Früh brachte der ausgebildete Lehrer Gottschalk seinen Freund Günther Jauch ins Spiel, der ja stets Seriosität und Klugheit symbolisiert, sodass die Deutschen ihn in Umfragen gerne als idealen Bundespräsidenten erwähnen. Dass sich der RTL-Mann im ZDF zum Kasperle machte, mit langer schwarzer Strumpfbekleidung auf der Bühne rhythmische Sportgymnastik imitierte und den sterbenden Schwan spielte, selbst das dürfte seiner Popularität keinen Abbruch tun.

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Ansonsten wirkte Jauch authentisch sauertöpfisch, als er verkündete, seinen vier Töchtern auf keinen Fall Piercing zu erlauben - da sei er "talibanös". Wahrscheinlich musste der Nachwuchs im Postdamer Eigenheim ganz viel "Für Elise" spielen. Und doch durfte Jauch bei "Wetten, dass..?" von seinem Freund Gottschalk erfahren, dass er die "German version" of Kid Rock sei, der im ZDF sein "All Summer long" zum Besten gab.

Neben dem coolen Kid Rock und Pink spielten auch noch Alicia Keys und Simply Red auf. Die Musik war eindeutig das Beste einer Show, die selbst auf ein dämliches Zuschauergewinnspiel mit einer Preisfrage auf Neun-live-Niveau nicht verzichten kann. Offenbar geht es nur darum, den Preis - ein teures Automobil aus Ingolstadt - vor Millionen zu präsentieren, wobei Gottschalk wie ein Vertreter erzählte, es verbrauche sechs bis sieben Liter. Holla!

Da brachte wenigstens die famose Uma Thurman mit ihrer Idee etwas Pfeffer in den faden Couch-Talk, dieses Auto hätten in Wahrheit die Wettkönige verdient: Rene zog sich auf Saugnäpfen an der Außenfassade einen Hochhauses hoch und war dabei schneller als sein Freund, der das Treppenhaus aufwärts stürmte.

Der Samen des Kabeljau

Ganz wichtig war es Thomas Gottschalk in seiner ZDF-Show, seine Gäste Ulrike Kriener und Anke Engelke und ihren ZDF-Krimi "Kommissarin Lucas" ausgiebig zu promoten, der Ende November läuft. Da sollten die Zuschauer bitteschön ja ihr "Dings in der Hörzu" machen.

Immerhin konnte Anke Engelke helfen, als Jamie Oliver "Cod's semen" als Speise erwähnte. Was ist das denn, fragte sich wohl Gottschalk und übersetzte "Cod" mit Schellfisch statt mit Kabeljau. Erst Engelke brachte mit dem definitorischen Begriff "Ejakulat" für "semen" etwas Klarheit in die Diskussion. Man fragt sich bei Gottschalk im Übrigen immer wieder, wie jemand, der mehrere Monate im Jahr in Kalifornien lebt, so schlecht Englisch spricht.

Zur Chaotik dieser "Wetten, dass..?"-Ausgabe passte, dass dem blond gelockten Moderator am Ende unklar war, ob er seine eigene Stadtwette nun verloren oder gewonnen hatte. Vielleicht war er in Gedanken ja noch bei Marcel Reich-Ranicki - und der Frage, wie viel Qualität das Fernsehen verträgt.

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(sueddeutsche.de/ssc)