Konferenz über Islamophobie Warnung vor dem Westen

Dass sich unter umgekehrten Vorzeichen auch die arabische Welt einer erfundenen Orientkonzeption bediente, zeigte der Islamwissenschaftler Andreas Kaplony (München). Verschiedene arabische Autoren lieferten seit dem 19. Jahrhundert Beschreibungen des europäischen Lebens, das sie dem orientalischen gegenüber stellten. So schufen sie eine eigene, in diesem Fall positiv verklärte orientalische Identität.

Ganz ähnlich gehen heute noch islamische Prediger vor, die vor dem Einfluss des Westens warnen. Amir Hamid (Zürich) verwies auf das Beispiel des ägyptischen Religionsgelehrten Yusuf al-Qaradawi, der vor wenigen Monaten nach dreißig Jahren im Exil in sein Heimatland zurückkehrte. Al-Qaradawi versucht durch die Publikation sogenannter "islamischer Bücher" eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. In den Büchern, die von einem Autorenteam unter seinem Namen publiziert werden, nimmt er die Position eines Weisen ein, der den Lesern vorschreibt, wie sie sich zu verhalten haben und sie vor "nicht-muslimischen" Verhaltensweisen warnt.

Generell hat sich an der Konstruktion des "Anderen" als unverzichtbarem Bestandteil nationalistischer Theorien nichts geändert, so die Soziologin Sara R. Farris (Konstanz). Es gibt eine Skala der Feindbilder, an deren Spitze gegenwärtig die Muslime stehen. Das hat zur Folge, dass in jüngster Zeit ausgerechnet die rechtspopulistischen Parteien Elemente des Feminismus in ihre traditionell anti-feministische Agenda integriert haben. Der Islam wird dort als grundsätzlich frauenfeindlich dargestellt. Dabei wird auf alte Vorurteile über Völker mit rückständiger Sexualpolitik - Sklavenhaltung, Harems - rekurriert.

Farris rief in Erinnerung, dass so längst nicht mehr bloß einige machtlose Wirrköpfe denken: Die an der Regierung beteiligten Rechtspopulisten in der Niederlande und in Italien haben beispielsweise bereits konkrete Maßnahmen ergriffen, um "Mischehen" zu verhindern.