Werke von Warhol wiedergefunden Andy entdeckt den Amiga

Andy und Amiga

In den 1980er Jahren entdeckt Andy Warhol den Commodore Amiga und experimentiert mit dem neuen Medium. Dabei entstanden Bilder, die bislang verschollen waren. Nun haben Experten sie restauriert. mehr...

"Plötzlich hatte er eine Computermaus in der Hand": Pop-Art-Ikone Andy Warhol experimentierte in den 1980ern mit dem neuen Amiga-Computer. Bislang waren die Bilder verschollen, doch 27 Jahre nach Warhols Tod gelingt es einem Team aus Kunst- und Computer-Experten, die Daten zu restaurieren.

Von Karin Janker

Mit dem Commodore Amiga zog ab Mitte der 1980er Jahre der Computer in unsere Häuser ein und wurde Teil unserer Freizeit. Aber der Amiga konnte auch Kunst - so zumindest die Marketing-Strategie, mit der das neue Gerät damals beworben wurde. Die Hersteller gewannen Pop-Art-Ikone Andy Warhol als Werbefigur. Im Video-Mitschnitt einer Amiga-Pressekonferenz aus dem Jahr 1985 ist Warhol zu sehen, wie er die US-Sängerin Debbie Harry portraitiert.

Das Video ist heute im Netz zu finden, das damals entstandene Bild hat im Archiv des Warhol-Museums überlebt. Verschwunden waren bislang hingegen alle Arbeiten Warhols, die entstanden waren, während er den Amiga-Computer erkundete und mit seinen Möglichkeiten experimentierte. Erst jetzt, fast 30 Jahre später, sind diese Werke wieder zugänglich.

Unter den Arbeiten finden sich neben Kritzeleien und Fotos des Desktops auch einige Experimente mit bekannten Warhol-Motiven wie der Banane, dem Portrait Marilyn Monroe und der Dose der Campbell's-Tomatensuppe.

Matt Wrbican, Chef des Warhol-Archivs in Pittsburgh, beschreibt den Fund so: "Wir sehen hier die Bilder eines reifen Künstlers, der 50 Jahre damit verbracht hat, eine eigene Ausdrucksweise zu entwickeln und der nun plötzlich vor der bizarren Situation steht, eine Computermaus in der Hand zu halten." Wrbican vermutet, dass es für Warhol extrem frustrierend gewesen sein müsse, den Computerbildschirm beim Malen nicht mit der Hand zu berühren.

Wiedergefunden wurden die Bilder von einer Gruppe aus Künstlern, Archivaren und Computer-Experten. Sie entdeckten Dutzende von verschollen geglaubten Experimenten Warhols auf alten Amiga-Disketten. Seit 1994 lagerten die Disketten im Warhol-Archiv in Pittsburgh, Pennsylvania, ihre Daten wurden vom Computerclub der Carnegie Mellon University und dem Frank-Ratchye-Studio restauriert.

Das Warhol-Museum, das die restaurierten Bilder von den Disketten nun veröffentlicht hat, ahnte zwar, dass sich auf der unscheinbaren Scheibe einige von Warhol selbst erstellte Skizzen und Versuche befanden. Das veraltete Format der Amiga-Diskette machte sie aber unzugänglich.

Der Anstoß zur Restaurierung der Daten kam von dem Künstler Cory Arcangel, der selbst fasziniert ist von den Möglichkeiten des Amiga und von Warhols Experimenten mit dem Computer erfahren hatte. Im März 2013 traf er sich mit einer Gruppe aus Warhol-Experten und Computer-Spezialisten, um die Disketten zu durchforsten. Es dauerte ein Jahr bis die Bilder schließlich veröffentlicht wurden.

Die Bilder seien ein wichtiger Fund, der beweise, dass Warhol stets offen blieb für Experimente mit neuen Medien und Formaten, sagt Archivar Wrbican. Inzwischen gebe es eine Sicherheitskopie der Daten, sodass die Bilder gespeichert sind, selbst wenn die originalen Disketten irgendwann zerstört sind.

Linktipp: Einen detaillierten Bericht über die Restaurierungsarbeiten finden Sie hier als PDF. Der Film "Trapped", der ebenfalls die Wiederherstellung der Bilder dokumentiert, ist ab 12. Mai unter diesem Link zu sehen.