Wandel in der Kulturpolitik Patriotismus an Schulen und Universitäten

Solche Forderungen sind nicht Glińskis Erfindung. PiS-Gründer Kaczyński wünscht sich schon seit Langem patriotische Filme - und ließ Ministerpräsidentin Szydło in ihrer Regierungserklärung verkünden, öffentliche Gelder sollten vor allem in Projekte fließen, die "Polen und der Welt von unseren Helden erzählen". Das angesehene Filmfestival "Camerimage" im Städtchen Bydgoszcz solle künftig gleichfalls "Polen in der Welt promoten", forderte Kulturminister Gliński.

Auch an Universitäten und Schulen dürfte Patriotismus mehr Gewicht bekommen. Schließlich müsse Polen einen Wiederaufbau nach "moralischer Verwüstung" unter der Vorgängerregierung betreiben, so der für Wissenschaft und Hochschulen zuständige Vize-Ministerpräsident Jarosław Gowin. Für die Schulen werde noch in diesem Jahr ein Konzept für einen "guten Wechsel" vorgelegt, kündigte die neue Erziehungsministerin Anna Zalewska an. Die Grundlinien des "guten Wandels" sieht die PiS laut ihrem Bildungsprogramm etwa in der "Verbreitung angemessenen moralischen und bürgerhaften Benehmens" oder der "Erziehung zu Gewohnheiten in der Art eines guten Polen und guten Staatsbürgers".

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Polen pflegt, auch in der Kultur, starke dezentrale Traditionen, zum Ärger der PiS. Die Regionen sollten sich etwa in der Schulpolitik künftig darauf beschränken, die Schulgebäude zu unterhalten, die eigentliche Bildung aber sei Sache des Staates, sprich: der Partei, forderte die am Bildungskonzept der Partei maßgeblich beteiligte Regierungssprecherin Elżbieta Witek. Das Partei-Hausblatt WSieci schlug vor, Polen solle zur stärkeren Steuerung der Kultur etwa die "Polnische Literaturakademie" der Zwischenkriegszeit reaktivieren. Es ist eine zweifelhafte Forderung, schließlich war Polen ab 1926 unter Jożef Piłsudski eine Diktatur und die Freiheit stark eingeschränkt.

Polens gut 140 öffentliche Theater dürften den neuen Kurs schon bald spüren. Kulturminister Gliński führte erstmals in Polen das Amt einer Vize-Kulturministerin für Theater und künstlerische Erziehung ein. Amtsinhaberin Wanda Zwinogrodzka sieht die Hauptaufgabe des Theaters in der Festigung der "brüchigen gemeinschaftlichen Bande". Zudem forderte Gliński den Leiter der Region Niederschlesien auf, im Polnischen Theater von Breslau die Premiere der angeblich pornografischen Szenenfolge "Der Tod und das Mädchen" von Elfriede Jelinek zu verbieten. Zwar verhallte die Forderung ungehört, wurde das Stück mit stehendem Applaus gefeiert, sind alle Vorstellungen in diesem Jahr ausverkauft. Doch das Breslauer Theater lebt wie andere Theater vor allem auch von Zuschüssen aus Warschau. Künftig werde "die Aufteilung des Kuchens" staatlicher Subventionen "sicher anders sein als bisher", kündigte der Kulturminister an.

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Und natürlich werden auch die staatliche Nachrichtenagentur PAP und das staatliche Fernsehen und Radio - vom neuen Kulturminister als "pathologisch" bezeichnet - nicht weitermachen wie bisher. Als im staatlichen Infosender TVP Info Moderatorin Karolina Lewicka den neuen Kulturminister in einer populären Talkshow hartnäckig befragte, auf welcher Rechtsgrundlage er eigentlich den Leiter einer Region zum Verbot einer Theaterpremiere aufgefordert habe, wurde Gliński ausfallend. Er nannte die Sendung ein Propagandaprogramm und fragte die Moderatorin, ob sie wirklich glaube, in Zukunft - sprich: unter der PiS - noch weiter solche Fragen stellen zu können.

Umgehend nach der Sendung suspendierte der offenbar um den eigenen Job fürchtende Intendant die Moderatorin wegen angeblicher "Abkehr von im öffentlichen Fernsehen gültigen Standards". Eine von Lewickas empörten Kollegen einberufene Kommission des Fernsehens allerdings stellte keinerlei Verletzung journalistischer Standards fest. Der Intendant musste Lewicka - zunächst - auf den Bildschirm zurückkehren lassen.

Allerdings steht schon ein Regierungsbevollmächtigter für den Umbau der Staatsmedien zu "nationalen Kulturinstituten" im Sinne der Regierungspartei bereit: Krzysztof Czabański. Er ist seit Jahrzehnten ein enger Vertrauter Jarosław Kaczyńskis und war nach Informationen der polnischen Newsweek-Ausgabe schon unter der ersten PiS-Regierung ab 2006 ein Säuberer des Staatsradios von unbequemen Journalisten.