Neue Netzwerke wie Hatebook und Introvertster mucken im Web 2.0 gegen den sozialen Dauerstress bei Facebook und Konsorten auf. Ihre Mitglieder wollen keine Freunde, keine Kontakte, keine Bestätigung - sondern einfach ihre Ruhe.
Soziale Netze gelten derzeit als das nächste große Ding im Internet, so zukunftsträchtig, dass die einstigen nächsten großen Dinger Microsoft, Yahoo und Google schon unruhig werden und ein Wettbieten um den Branchenprimus Facebook entfacht haben.
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Endlich Schluss mit dem zweiten Leben - neue antisoziale Netzwerke wollen das Web 2.0 von innen sprengen. (© Foto: http://airbagindustries.com/introvertster/)
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Als das nächste große Ding in einem an nächsten großen Dingern nicht armem Geschäft gilt dabei die Integration aller sozialen Netzwerke zu einem Metanetzwerk: Die Mitgliedschaft bei MySpace würde dann auch die Tür zu Facebook, Friendster und Ähnlichem öffnen, und damit den freien Fluss persönlicher Daten unendlich erweitern.
Doch an den Rändern des Internets regt sich Widerstand. Die versuchten oder gelungenen Übernahmen haben gezeigt, dass soziale Netzwerke keine Wohltätigkeitsorganisationen sind. Wenn Microsoft für einen Anteil von fünf Prozent an Facebook 500 Millionen Dollar bietet, dann bedeutet das nichts anderes als eine Übernahme der Nutzer, und zwar zu einem Preis von 25 Dollar pro Kopf.
Weil die oft ausführlich über ihre Vorlieben Auskunft geben, machen sie sich selbst zu dem durchsichtigen Kunden, von dem jeder Werbestratege träumt. Zudem verbringen die Nutzer viel Zeit in den Netzwerken und haben dort ihre Startrampe ins übrige Internet. Wer hier seine Suchmaschine platzieren kann oder gar eine Verkaufsplattform, erhöht wiederum den Verkehr auf seiner Seite.
Im Hass vereint
Solche, kulturtechnisch gesehen feindlichen Übernahmen treffen das Web 2.0 im Herzen. Als eine subkulturelle Bewegung organisiert es seine Inhalte von unten her: So wie der Weblog den Journalismus demokratisiert, so YouTube und MySpace die Unterhaltung. Doch nun wiederholt sich jener Zyklus, in dem noch fast jede einigermaßen starke Subkultur von der Kulturindustrie aufgesaugt wird. Wenn H&M Palästinensertücher verkauft, hören diese auf politisch zu sein; wenn die Arbeit am Web 2.0 in eine Verwertungskette eingespeist wird, an deren Ende möglicherweise Bill Gates oder Rupert Murdoch stehen, kann keine Subkultur mehr überleben.
Es muss aber gar keine Übernahme sein, es reicht schon, wenn nur die Verfahren kopiert werden, wie es die schwächelnde Musikindustrie mitunter versucht. Dieses Jahr wurde auf YouTube ein Musikvideo von Marié Digby lanciert, das den Schlüsselreiz des Amateurhaften bediente. So etwas untergräbt den Tellerwäschermythos des Web 2.0, den die Popkarriere der Arctic Monkeys über MySpace einst verbreitet hat, und der sich ja gerade gegen die Arroganz der großen Labels richtet.
Daneben spielt freilich auch eine Rolle, dass soziale Netzwerke zunehmend als Stress empfunden werden. In diesem "online popularity contest" will jeder einen möglichst großen Freundeskreis haben, am besten - wie auf MySpace möglich - mit ein paar Popstars garniert. Doch wenn Freundschaft zur Währung wird, mit der man sozialen Status erwirbt, ist sie nichts mehr wert.
Dass sich nun Widerstand gegen soziale Netzwerke regt, heißt nicht, dass die Mitgliederzahlen schrumpfen. Es hat sich allerdings ein Unbehagen eingestellt. Vor nur einem Jahr erschien in der New York Times noch ein paradigmatischer Text von Theodora Stites, eine Hymne auf ein Privatleben, das über das Internet reguliert wird: "Es mag elektronisch sein, aber es ist gleichwohl Intimität." Vor einigen Tagen nun durfte man in der gleichen Zeitung ein Dokument des Umschwungs mit dem Titel "The Fakebook Generation" lesen.
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- Verkauf von StudiVZ Kapitaler Freundeskreis 05.01.2007
...was man daraus macht.
klar kann man den ganzen tag vor dem rechner verbingen und zuschauen, wie etwa die freundesliste beim studivz immer weiter anwächst.
man kann die technik aber auch wirklich sinnvoll nutzen.
ich studiere in marburg, komme aber aus bayern.
meine freunde studieren in österreich, frankreich oder verteilt über ganz deutschland.
ohne das internet und gerade solche plattformen wie studivz, oder messenger wie icq, wäre es für mich bedeutend schwieriger, den kontakt aufrecht zu erhalten.
...alles was man im www betreibt hinterlässt Spuren, sogar das Profil in der SZ mit dem man auch die eine oder andere Kleinigkeit verrät.
Der Gute alte Anonymus verbirgt sich hinter, He-Man, Puschel oder BesserWessi.
Studenten mögen dieses StudiVZ oder so, BWL'ler sammeln sich in Xing und ich bleibe bei der SZ, dort kann ich meine Meinung kundt tun ohne das Sepp weiß das ich der oder die Ex von Lu bin und ich noch 5 von Horst für Kippen zu bekommen habe...
@der sascha, schöner Link ;o)
Wenn man angibt, was man hasst, stellt man sich genau so bloß, wie wenn man sagt, was man mag. Das ist kein Unterschied, nur dasselbe in Grün. Der Mensch 2.0 ist gläsern, und jeder ist ein bisschen berühmt. Es ist übringens auch gar nicht so leicht, sich aus diesem Exibizionistenwahnsinn raus zu halten. Wenn man Leute kennenlernt, empfinden sie geradezu als anmaßend und altmodisch, wenn man nach der telefonnummer fragt. Man trifft sich lieber auf 2.0.
Ich habe dreimal Fake(!)-Seiten mit dem Namen eines bekannten deutschen Musikers in MySpace löschen lassen; man klärte mich daraufhin auf: das ist garnicht so selten, ja: es ist die Regel, dass hinter den Seiten "berühmter" Leute bei MySpace schlichte Fans stecken, die die Identität ihres Idols annehmen, denn sie haben es nötig: arme Würstchen.
Nun hat der amerikanische Zweig der Plattenfirma dieses Musikers den ich aus diesem Kindergarten dreimal "retten" konnte, von sich aus und gegen meinen Protest eine Site bei MySpace für diesen Musiker eingerichtet.
Der Musiker hat noch immer nix damit zu tun; das Internet ist ihm ziemlich egal. Soll er (oder ich) nun gegen seine eigenen Firma vorgehen? Also bekomme ich jetzt ab und zu Mails von anderen aus diesem Kindergarten, immer mit der Bitte, ich (der vermeintlich "berühmte Künstler") möge doch bitte ihre eigene ach so tolle Seite besuchen, und zudem sein oder ihr Freund werden. Das Zeug landet bei mir im Ordner "Trash".
nein, nicht ein Apfelbäumchen pflanzen, sondern gemeinsam einsam sein. Geht mal vor die Tür, Leute. Da ist das größte Potential für ein soziales Netzwerk, das es in Deutschland gibt, nämlich wir Deutschen selbst. Diese Internet-Versammlungen sind doch nur ein Abklatsch davon, mit dem Unterschied, daß man sich in der Real-Reality nicht immer die Partner aussuchen kann, mit denen man redet (und hoffentlich auch handelt). Für mich ist diese Web 2.0-Geschichte das Ende jeder wirklichen Gemeinschaft, nämlich eine Gesellschaft, die sich aus Grüppchen von Gleichgesinnten zusammensetzt, die sich nur miteinander und mit sich selbst beschäftigt. Daran wird auch diese anti-exhibitionistische Variante nichts ändern.
Paging