Sitzrecht und Platzrecht: Mit ihrer Forderung, dass nur Kirchensteuerzahler an Heiligabend in die Christmette dürfen, stoßen CDU- und FDP-Politiker bei den Kirchen auf wenig Gegenliebe.
Mit ihrem Vorschlag, nur Kirchensteuerzahlern Einlass in die Christmette zu gewähren, stoßen Vertreter von CDU und FDP bei den Kirchen nicht auf Gegenliebe.
Sollen sie doch fernsehen: Bundespräsident Horst Köhler (re.), seine Frau Eva Luise und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Aufzeichnung zur Weihnachtssendung in der St.-Johannis-Kirche in Lüneburg. (© Foto: dpa)
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Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lehnt eine Bevorzugung von Kirchenmitgliedern bei den Weihnachtsgottesdiensten ab: "Der Gottesdienst richtet sich grundsätzlich an alle Menschen", sagte EKD-Sprecherin Silke Römhild in Hannover. "Gerade zu Weihnachten finden viele Menschen, die Antworten suchen, zurück zur Kirche", betonte sie. Fast alle evangelische Kirchengemeinden würden wegen des erwarteten Andrangs am Heiligen Abend mehrere Gottesdienste anbieten. Auf keinen Fall werde die evangelische Kirche Gottesdienstbesucher abweisen.
Auch die Deutsche Bischofskonferenz erklärte, es gebe keine Einlasskontrollen. "Die Pfarrgemeinden entscheiden selbst, ob es sinnvoll ist, Plätze für Ältere und Kranke frei zu halten", hieß es darüber hinaus. In vielen Kirchen gebe es wegen der zahlreichen Besucher auch zusätzliche Stühle. "Als missionarische Kirche freuen wir uns über jeden, der die Weihnachtsbotschaft hören will", erklärte eine Sprecherin.
Als "großen Blödsinn" gar wies der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer, den Vorstoß aus der Politik zurück. Er sei "erschüttert, dass man einen solchen Gedanken nicht nur hegt, sondern auch noch öffentlich ausspricht".
Hintergrund der feiertäglichen Problematik ist die skurrile Forderung einzelner Politiker der CDU in der Bild-Zeitung. Demnach sollten Gottesdienste an Heiligabend vorrangig für Kirchenmitglieder geöffnet werden.
Das baden-württembergische CDU-Vorstandsmitglied Thomas Volk verlangte, zur Stillen Nacht nur noch Kirchenmitglieder einzulassen. So könnten Überfüllungen verhindert und ausreichend Sitzplätze für ältere Menschen vorgehalten werden.
"Ich bin dafür, dass Messen am 24. Dezember nur für Kirchensteuerzahler offen sind", erklärte CDU-Mann Volk. Wer nicht Mitglied der Glaubensgemeinschaft sei, müsse auf Gottesdienstbesuche an diesem Tag verzichten.
Mit seiner Idee, das Schönste, was die Kirche zu bieten hat, einen weihe- und stimmungsvollen Gottesdienst zu Weihnachten, denjenigen vorzubehalten, die die Kirchensteuer zahlen, ist der Konservative zwar nun auf taube Ohren gestoßen, doch mit seinem Vorschlag stand Volk keineswegs allein auf weiter Flur.
Der Vorsitzende der Berliner FDP-Fraktion, Martin Lindner, regte beispielsweise explizit ein Sitzrecht für Kirchenmitglieder in Gottesdiensten am 24. Dezember an - und hatte sich auch konkrete Gedanken gemacht. Lindner sagte zu Bild: "Kirchensteuerzahler dürfen bei so wichtigen Messen nicht die Dummen sein und draußen bleiben. Gemeindemitglieder sollten beispielsweise über Platzkarten vorrangiges Platzrecht bekommen."
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(sueddeutsche.de/ap/rus/jja/jb)
Es wäre doch im völligen Widerspruch zum missionarischen Auftrag menschenfängerischer Organisationen wie der christlichen Kirchen, Nichtmitglieder von ihren Festen auszuschließen.
Davon abgesehen sollte so langsam mal jemand einen Filter in die Medien einbauen, damit nicht mehr jeder unqualifizierte Müll zu uns durchkommt, den irgendwelche viertklassigen Provinzpolitker von sich geben!
Abgesehen davon, daß ich ohnehin nie in den zweifelhaften Genuß kommen werde, neben Köhler zu sitzen oder zu knieen, über den Platz kann der Bundes-Ungustl gern unbegrenzt verfügen.
In der Bibel steht( Lukas 18, 9-14):
Jesus sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die anderen, dies Gleichnis:
Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel,
sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig.
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."
und
(Lukas 15,7): Es wird mehr Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
Lasst die Zöllner und Sünder in die Kirche !!!
Fröhliche und gesegnete Weihnachten !
vergessen wurde in der Diskussion bisher die in den Augen der "nur-wer-zahlt-darf-rein"-Fraktion sicher gruseligste Gruppe (zu der übrigens auch ich zähle):
Leute, die nie in der Kirche waren und deswegen auch gar nicht aktiv ausgetreten sein können. (Jetzt erkläre mir mal einer der als Kind getauften, das er in unserer Position selbstverständlich als Erwachsener sofort alles nachgeholt hätte). Leute aus der ehemaligen DDR, nicht getaufte Kinder von Alt-68gern und Kinder der heutigen Generation von Kirchenaustretern.
Uns dürfte es in den Augen von Altvorderen dreimal nicht geben, aber Tatsache ist, es gibt uns und wir werden immer mehr und wir werden in zwei bis drei Generationen die Mehrheit stellen, wenn sich der Trend fortsetzt. Ob das gut oder schlecht ist, will ich hiermit überhaupt nicht werten. Aber wenn ungetaufte Erwachsene im Gottesdienst nicht erwünscht sind, sagen sie entschieden leidenschaftsloser "dann eben nicht bei euch" - und dann können ausgerechnet die großen christlichen Kirchen im Jahr 2050 den Großteil ihrer Häuser zusperren.
Es sollte den Kirchen doch egal sein, wen Sie betrügen, ausnehmen und vor die Tür stellen. Ob sich einer Ihrer Fürsprecher in -- welchem Lager auch immer -- befindet ist vollkommen ohne Bedeutung, es gilt doch nur je folgsamer, selbst im tiefsten Wiederspruch zu allen selbst auferlegten Regeln, desto angesehener und willkommener ist der willenlose Mitläufer.
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