Wes Anderson über die Stars in seinen Filmen "Wenn der das gemacht hat, mache ich das auch"

Wes Anderson bei der US-Premiere von "Grand Budapest Hotel" Ende Februar 2014 in New York.

(Foto: REUTERS)

Sie haben gesagt, dass Sie sich bei "Grand Budapest Hotel" auch von alten Filmen haben inspirieren lassen. Gibt es irgendeinen beabsichtigten Zusammenhang zwischen Ingmar Bergmans Drama "Das Schweigen" und Ihrer Geschichte? Beide Filme spielen in einem Hotel an einem Phantasieort.

Einerseits hat "Das Schweigen" ein ganz anderes Tempo als unser Film. Andererseits bestehen interessante Parallelen: Auch Bergmans Drama spielt an einem fiktiven Ort in Europa, an dem sogar die Sprache erfunden ist. Wir sind in einem großen Hotel, in dessen weiten Korridoren dieser Junge umherstreift. Alles ist so herrlich mysteriös. Die Korridore in unserem Hotel haben wir uns von "Das Schweigen" abgeschaut. Wenn Sie so wollen, haben wir uns also von der Atmosphäre in diesem Klassiker inspirieren lassen.

In "Grand Budapest Hotel" arbeiten Sie mit einigen Schauspielern, die wir aus Ihren früheren Filmen kennen, zum Beispiel Bill Murray, Tilda Swinton oder Willem Dafoe. Sind Sie so etwas wie eine Familie für Sie?

Ja, so ist es. Das sind alles Schauspieler, die ich kennengelernt habe, weil ich vorher ein Fan von ihnen war und mit ihnen zusammenarbeiten wollte. Entscheidend ist zunächst natürlich, dass sie großartige Darsteller sind, die meine Filme bereichern. Gleichzeitig sind das aber auch Leute, mit denen es riesigen Spaß macht, zusammenzuarbeiten. Das ist wichtig, weil wir am Set häufig von unserer regulären Umgebung abgekapselt sind.

Ist diese Familienatmosphäre nur angenehm, oder resultieren daraus auch bessere Filme?

Beides. Wenn man Leute an einem Ort zusammenbringt, den niemand kennt, und sie gleichzeitig schlecht bezahlt, fühlt man sich verpflichtet, ansonsten gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Für "Grand Budapest Hotel" brachten wir beispielsweise Tony Revolori aus Kalifornien nach Görlitz. Der ist ja praktisch noch ein Kind, da fühlten wir uns verpflichtet, uns um ihn zu kümmern. Doch das ist es nicht allein: Im Lauf der Jahre haben wir gelernt, dass wir alle und das Projekt davon profitieren.

Sie sagen, dass Sie schlecht zahlen. Das hat auch schon Bill Murray behauptet, als er auf der Berlinale von seiner Gage für "Grand Budapest Hotel" sprach. Ich dachte, das sei ein Witz. Offenbar war es ihm aber bitterernst. Ich bin fassungslos.

Es war ein Witz, aber er hat recht. Wenn wir all den Leuten, die an diesem Film beteiligt waren, das gezahlt hätten, was sie normalerweise verdienen, hätten wir "Grand Budapest Hotel" niemals machen können. Dann hätten allein die Personalkosten das gesamte Budget verschlungen.

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Wie konnten Sie dann dieses unglaubliche Starensemble engagieren? Kamen die alle nur wegen der Familienatmosphäre?

Wenn ich behaupten würde, dass ich das genau wüsste, würde ich lügen. Es hilft uns auf jeden Fall, unseren Wunsch-Darstellern sagen zu können: "So haben wir das beim letzten Film geregelt, und das sind die Leute, die damit einverstanden waren." Dann kommt oft die Reaktion: "Okay. Wenn der das gemacht hat, mache ich das auch".

Interessant. Herdenverhalten, bei Leuten, die ansonsten wohl alle für sich reklamieren, etwas ganz Besonderes zu sein. Nicht zuletzt wegen ihrer astronomischen Gehälter.

Ich mache mir auch überhaupt keine Sorgen um deren Finanzen. Die sind viel reicher als ich. Der erste Film, bei dem wir so vorgegangen sind, war "Rushmore", für den ich Bill Murray gewinnen konnte. Es war damals bekannt, dass er mit seiner Rolle in "... und täglich grüßt das Murmeltier" neun Millionen Dollar verdient hatte. Bei neun Millionen Dollar lag mein gesamtes Budget, ich konnte ihm das also auf keinen Fall zahlen. Ich fragte ihn, was ich machen solle. Er sagte, er wäre zufrieden, wenn wir ihn nach Schauspieler-Tarif bezahlen würde. Der lag bei 9000 Dollar. Und so entstand mein Niedriglohn-Modell. Bill Murray hat wesentlich dazu beigetragen, dass es eingeführt wurde. Er kann sich also bei sich selbst bedanken.