SZ: Wie viel haben Sie in der Kasse?

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Nienhaus: Das hängt von vielen Faktoren ab. Aber wenn wir größere Investitionen vor der Brust haben, dann könnten wir sicherlich ausreichend Geld mobilisieren. Wir haben Zukäufe gemacht, wie die Fernsehsender NRW TV und Vizion+ in Albanien oder Frau im Spiegel.

SZ: Die WAZ-Gruppe hat 2007 beispielsweise die Beteiligung am Postdienstleister Pin an Springer verkauft. Was hat das eingebracht?

Nienhaus: Zu den Einzelheiten möchte ich nichts sagen. Aber es ist öffentlich bekannt, dass wir einen außerordentlichen Ertrag in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe erzielt haben.

SZ: Die WAZ-Gruppe arbeitet an der Umsetzung von Synergien bei ihren vier großen Zeitungen im Ruhrgebiet. Planen Sie die Zusammenlegung von Titeln?

Nienhaus: Ich glaube, man sollte Zeitungstitel wie wertvolle Marken behandeln. Wir werden in keinem Fall Titel verschmelzen, aber wir müssen Synergien heben. Es ist einfach nicht sinnvoll, dass bei einem Spiel von Borussia Dortmund vier Redakteure von vier Titeln im Stadion sitzen, die vier mehr oder weniger gleiche Artikel schreiben. Da wollen wir ran. Ziel ist, die Qualität zu erhöhen und gleichzeitig Kosten zu sparen. Das gilt übrigens nicht nur für den Sport, sondern auch für die großen klassischen Ressorts wie Politik, Wirtschaft und Kultur.

SZ: Am Ende steht in allen WAZ-Zeitungen dasselbe?

Nienhaus: Nein, wir diskutieren zur Zeit verschiedene Modelle. In jedem Fall wird jede Zeitung weiterhin eine andere Gewichtung und eine eigene Mischung der Themen vornehmen. Sehen Sie sich doch die Springer-Titel Berliner Morgenpost, Welt und Welt kompakt an, die haben auch ein interessantes Modell der Zusammenarbeit entwickelt.

SZ: Wird es also eine gemeinsame Produktion oder Newsdesks geben?

Nienhaus: Das müssen jetzt die Chefredakteure der einzelnen Titel diskutieren. Klar ist, dass wir aus Kostengründen eine Debatte über unsere Synergiepotenziale führen müssen. Was am Ende dabei rauskommt, steht aber noch nicht fest. Sonst müssten wir nicht diskutieren.

SZ: Am 30. September soll die Arbeitsgruppe der Chefredakteure erste Ergebnisse präsentieren. Was erwarten Sie?

Nienhaus: Ich erwarte noch bessere Qualität zu geringeren Kosten. Das ist notwendig, weil die WAZ-Gruppe im Ruhrgebiet ein Kosten- und Ergebnis-Problem hat.

SZ: Schreiben Sie rote Zahlen?

Nienhaus: Nicht alle Titel schreiben schwarze Zahlen.

SZ: Werden Redakteurstellen abgebaut, drohen betriebsbedingte Kündigungen?

Nienhaus: Ich schließe betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Ich bin seit 22 Jahren in dem Geschäft und auf diese Frage war meine Antwort immer dieselbe, denn in einer veränderten Welt müssen die Unternehmen sich anpassen und ihre Abläufe in Frage stellen und gegebenenfalls verändern.

SZ: Sie kommen von außen, haben also auch eine externe Sicht. Hat sich hier bei der WAZ zu lange nichts getan?

Nienhaus: In den Druckereien und Setzereien ist der Anpassungsprozess längst abgeschlossen und der Prozess zu den Veränderungen, die wir jetzt diskutieren, war schon angeschoben. Bodo Hombach und ich werden ihn jetzt zügig weiter befeuern.

SZ: Sie glauben an die Zeitung. Warum eigentlich?

Nienhaus: Wir haben ein gutes Geschäftsmodell, beliefern die Leser frei Haus, die Zeitungen werden am Frühstückstisch gerne gelesen, sie haben besonders in lokalen und regionalen Märkten eine wichtige Funktion. Die Produktion ist weitgehend digitalisiert und fit für die Zukunft. Da mache ich mir um die Zukunft des werbefinanzierten Fernsehens schon deutlich mehr Sorgen.

SZ: Sie waren lange für die Bild-Gruppe zuständig. Was haben Sie bei Springer gelernt?

Nienhaus: Ich habe mitgenommen, dass man mit starken Marken eine ordentliche Rendite erwirtschaften kann. Und ich habe gelernt, dass man eine aggressive Marketingstrategie und Markenpflege betreiben muss. Bei Bild haben wir Dessous, Volksbibeln und Handytarife vermarktet. Diese Zeitung ist in Wahrheit eine Marketingmaschine. Da muss man schauen, was davon übernommen werden kann. Erfolg kann man nicht genug haben.

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(SZ vom 19.09.2008/sst)