Will und Jaden Smith in "After Earth" Weltraumhelden unter Dianetik-Verdacht

Jaden Smith als Kitai Raige in "After Earth"

(Foto: dpa)

Will Smith wollte eine Familiensause aus dem 31. Jahrhundert erzählen. Eher unfreiwillig hat er damit aber den Aufreger der Blockbuster-Saison vorgelegt. Kritiker behaupten, der Film betreibe Propaganda für Scientology. Tatsächlich scheint auch der Schicksalsberg nicht weit zu sein.

Von David Steinitz

Aliens töten ist ein harter Broterwerb, weshalb der Vater mit einer Saulaune beim Abendessen sitzt. Im 31. Jahrhundert isst man mit drei Stäbchen und dekoriert seine kühlen Lofts mit riesigen weißen Segeltüchern. Die Menschheit ist vor tausend Jahren auf den Planeten Nova Prime ausgewichen, weil die Erde zu unwirtlich geworden ist. Jetzt muss sie sich blinder Insektenmonster erwehren, die schwitzende Menschlein aufgrund ihres Angstgeruchs lokalisieren. Vater Cypher ist in dieser fernen Zukunft ein Held, weil er seine Angst unterdrücken und die fiesen Viecher erlegen kann. Nur wird der Junior, und da knallt der Vater wütend seine Stäbchen auf den Tisch, nicht in seine Fußstapfen treten können, weil er auf der Militärakademie durch eine Prüfung gerasselt ist.

Eine klassische Vater-Sohn-Geschichte wollte Will Smith in "After Earth" erzählen, nach eigener Idee und mit dem eigenen Sohn Jaden in der zweiten Hauptrolle. Eher unfreiwillig hat er damit den großen Aufreger der aktuellen Blockbuster-Saison vorgelegt: Der Film, behaupten Kritiker in den USA, betreibe heimliche Scientology-Propaganda. Smith gehört Scientology offiziell zwar nicht an, spendet aber Geld und ist zudem ein enger Kumpel von Tom Cruise, dem dauergrinsendem Showbiz-Gesicht der Sekte.

Als "Liebesbrief an Scientology" wurde der Film auf vulture.com bezeichnet, und der Hollywood Reporter schickte sogar einen Scientology-Aussteiger ins Kino, der mit jeder Menge Verdachtsmomente zurückkam. So ist zum Beispiel der Vulkan ein typisches Scientology-Symbol, das bereits auf L. Ron Hubbards Dianetik-Lehre abgebildet war - und die Schlusssequenz des Films spielt auf einem Vulkan, der dem Bild auf dem Cover des Buches ähnelt.

Auch das "Auditing", die scientologische Gesprächstherapie zum Erreichen des "Clear"-Status, hat im Film eine Entsprechung im daueranweisenden Vater und seinem folgsamen Sohn. Daddys Mantra lautet: "Gefahr ist real. Angst ist eine Entscheidung." Auch Hubbard propagierte zeitlebens die Überwindung der Angst.

Der Schicksalsberg ist nicht mehr weit

Dass Scientology-Stars ihre Überzeugungen in Filme verpacken, hat in Hollywood zwar Tradition. Doch ist seit John Travoltas Hubbard-Adaption "Battlefield Earth" (2000), die zum legendären Flop wurde, eigentlich niemand mehr auf die Idee gekommen, die Nähe zur Sekte zu bewusst darzustellen. Weshalb man sich bei einem erfahrenen Selbstpromoter wie Will Smith, der weiß, dass er gerade im Scientology-skeptischen Europa viele Fans hat, der Vorwürfe nicht zu sicher sein sollte.

Gerade das Argument der Angstüberwindung bleibt letztlich reichlich pauschal, weil diese ein Grundbaustein Hollywoods ist. Viele Filme folgen dem dramaturgischen Erzählprinzip der Heldenreise, dessen Kern die Konfrontation des Protagonisten mit seinen Ängsten ist. Diese Erzähltechnik hat schon Homer angewandt, und die Odyssee steht nun tatsächlich nicht unter Dianetik-Verdacht.

Die Smith'sche Familiensause scheitert vielmehr daran, dass Daddy sich viel zu ernst nimmt. Will Smith spielt so demonstrativ gegen sein Image als Gaudi-Rapper und Segelohren-Charmeur an, dass ihm seine Rolle zur Karikatur verkommt - der "Fresh Prince" taugt nicht zum Alpha-Männchen. Auch Regisseur M. Night Shyamalan, den Smith für sein Herzensprojekt angeheuert hat, findet seit seinem Meisterstück "Sixth Sense" nicht mehr aus seiner drückenden Ernsthaftigkeit heraus.

Im Anschluss an den Abendbrotstreit schleppt der Vater den Sohn auf eine gemeinsame Weltraumreise, als Familientherapie, doch das Raumschiff zerbirst in zwei Hälften und landet ausgerechnet auf der Erde, die zum gefährlichen grünen Raubtier-Dschungel verwachsen ist. So wird der Film zum Pfadfinder-Trip, in dem der schwerverletzte Vater den Sohn per multimedialer Funkverbindung durch alle Gefahren lotsen muss.

Archaische Naturabenteuer, einfach und sexy, sind im Kino gerade groß in Mode - mehr als komplizierte futuristische Utopien. Als der junge Waldläufer etwa auf einen feurigen Vulkan klettern muss und dort seine Nemesis trifft, ist der Schicksalsberg aus dem "Herrn der Ringe" nicht mehr weit. Und es drängt sich die Frage auf, warum diese Geschichte überhaupt tausend Jahre in die Zukunft verlegt werden musste.

After Earth, USA 2013 - Regie: M. Night Shyamalan. Buch: Gary Whitta, Shyamalan. Kamera: Peter Suschitzky. Will Smith, Jaden Smith. Sony, 100 Min.