Wettbewerb Songwriter siegt bei "Sprungbrett"

Dankbar für das tolle Forum im Feierwerk: Matthew Austin (Mitte).

(Foto: Sandra Badmann)

Wahlmünchner Matthew Austin schlägt einheimischen Nachwuchs

Von DIRK WAGNER

"Seit mein Sohn nicht mehr bei uns lebt, liebe ich seine Musik", schwärmt der Waliser Graham Jones. Er war mit seiner Familie eigens nach München gereist, um seinen mittlerweile in der bayerischen Landeshauptstadt lebenden Sohn mit dessen Band Braindead Wavelength im Finale des traditionellen "Sprungbrett Wettbewerbs" zu erleben. Tatsächlich dürften die angereisten Waliser auch die einzigen im Feierwerk gewesen sein, die die Walisischen Texte ihres Sohnes verstanden haben. Die restlichen Zuschauer goutierten indes die ebenso eigenwillige Musik des Trios, das das Finale mit der wohl heftigsten Rockeinlage des gesamten Wettbewerbs eröffnete.

Thomas Lechner von der Fachstelle Pop, die diesen Wettbewerb zur Förderung von jungen Münchner Musikern ausrichtet, betont darum in seiner Moderation der Veranstaltung, wie sehr eine Band wie Braindead Wavelength beweise, dass nicht die Massenkompatibilität einer Band für die Teilnahme entscheidend sei. Überhaupt wolle man ja keine Popstars mit den entsprechenden marktstrategischen Versuchen generieren, sondern junge Menschen darin unterstützen, sich mit ihrer eigenen Musik zu behaupten. Der Wettbewerbscharakter sei ohnehin schon überholt und werde letztlich nur noch mit einem Augenzwinkern beibehalten, weil der Titel "Münchner Band des Jahres" ein offizieller, von der Stadt geschützter Titel sei, den man darum auch weiter vergeben möchte, erklärt Klaus Martens vom Feierwerk.

"Wichtiger als der Sieg waren für uns ohnehin die Workshops, die den Wettbewerb begleiten. Da lernt man die Inszenierung der Band auf der Bühne oder auch die Pressearbeit", bestätigt Ferdinand Dankesreiter von Line Walking Elephants, die in den Vorjahren gleich zweimal den Bandwettbewerb verloren: "Letztes Mal hat mich das sehr wohl geärgert, weil wir kurz vor dem Finale standen und dann wie alle anderen Bands im Finale automatisch im Theatron im Olympiapark hätten spielen dürfen", sagt Dankesreiter, der mittlerweile immerhin ein eigenes Tonstudio betreibt. Als Zuschauer beobachtet er interessiert, welche neuen guten Bands in München heranwachsen.

Marvpaul zum Beispiel, die sich in der Indiepop-Szene ohnehin schon behaupten, oder die Punkband Zoo Escape, die auf ihrer Schallplatten-Release-Party am 4. September im Strom von der englischen Punklegende TV Smith unterstützt werden wird. Als "Münchner Band des Jahres 2015" wurde vom Publikum dann aber der englische Singer-Songwriter Matthew Austin gewählt, der an diesem Abend erstmalig von der Cellistin Matilda Pfeiffer begleitet wurde. "In meiner Heimat Manchester gibt es auch Bandförderungen. Aber so tolle Bühnen wie im Feierwerk oder im Theatron gibt es dort für Newcomer nicht. Da spielt man mehr in den Basements von Freunden", sagt ein sehr vergnügter Austin - und bestätigt mit seinem Sieg, dass München auch kulturell von Zuwanderung profitiert.