Von Patrizia Odyniec

Am Anfang von "HEAVY breathing" Volume 1 weist eine Frau mit aufgesetzt unschuldiger Weihnachtsmärchenstimme darauf hin, dass diese Platte nur für "reife Menschen" bestimmt sei. Leider stimmt das nicht.

Anfangs kommen die Lieder harmlos und elternabendtauglich daher. Ab und an zischt jemand "Sex" und man möchte bedeutungslos mit den Schultern zucken. Würde man sich das Gestöhne der folgenden Lieder wegdenken, könnte man Teile der CD auch problemlos unter dem Titel "Mehr innere Kraft und Selbstvertrauen im Alltag - Entspannung leicht gemacht", auf den Markt werfen. Denn um gute Musik geht es hier nicht.

Nerviges Gestöhne auf "Heavybreathing Vol. 1". (© Foto: normal records)

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Der Abgrund naht

Spätestens bei Lied fünf, "the junge chase", von dem der Musiker haino & his african percussion safari wird zum Takt der Trommeln gestöhnt und gevögelt was das Zeug hält. So primitiv und animalisch, dass man am liebsten sofort zurück in die Zivilisation will.

Unweigerlich drängt sich die Frage auf, wann der angemessene Zeitpunkt sein soll, um diese Platte zu hören? Beim ersten, zweiten oder dritten Date mit einem potenziellen "Ich-würd-gern-neben-Dir-aufwachen"- Partner provozieren die Songs geradezu peinliche Momente. Jede Frau, es sei denn sie heißt Dolly Buster und trifft sich gerade mit Long Dong Silver, würde sagen, dass sie kurz aufs Klo geht, und nie wieder kommen. Beim Sex mit dem langfristigen Partner? In einer total hippen, unverklemmten Bar, in die man nur gegangen ist, um zu beweisen, dass man nicht spießig ist? Während der Midlife-Krise? Egal was man sich vorstellt - man muss den Kopf schütteln.

Natürlich, es gibt auch gute Momente - Zwischendurch besingt Suzie Seacell ihren Vibrator, mit einer Leichtigkeit, die einen glatt mitswingen lässt und sich schwer nach Kleidern mit großen Schleifen und rosa Punkten anhört. Und ein bisschen Gestöhne und Geatme macht sich in Lieder grundsätzlich nicht schlecht. "Stay together" von N.E.R.D. ist das beste Beispiel.

Bitte mit Ohrstöpseln

Doch es gibt viele Stücke, die einen daran hindern, die CD zufrieden in einem Zug durchzuhören. Zum Beispiel wenn Lotte und Leherb es sich in "Irre Gut" mit minimaler musikalischer Unterlegung gegenseitig besorgen, wünscht man sich seine Eltern herbei, die einem die Ohren zu halten oder die CD stoppen.

Nach vier Minuten Stille kommt eine Stimme namens Claudia aus dem Nichts, stellt sich freundlich vor und will es "mit dir treiben". Gleich mehrmals. Wäre das nicht das Ende der Platte - man müsste an dieser Stelle den Stop-Knopf drücken.

Zwar macht Claudia sehr deutlich, was sie von einem will - was die CD-Kompilation "Heavybreathing" möchte, bleibt stattdessen schleierhaft. Vielleicht als ein Kunstwerk betrachtet werden? Aber sorry, es ist einfach nur Sex, der ziemlich laut und ungehemmt nach Aufmerksamkeit stöhnt.

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(sueddeutsche.de)