Von Claudia Fromme

Ein Geniestreich: 1973 in Tschechien und der DDR gedreht und nach wie vor zauberhaft - kein Weihnachten ohne den Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel".

Es war einmal ein Märchen, das spielte im Sommer. Grillen zirpen, als ein Prinz sich auf die Suche nach einer rätselhaften Schönen macht, mit der er im Schloss getanzt hat. Er findet sie, steckt ihr den Schuh, den sie auf dem Ball verloren hat, an den Fuß, und gemeinsam reiten sie in die laue Nacht.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Einen Schoßhund haben sie schon und bald auch eine Schwiegertochter: Schließlich findet Aschenbrödel das Wohlgefallen der Eltern des Prinzen. (© Foto: WDR/Degeto)

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So hatte sich der tschechische Regisseur Vaclav Vorlicek Anfang der Siebziger seinen neuen Märchenfilm vorgestellt. Als Sommernachtstraum.

Doch daraus wurde nichts. Es war im Frühjahr 1972, als der Generaldirektor der DEFA (des Filmstudios der DDR), mit jenem der Filmproduktion der CSSR in Prag zusammensaß. Gemeinsam wollte man den Film produzieren. "Genosse, denk an unsere Schauspieler.

Sie haben im Sommer genug zu tun, aber im Winter keinen einzigen Auftrag", habe der deutsche Generaldirektor gesagt, erinnert sich Vorlicek. Man habe sich schnell einigen können, vielleicht auch, weil die Genossen eine Million Ostmark in Aussicht stellten.

Im Dezember zog Vorlicek also mit den Schauspielern beider Länder los, um den Sommernachtstraum zum Wintermärchen zu machen. Zu dem Wintermärchen.

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" hatte 1973 Kinopremiere in Prag, 1974 folgte Ostberlin, 1975 wurde er erstmals im WDR gezeigt. Seither gab es kein Weihnachten mehr ohne Aschenbrödel, nicht in Tschechien, nicht in Norwegen, nicht einmal auf den Philippinen. In Deutschland läuft der Film in diesem Jahr zehn Mal auf verschiedenen ARD-Kanälen.

"Die ist ja eine Revolutionärin!"

Die Geschichte ist so einfach wie beliebt: Eine holde Waise wird von ihrer bösen Stiefmutter und ihren Stiefschwestern ausgebeutet.

In der tschechischen Version wirft das Schicksal dem Mädchen namens Aschenbrödel drei Zaubernüsse in den Schoß, mit denen sie sich allerlei wünschen kann. Etwa schöne Kleider. In Samt und Seite landet sie auf dem Ball des Prinzen - der Rest ist bekannt.

Ein Märchen, wie es überall auf der Welt erzählt wird. Doch gerade in arabischen Ländern war man über das Aschenbrödel irritiert. Bei Reisen nach Algerien und Ägypten sei es passiert, erzählt Vaclav Vorlicek, 76, dass Filmschaffende sich empört hätten: "Wie können Sie nur so eine Frau zeigen? Eine, die so hart ist gegen die Männer. Die ist ja eine Revolutionärin!"

Aschenbrödel ist kein Hascherl

Er habe sie beruhigen können, sagt Vorlicek. Es sei ja nicht so, dass sein Aschenbrödel eine Feministin ist. Vom Grimmschen Hascherl, das sich duldsam dem Schicksal fügt, ist es dennoch weit entfernt.

Schlagfertig fordert das Aschenbrödel den Prinzen heraus, als Jäger verkleidet imponiert sie ihm mit der Armbrust. Und als er endlich die Frau zum Schuh gefunden hat, fällt sie ihm nicht sofort in die Arme, sondern gibt ein Rätsel auf: "Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht.

Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht. Wer ist es dann - mein holder Herr?" Der Prinz rät richtig. Vorlicek sagt: "Nicht der Prinz hat sich das Aschenbrödel genommen, sondern das Aschenbrödel den Prinzen."

Er sei wie elektrisiert gewesen, als er die Schauspielerin Libuse Safrankova zum ersten Mal gesehen habe, sagt Vorlicek. Ein schönes Mädchen mit klugem Kopf, so hatte er sich seine Hauptdarstellerin vorgestellt.

Im tschechischen Fernsehen hat Safrankova mal gesagt, sie sei im Schwimmbad, auf der Eislaufbahn und dem Fußballplatz aufgewachsen; Prinzessin habe sie als Kind nie gespielt.

Heute lebt 'Lubischka', wie sie in ihrer Heimat genannt wird, zurückgezogen in Prag, ihre letzte größere Filmrolle hatte sie im Oscar-gekrönten Film "Kolya" als Klara; zuweilen spielt sie Theater.

Pavel Travnicek, der den Prinzen gab, ist Fernsehmoderator. Rolf Hoppe, der König, wurde einer der bekanntesten Schauspieler Ostdeutschlands. Vladimir Mensik, der Knecht, gehört zum Inventar jedes tschechischen Kinderfilms.

In "Pan Tau" spielte er Josef Urban, in "Die Märchenbraut" Herrn Majer. 1988 starb er. Wie kaum ein anderer verkörperte Mensik den Geist des tschechischen Märchenfilms, der immer ein wenig poetisch, komisch und melancholisch zugleich ist.

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