtverdaulich" schreiben soll, so klafft unter den betreffenden Kennziffern K 57 bis 59, wo noch immer der überholte Stand von 2004 dargestellt wird, eine Lücke, und K 60 fordert zur Getrenntschreibung auf. Dabei hätte es den Bearbeitern des Wörterverzeichnisses auffallen müssen, dass sie in all diesen Fällen auf einen Verweis verzichten mussten. Wahrig dokumentiert korrekt: Hier soll sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung nach Paragraph 36 (2.2) des amtlichen Regelwerks zulässig sein. Matthias Wermke begründet die Entfernung des Regelwerks damit, dass dieses "seit drei Jahren im Internet für jedermann frei und kostenlos zugänglich" sei. Dies ist zwar richtig, allerdings nutzt man ein Nachschlagewerk insbesondere dann, wenn kein Internet zur Verfügung steht.
Dort wird Duden und Wahrig jetzt von Pons Konkurrenz gemacht, dessen Wörterbuch nicht nur kostenlos nutzbar, sondern mit 140000 Einträgen noch umfangreicher als die beiden Standardwerke ist.
Aber auch das Pons-Wörterbuch stolpert: In dessen Regelwerk muss man beispielsweise lesen, dass bei Verbindungen aus Verb und Verb (wie "sitzenbleiben", "kennenlernen" usw.) in übertragener Bedeutung nur Zusammenschreibung zulässig wäre. Dies ist unrichtig.
Weiter unten wird die aus dem Regelwerk von 1996 stammende, unvollständige und aus diesem Grund schon 2004 abgeschaffte Partikelliste bei trennbaren Verben als Kriterium für Zusammenschreibung angeführt und als aktueller Stand präsentiert.
Dass zwei konkurrierende Wörterbücher vom selben Unternehmen herausgegeben werden, wird kein Dauerzustand sein. Ob Duden und Wahrig in Zukunft miteinander verschmolzen werden und inwieweit das nach dem Prinzip von Wikipedia arbeitende Produkt von Pons eine Bedrohung für beide darstellen kann, muss offenbleiben. Ein mögliches gemeinsames Wörterbuch würde dann in ein paar Jahren wohl auch Korrekturen bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung sowie der Groß- und Kleinschreibung beinhalten. Konkrete Vorschläge hierzu liegen beim Rat bereits auf dem Tisch.
DUDEN. Die deutsche Rechtschreibung, 25. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich 2009. 1216 S., 21,95 Euro.
WAHRIG. Die deutsche Rechtschreibung, 7. Auflage. wissenmedia Verlag, Gütersloh/München 2009. Cornelsen Verlag, Berlin 2009. 1216 S., 17,95 Euro.
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(SZ vom 3.8.2009/jeder)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Bertelsmann und Cornelsen kooperieren beim Wahrig seit mindestens 2005.
»Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem neuen Duden und Wahrig, welche beide gleich groß und gleich schwer sind, jeweils 1216 Seiten umfassen, vom selben Unternehmen gedruckt wurden und inzwischen beide zu Cornelsen gehören [ ]«, schreibt der Autor. Nanu? Ausweislich der Website wahrig.de gehört Wahrig zum Bertelsmann Lexikon Institut und nicht zu Cornelsen. Oder weiß der Autor mehr?
Das Präfix "Cyber-" ist mittlerweile eigentlich schon ein Indikator für Leute, die von der Thematik sprechen, sie aber nicht verstehen. In der Fachwelt wird es so gut wie nie benutzt, jedenfalls seit den Neunzigern nicht mehr.
Eine wirklich gute Reform sollte eine komplette Laut-Buchstaben-Zuordnung möglichst ohne Varianten zuzulassen umsetzen. Ansonsten ist es bedenklich, Schreibweisen nur zu ändern, weil sie oft falsch benutzt werden.
Am Ende wird das weiche "ch" grundsätzlich durch "sch" ersetzt, weil Bushido eine halbe Generation zu verblöden wusste.