Western-Neuauflagen Mehr als eine nostalgische Angelegenheit

Herrschaft der Frauen: Rhonda Fleming in "Bullwhip".

(Foto: Al!ve)

Es gibt jede Menge weniger bekannter Regisseure, Kings of the B's - Thomas Carr bringt Joel McCrea und Virginia Mayo zusammen in "The Tall Stranger", Harmon Jones Guy Madison und Rhonda Fleming in "Bullwhip", bei uns unter dem Titel "Das Teufelsweib von Montana". Es gibt zwei Filme mit Randolph Scott, "Donnernde Hufe/Thunder over the Plains" und "Der schweigsame Fremde/The Stranger Wore a Gun", 1953 von André de Toth, der gern mit Scott arbeitete und dann von Budd Boetticher abgelöst wurde - der letzte Scott-Boetticher-Western, der essenzielle "Comanche Station" von 1960 ist ebenfalls wieder aufgelegt worden.

Der Gewinner des Jahres ist wohl Joseph Kane, von dem es ein gutes halbes Dutzend Filme neu gibt, einer der großen Westerner des kleinen, unabhängigen Republic Studio, sein Markenzeichen sind wunderschöne Szenen in Bergwäldern, zum Beispiel in dem bitteren Indianerwestern "Oh, Susanna!" oder im "Teufel von Colorado/The Maverick Queen", wo Barbara Stanwyck erstmals auf Barry Sullivan trifft, ein Jahr bevor Sam Fuller die zwei für "Forty Guns" holte. Die Frauen sind unglaublich tatkräftig in diesen Filmen, intrigant, herrschaftlich und dominant, wenn es gilt, das durch die Gewalt der Männer eroberte Land in gesellschaftliche Ordnung zu bringen.

Der Western ist im DVD-Angebot wie eine magische Enklave, ein Rückzugsgebiet, und vielleicht braucht er, wenn er von der Verwandlung der Wildnis in Kultur und Zivilisation erzählt, den Unterschlupf bei den gediegenen Träger-Medien DVD und Blu-ray - und entzieht sich dem anonymen Ambiente von TV-Ausstrahlung und Streaming. Und doch ist er mehr als eine nostalgische, folkloristische Angelegenheit.

Endlich, Ennio Morricone

Der italienische Filmkomponist hat den Soundtrack zum neuen Tarantino-Film "The Hateful Eight" geschrieben. Mehr Filmgeschichtsanspielungsgaudi geht kaum. Von Max Fellmann mehr ...

Man lernt in ihm paradigmatisch, wie Amerika seine Vergangenheit in Bezug setzt zu seiner Gegenwart, aber nicht so dreist, wie wenn Tarantino ihn einfach zu seinem Sprachrohr macht. "Vielleicht verhält es sich so", schrieb Helmut Färber in "Einige Notizen über amerikanische Western" 1975 in der Zeitschrift Filmkritik, "daß nicht nur in den Western, sondern überhaupt in den USA das politische und tägliche Verhältnis von Reden und Handeln anders als hier beschaffen ist. Daß dort etwas Grundsätzliches, eine Weltanschauung, sofern durch die Sprache, sich mehr im Rhythmus, den Anekdoten, der starren Unverbindlichkeit ausdrückt, weniger durch bestimmte Begriffe und Argumente. Und daß insgesamt Sprechen nicht so sehr ein Ersatz für Handeln ist."

Im vorigen Jahr erschien endlich auch "Canyon Passage", 1947, von Jacques Tourneur, "einer der geheimnisvollsten", sagt Martin Scorsese, "und erlesensten Exemplare des Westerngenres". Ein Zeugnis vom Entstehen der amerikanischen Gesellschaft, zwischen Affirmation und Zweifel, Zerstörung und Aufbau. Ein Western, der alle anderen in sich einschließt.