Wanda-Konzert in Berlin Der Wahnsinn, eh klar

So sieht das Cover ihres hinreißenden Debütalbums aus: "Amore" von Wanda.

(Foto: Problembärrecords © Florian Senekowitsch / Wolfgang Seehofer)

Wer könnte sich da nicht Hals über Kopf verknallen? Wanda kamen aus dem Nichts, jetzt spielt die Wiener Band drei ausverkaufte Konzerte in Berlin. Am ersten Abend gibt es Kippen, Schmäh - und Momente reinen Glücks.

Von Annett Scheffel, Berlin

Die österreichische Band Wanda ist gerade dabei, ganz groß zu werden. In Berlin spielen sie an gleich drei aufeinanderfolgenden Abenden. Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen zum ersten Konzert.

Warum man da war

Natürlich, weil man die Sensation der Stunde mit eigenen Augen sehen wollte! Solange sie noch lichterloh brennt. Wanda kamen aus dem Nichts. Jetzt sind sie die Band, an der man, wenn man nur Verstand genug hat, um noch den Kopf verlieren zu können, gar nicht mehr vorbeikommt. Weil es vor ein paar Monaten plötzlich dieses hinreißende Debütalbum gab, voller süßer, heftiger Popsongs mit lauten Gitarren und beschwingten Keyboard-Melodien, mit heiserem Gesang und Wiener Schmäh. Lieder, die schwermütig sind und trotzdem frech und verwegen in ihrer Klarheit. Lieder mit sehnsüchtig aufgesexten, aber wunderbar unpeinlichen Texten - eine seltene Angelegenheit, noch dazu auf Deutsch. Lieder, die mit Witz und versoffenem Kneipencharme von Liebe, Enttäuschung und Rausch erzählen, vom ungesunden, wilden, ehrlichen Leben - genauer: von "Amore".

Ganz schön leiwand

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Und nun waren Wanda also in Berlin, Donnerstagnacht, die erste von drei aufeinanderfolgenden Shows in einem kleinen ziegelsteinernen Club am Spreeufer. Total ausverkauft. Eh klar. Noch fünf Minuten vor Konzertbeginn stehen draußen ein Dutzend Menschen, die flehend nach Karten Ausschau halten. Für alle, die Karten hatten, war's natürlich perfekt: maximale Aufmerksamkeit, minimaler Platz.

Und was war dann wirklich los?

Na, der Wahnsinn, eh. Die Musik von Wanda ist ungefähr so, wie sich Hals über Kopf zu verlieben. Man weiß, dass das irgendwie Unsinn ist, und schrecklich altmodisch dazu. Aber was soll man machen? Sänger Marco Michael Wanda liebte man ohnehin nach 30 Sekunden - man glaubte ihm auch alles und wollte ihm immer weiter Kippen auf die Bühne reichen, weil er einfach nie wieder aufhören sollte, seine Geschichten aus der Wiener Nacht zu erzählen.

Bester Moment

Selbstverständlich der, als Marco Michael Wanda in seiner sympathisch-schnodderigen Art mit Drink und Zigarette das Publikum, das ihm längst willenlos zu Füßen lag, fragte: "Ist es etwa schon wieder so weit?" Und dann "Amore" anstimmte. Die Macht der Euphorie in diesem Moment war nichts als reines Glück. Wirklich. Was für ein Song. Und was für ein zauberhafter Maulheld, der Herr Wanda.

Nichts für Sie gewesen wäre es, wenn ...

... es Ihnen Spaß macht, dem Unwiderstehlichen zu widerstehen. Kann man natürlich machen. Aber warum sollte man? Noch viel mehr Spaß macht es, sich in diese Band zu verknallen.

Und, war's denn nun Schlager?

Irgendwie schon. Aber nur, wenn man sich daran erinnert, dass der Schlager in seiner langen, wechselhaften Geschichte eben nicht immer nur dieses glasierte Spektakel war, mit dem Helene Fischer gerade unser Gedächtnis vernebelt. Schlager, das konnte wie bei Wanda eben auch Musik sein, die nach Bahnhofskneipen roch und von Schnaps, durchzechten Nächten und dem bösen Kater danach erzählte. Wenn also Wanda Schlager ist, dann der seltene, würdevolle, mit dem abgehalfterten Schmäh.