Brücke ja, Hochhaus nein? Die jüngsten Entscheidungen der Unesco verunsichern deutsche Regionen, die versuchen, ihren Welterbe-Titel zu retten.
Als bekannt wurde, dass das Welterbe-Komitee bei seiner diesjährigen Tagung in Brasilia die umstrittene Brücke über den Rhein bei St. Goar, also im Herzen des Weltkulturerbes Mittelrheintal, anstandslos genehmigt hat, glaubte man das Jahr bei diesem Thema schon als ein friedliches abhaken zu können. Doch nun tun sich an der Wartburg bei Eisenach plötzlich ganz neue Probleme auf.
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Zwei Windkraftwerke könnten bald den Blick auf die Wartburg bei Eisenach trüben. Inwiefern sich das auf den Welterbe-Status des Gebiets auswirken wird, bleibt fraglich. (© dpa)
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Exakt in dem Moment, in dem alle Welt auf die Welterbe-Stätten blickt und der lokale Konflikt - eine Seilbahn zur Burg sollte gebaut werden - abgewendet ist, hat das Verwaltungsgericht Meiningen gegen den Protest des Landes Thüringen die Erlaubnis zum Bau zweier gigantischer Windkraftanlagen in Sichtweite der Wartburg auf den Höhen des Thüringer Walds gestattet. Es ist zu vermuten, dass damit ein Konfliktfeld angerissen wurde, das uns künftig noch oft beschäftigen wird.
Bislang haben sich die Konflikte auf ganz anderen Ebenen bewegt. Betrachtet man die Entwicklung des Verhältnisses zwischen der Unesco und Deutschland in den vergangenen Jahren, müssen Politiker, die für Welterbe-Stätten zuständig sind, dankbar sein, dass ihre sächsischen Kollegen durch ihre provozierende Haltung im Fall Waldschlösschenbrücke die Unesco zum Handeln gezwungen haben. Denn sie haben damit gezeigt, wie weit man das Spiel mit den Denkmalschutz-Gremien und dem Welterbe-Komitee treiben kann.
Seit dem schwarzen Tag, an dem die Kulturstadt Dresden eines Brückenbaus über das Elbtal wegen aus dem illustren Zirkel der Welterbe-Stätten verstoßen worden ist, sind die Vertreter der denkmalgeschützten Städte und Regionen gewarnt: Sie gehen nicht mehr trotzig auf Konfrontationskurs, sondern versuchen ihre Pläne vor den zuständigen Unesco-Behörden schönzureden. Zumindest im Jahr nach dem Rausschmiss Dresdens war dies die richtige Taktik.
Früher nahmen vergleichbare Konflikte einen anderen Verlauf. Als die Schlösser und Gärten von Potsdam wegen eines monströs überhöhten Bauprojekts am Hauptbahnhof auf die Rote Liste der gefährdeten Denkmale zu geraten drohten, wurde nach einigem Murren und Zögern das Investorenprojekt auf ein Maß zurechtgestutzt, das immer noch weit über die Bedürfnisse der Stadt hinauszielte.
Auch der Kölner Dom wäre einmal fast von der Liste des Weltkulturerbes gestrichen worden, als sich die Stadtpolitiker weigerten, die Baupläne für eine Gruppe von Hochhäusern auf der anderen Rheinseite direkt gegenüber dem Dom abzuändern - sie hätten die Dominanz der Domtürme in der Innenstadt empfindlich gestört. Als dann aber die Planungsbehörde auf Druck der Unesco und der Öffentlichkeit doch noch einlenkte und Umplanungen versprach, sprangen die Investoren reihenweise ab.
Nach dem Ausschluss Dresdens wegen des Brückenbaus und nach der überraschenden Genehmigung der ähnlich umstrittenen Rheintalbrücke durch die Unesco fällt es schwer, den Welterbe-Stätten, die bald wegen Bauprojekten ins Gerede kommen könnten, einen Rat zu geben.
Regensburg jedenfalls tut gut daran, seine Pläne für eine Autobusbrücke, die entweder ein Stück oberhalb oder unterhalb der berühmten vielbogigen Steinernen Brücke die Donau überqueren soll, zu überdenken. Zumindest die favorisierte Version oberhalb der alten Donaubrücke, die in die Altstadt hineinführen würde, wird vor der geschlossenen alten Donaufront wie ein Fremdkörper wirken.
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(SZ vom 02.01.2011/feko)
Bundespräsident Gauck in Israel
Sie müssen mir gar nichts erklären... ;-)
Aber auch Brücken können schön sein und den nutzkulturellen Charakter verstärken.
Abgesehen davon stören diese Menschen, die da rumlaufen auch ungemein den fotogenen Charakter des Elbtals bei Dresden... Aber gerade zu Flusslandschaften gehören Brücken... ;-)
Außerdem könnte man das Kulturerbe ja vor der Brücke erst anfangen lassen...
Naja, viele Lärm um Nichts.
Wie soll man's Ihnen noch erklären?
wenn Sie ein Zementwerk in einen Luftkurort bauen, dann ist halt das Prädikat Luftkurort weg, auch wenn es vielleicht gute Gründe gibt ein Zementwerk zu bauen und die Bürger alle dafür sind.
Dadurch ist die Demokratie nicht in Zweifel gestellt, nur klargestellt, dass zwei Nutzungen eben unvereinbar sind und sie sich demokratisch entscheiden müssen...
Was denn für eine Wegwerf-Modernisierung? Ist es denn besser, wenn Autokolonnen durch die Innentadt schleichen müssen und die Luft dort verschlechtern?
Warum wagt es die Unesco das kulturelle Erbe der Demokratie zu untergraben und den Wunsch der Dresdner Bürger nach einer Verkehrsentspannung nicht zu respektieren?
Abgesehen davon, ist die Kulisse durch den historisierenden Neubau der Frauenkirche sowieso fragwürdg. Sicher gehört sie ins Ensemble - aber sie ist nicht authentisch.
Die Windkraftanlage wird ja nicht auf oder in der Wartburg errichtet, sondern auf irgendeinem der Hügel drumrum...
Wo genau ist das Problem dabei?
Und wie gesagt: Die Auswahl der Weltkulturerbestätten ist teilweise schon fragwürdig. Aber nun gut, Geschmäcker sind verschieden...
Die UNESCO zwingt den Welterbe-Titel niemanden auf. Man bewirbt sich darum.
Wird der Titel zuerkannt, so ist dies eine Ehre und man verpflichtet sich, pfleglich mit dem Welterbe der Menschheit umzugehen. In anderen Ländern Europas ist man auf das historische Erbe stolz und geht sorgsam damit um. Hier neigt man dazu, vieles einem schnellen Wegwerf-Modernismus zu opfern. Als ob es nicht genügend andere Standorte für die hochsubventionierte Windkraft-Industrie gäbe.
Ich würde der UNESCO in der Tat empfehlen, keine Welterbe-Stätten in Deutschland mehr auszuzuzeichen. Es gibt in anderen Ländern so viele schöne Orte, die dieses Prädikat zu würdigen wissen.
Übrigens, der Tourismus in Dresden ist tatsächlich leicht rückläufig.
"Deshalb müssen Sie Ihre Frage an den Dresdner Stadtrat richten, warum er damals den, sicherlich durch einen kostenintensiven Dossier untermauerten, Antrag bei der UNESCO gestellt hat, wenn es offensichtlich Pläne gab, die mit dem Label unvereinbar waren."
Gab es diese Pläne schon bei Antragsstellung bei der Unesco? Wohl eher nicht.
Und warum diese Brücke, die ja die Innenstadt in erster Linie entlastet und damit touristenfreundlicher macht, ein Ausschlussgrund von Welterbeliste sein soll, verstehe ich nicht.
Genausowenig wie es mir mit der Brücke für Busse in Regensburg verständlich ist...
(Abgesehen davon haben sich ja die Dresdner Bürger FÜR die Brücke und GEGEN die Unesco-Versklavung entschieden!
Oder eben bei der Wartburg - das ist ja kein historisches Gebäude, es wurde immer wieder verändert über die Jahrhunderte. Und jetzt soll der momentane Zustand festgefroren werden?
(Reicht eigtl nicht schon das Baugerüst, das auf dem Foto zu sehen ist, für die Aberkennung des Weltkulturerbetitels?)
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