Sollen wir uns trennen, fragten sich "schlau" und "machen". Die neuen Auflagen der Wörterbücher Duden und Wahrig werfen die alten Rechtschreibprobleme auf.
Nur drei Jahre nach Inkrafttreten der zum zweiten Mal revidierten Rechtschreibreform bringen die Verlage der beiden Leitwörterbücher fast zur selben Zeit eine Neuauflage ihrer Werke heraus: die 25. Auflage des Rechtschreibdudens und die 7. Auflage des Wahrig. Und nicht zu Unrecht fragt man sich nach den Gründen hierfür.
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Deutsch im Wandel: Vom postulierten Zusammen zur verpflichtenden Trennung zur allgemein Verwirrung. (© Foto: ap)
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Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem neuen Duden und Wahrig, welche beide gleich groß und gleich schwer sind, jeweils 1216 Seiten umfassen, vom selben Unternehmen gedruckt wurden und inzwischen beide zu Cornelsen gehören, sind schnell genannt: Der Duden ist 4 Euro teurer, enthält das amtliche Regelwerk nicht mehr, verzichtet auf die bisherige Rotmarkierung der Neuschreibungen und empfiehlt durch Gelbmarkierung in 3000 Fällen die jeweils von der Duden-Redaktion bevorzugten Schreibvarianten - meist die reformierten. Im Wahrig findet man stattdessen tabellarisch die 1500 Variantenempfehlungen der Nachrichtenagenturen, während im Wörterverzeichnis weitgehend dar- auf verzichtet wird, dem Schreiber nahezulegen, wie er sich zu entscheiden habe.
Eine neuartige Methode, seine Empfehlungen durchzusetzen, hat sich der Dudenverlag einfallen lassen: Für 25 Euro erhält man neben dem gelben Klassiker eine CD, auf der sich sowohl die elektronische Fassung des Wörterbuchs wie auch das Programm "Korrektor" befindet, das selbstgeschriebene Texte auch hinsichtlich der Befolgung der Duden-Empfehlungen untersucht.
Orthographisch wurde in beiden Werken nichts geändert, da der Rat für deutsche Rechtschreibung seine Korrekturarbeit am Regelwerk 2006 vorerst abbrechen musste und beispielsweise die Laut-Buchstaben-Zuordnung nicht behandelte, so dass den Schülern jetzt Fehler angestrichen werden müssen, wenn sie "belemmert", "Quentchen" oder "Tolpatsch" schreiben, obwohl die Wiederzulassung dieser Schreibungen von den Reformern selbst schon im Januar 1998 zu den "unumgänglich notwendigen Korrekturen" gezählt wurde. Dies wird sich auf Dauer nicht halten lassen.
Beide Wörterbücher setzen das amtliche Regelwerk recht zuverlässig um. Die Diskrepanzen sind minimal - von Ausnahmen wie "Nummer sicher" (Duden) und "Nummer Sicher/sicher" (Wahrig) sowie "hierher gehörig (aber hierher gehörend/hierhergehörend!)" (Duden) und "hierhergehörig" (Wahrig) einmal abgesehen, wo der Wahrig die Schreibwirklichkeit besser abbildet.
Der Duden wirbt mit 5000 neuen Wörtern, Wahrig mit einer Steigerung der Stichwortanzahl von 125 000 auf 130 000, doch scheint dies im Wahrig bei einem konstanten Umfang des Wörterverzeichnisses von 1049 Seiten kaum möglich. Unter A, B und C stehen 20 Neuaufnahmen (Abwrackprämie, Analogkäse, anfixen, Bad Bank, ...beinig, Bezahlstudium, Biosprit, Biosiegel, Blended Learning, Blu-ray Disc, Bundestrojaner, Canaille, Campagne, Casual Games, Clinton , CO2-Fußabdruck, Conficker, Conveniencefood, Cosplay, Cyberangriff), und es finden sich elf Streichungen (Bader, Bähnchen, beweiben, Blendarkade, Blindenheim, Blumenkrippe, Blumenstück, Blust, Bundesvereinigung, bunt bemalen/buntbemalen, buschmännisch).
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Bertelsmann und Cornelsen kooperieren beim Wahrig seit mindestens 2005.
»Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem neuen Duden und Wahrig, welche beide gleich groß und gleich schwer sind, jeweils 1216 Seiten umfassen, vom selben Unternehmen gedruckt wurden und inzwischen beide zu Cornelsen gehören [ ]«, schreibt der Autor. Nanu? Ausweislich der Website wahrig.de gehört Wahrig zum Bertelsmann Lexikon Institut und nicht zu Cornelsen. Oder weiß der Autor mehr?
Das Präfix "Cyber-" ist mittlerweile eigentlich schon ein Indikator für Leute, die von der Thematik sprechen, sie aber nicht verstehen. In der Fachwelt wird es so gut wie nie benutzt, jedenfalls seit den Neunzigern nicht mehr.
Eine wirklich gute Reform sollte eine komplette Laut-Buchstaben-Zuordnung möglichst ohne Varianten zuzulassen umsetzen. Ansonsten ist es bedenklich, Schreibweisen nur zu ändern, weil sie oft falsch benutzt werden.
Am Ende wird das weiche "ch" grundsätzlich durch "sch" ersetzt, weil Bushido eine halbe Generation zu verblöden wusste.