Nicht mehr verschweigen lassen sich jetzt aber die Schäden, die der konservierten Kulturlandschaft im langgezogenen Elbbogen zwischen Loschwitz und Altstadt durch die am Talhang aus einem Straßentunnel herausschießende und dann in einer Schräge den Hang, die Elbe und die Auwiesen überquerende Brücke zugefügt werden.
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Extreme Störung
Von allen Aussichtspunkten am Hochufer über den Weinbergen, aber auch von den Spazierwegen unten am Ufer aus wird man die vierspurige Brücke - sie überquert das Tal ungefähr im Scheitel der Kurve - als extreme Störung, als auslöschenden Querstrich in der Landschaft erleben. Und von überall wird man mitansehen und mitanhören müssen, wie das Tunnelmaul oben am Hang massenhaft Pkws und Lkws ausspuckt, die laut über die grobschlächtige Brücke fahren und am anderen Ende auf den Auwiesen beim Einfädeln ihre umständlichen Schleifen ziehen.
Schmerzlicher und heimtückischer als die reale Wunde in der Landschaft wird aber der geistige, um nicht zu sagen: der moralische Schaden sein, den Sachsen als Kulturstandort und Deutschland als Musterland des Natur- und Denkmalschutzes durch diese berechtigte Rüge aus der Völkergemeinschaft erleiden werden. Dresden ist nach der Wiedervereinigung nicht nur von seinen deutschen Gästen, sondern auch von Besuchern aus aller Welt als ein Zentrum europäischer Kultur wiederentdeckt und, obwohl stark zerstört, als glücklicher Sonderfall unter den Städten Ostdeutschlands wahrgenommen und genossen worden.
Der Wiederaufbau des Zwingers, der Gemäldegalerie und der Schinkel-Oper noch zu DDR-Zeiten und die Wiedereinrichtung des Grünen Gewölbes im nun ganz den Kunstsammlungen gewidmeten Schloss haben der Stadt viel von ihrem alten Glanz zurückgegeben. Vor allem aber der ganz mit privaten Spenden aus aller Welt finanzierte Wiederaufbau der Frauenkirche hat der Stadt eine Welle der Sympathie beschert, die jetzt durch den Strafbefehl aus Sevilla, durch die Verstoßung aus der Riege der Weltkulturstätten, unsanft gekappt werden dürfte.
Der große Verlierer
Die Unesco-Kommission konnte, wenn sie glaubwürdig bleiben wollte, nach dem zweimaligen Aufschub des Ultimatums bei der dritten Überprüfung nicht mehr anders als radikal reagieren. Die Politiker von CDU und FDP in Dresden haben sich allen Vermittlungsversuchen der Pariser Behörde so brüsk widersetzt, dass eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr möglich war. Wenn künftig in Deutschland also darüber abgestimmt wird, welches Bundesland sich bei der Unesco für die Aufnahme in das Weltkulturerbe bewerben darf, wird Sachsen erst einmal weit zurückgestellt werden. Dresden ist der große Verlierer dieses traurigen Tages.
Die einzigen Menschen in Deutschland, die sich über den sächsischen Welterbe-Tumult vielleicht leise gefreut haben, könnten die Verkehrspolitiker des Landes Rheinland-Pfalz sein. Denn die riesige Aufmerksamkeit, die sich Dresdens Politiker mit ihrem trotzigen Affront gegen die Unesco und gegen die geistige Opposition im eigenen Land eingehandelt haben, hat fürs Erste vergessen lassen, dass das Land Rheinland-Pfalz einem ganz ähnlich gearteten Skandal entgegensteuert: An einer der schönsten Stellen im Weltkulturerbe Mittleres Rheintal wollen die Mainzer Politiker eine mächtige Straßenbrücke errichten lassen.
Bei der Sitzung des Unesco-Komitees in Sevilla war vom bedrohten Rheintal zwar noch nicht die Rede, doch wenn die beschlossene Brücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen, also in nächster Nähe zur Loreley, in der geplanten Form errichtet wird, könnte - nach Köln und Dresden - zum dritten Mal eine deutsche Welterbestätte auf die Rote Liste der gefährdeten Kultur- und Landschaftsdenkmäler geraten.
So kann man nur hoffen, dass die Vertreter Niedersachsens und Schleswig-Holsteins, die das deutsche Wattenmeer in diesem Jahr für das Weltkulturerbe vorschlagen wollen, nicht auch schon eine Brücke oder Ähnliches im Hinterkopf haben.
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(SZ vom 26.06.2009/bey)
Brasiliens Präsidentin Roussef
...da kennen wir vielleicht denselben Grünen, der diesen Unsinn verzapft haben - wo wir ja aus der selben Region kommen? :-;
Für partielle Skepsis ab und zu werde ich mich zwar nicht enschuldigen (zumal es ja auch eine fundierte Analyse der Auswirkungen auf das Landschaftsbild von anerkannten Experten der RWTH Achen gibt, die die Stadt Dresden selbst ausgewählt hat) - doch letztendlich wer weiß es heute schon, auch Experten können irren. Vielleicht können wir uns mal auf einen Brückspaziergang treffen? Neugierig bin ich auf den Anblick, wenn ich auch Ihren Optimismus hinsichtlich der positiven Auswirkungen nicht teile.
Ihre Antwort ist in Ordnung. Das meinte ich eigentlich auch, mit einer eigenen Ansicht.
Was ich aber von einigen Dunkelhüten, und nicht nur in diesem Forum, so lese, das geht auf keine Kuhhaut. Der größte Teil schreibt nur nach, war noch nie in Dresden und erdreistet sich u.a. bis hin z.B.zur sowjetischen Besatzungszone sein eigentliches Unwissen bei diesem Thema los werden zu wollen. Dann gibt es dazu wieder Trittbrettfahrer usw.usw. Internet, Lesen und Schreiben können in solchen Fällen eben auch Nachteile sein. Man muss sie ertragen, wie ein auf der Autobahn entgegen kommendes Auto. Nur im Forum viel mehr. Die Hufeisennase ist in Bad Schandau zu finden. Aktionsradius max. 15 km. Mir tut jeder Baum leid, der gefällt wird oder werden muss. auch jeder qm der betoniert wird, aber in dem Fall war es eben nötig. Ich kenne Grüne, die haben einen ganzen Wald gefällt, ohne dass da bezahlte Affen das verhindert haben. Die Stadt sollte die Auftraggeber zu Kasse bitten. Es waren Steuergelder (100000 ) haben die Polizeieinsätze gekostet. Nun freue ich mich auf die Brücke, wie einst zur Frauenkirche. Von Ihnen bin ich überzeugt, dass Sie sich beim Anblick entschuldigen für Ihre Skepsis.
Entschuldigung, ich wollte 50-100 Jahre schreiben, nicht tausend. Da hatte sich ein Flüchtigkeitsfehlerteufel eingeschlichen. Bei so langen Zeiträumen ist auch zu hinterfragen, wie sich das gesamtgesellschaftliche Formempfinden und -verständnis weiterentwickelt und ob ein gebauter Körper eine zeitlose Schönheit besitzt.
Grundsätzlich finde ich es nicht sehr günstig, wenn professionelle Umweltaktivisten ein nach demokratischen Regeln und den rechtlichen Regeln entsprechend aufgestellten Plan in seiner Umsetzung blockieren (u. a. Kosten und Folgekosten...). Wenn der beschlossene Plan aber in seiner beschlossenen Variante nicht den rechtlichen Regelungen entspricht (z. B. naturschutzrechtliches Vermeidungsgebot vermeidbarer Beeinträchtigungen) und wenn ein Belang nationaler Bedeutung betroffen ist, dann kann es u. U. auch angemessen und nützlich sein, finde ich, wenn professionelle, zugereiste Aktivisten darauf meidenwirksam hinweisen. Im konkreten Fall der alten Bäume die oben entlang der Bautzener Straße gefällt wurden, hat mir ein höherer Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes DD mitgeteilt, dass man die Trasse in einem längeren Abschnitt leicht hätte um eine Spur reduzieren und verschwenken können, so dass man mit einer kleinen Änderung der Planunterlagen mehrere der alten, großen Bäume hätte erhalten können (s. Vermeidungsgebot hätte greifen müssen?). Ich habe allerdings nicht selber das Planaufstellungsverfahren verfolgt - insofern keine eindeutige eigene Meinung.
Hufeisennase: Das geschützte, kleine Tier ist hier sicherlich auch instrumentalisiert worden, da in größerem Umfang Umweltbelange nicht so, wie man es sich hätte wünschen können, von Anfang an in die Planung eingestellt wurden. Ob es selbst gefährdet werden wird/würde? Potenziell schon, da Vorkommen oberhalb und unterhalb bekannt sind - aber auch so weit entfernt, dass eine Wanderung nicht allzu häufig erfolgen dürfte. Andererseits kommt dem Elbtal um Dresden herum und den angrenzenden Tälern eine deutschlandweit relativ hohe Bedeutung hinsichtlich der Hufeisennase zu. Insofern mag eine besondere Vorsicht angemessen sein, Fledermäuse sind immerhin sehr nützliche Tiere (nächtliche Schädlingsvertilger). Auf der anderen Seite denke ich, dass auch auf Naturschutzseite das eine oder andere Mal mit Argumenten schnell geschossen wurde.
Natürlich können Sie dazu eine private Meinung haben, das spreche ich Ihnen nicht ab. Es ist aber nur eine Meinung und was sonst so in diesem Forum geschrieben wird ist und bleibt schauderhaft. Ich habe es schon einmal geschrieben, hier geht es um politische Profilierung von zu kurz gekommenen. Es sind die gleichen Leute, die Dresden den ehemaligen OB Roßberg angedreht haben, es sind die gleichen Leute die aus allen möglichen Ländern Randalierer nach Dresden karren und den Dresdnern ihren Gedenktag 13. Februar zertören. Das hat mit Demokratie überhaupt nichts zu tun. Das ist die Methode, willst Du nicht mein Bruder sein, schlage ich Dir den Schädel ein. Insgesamt geht es nicht um Tunnel oder Brücke, wobei natürlich in Dresden grundsätzlich nur eine Brücke in Frage kommt. Ihre Meinungzu den professionellen Baumbesetzern (keine Dresdner) und zur Hufeisennase vermisse ich. Wenn die Brücke fertig ist, werden sich eine Menge Leut für ihre derzeitigen Entgleisungen entschuldigen, sofern sie Charakter haben. Wie kommen Sie denn überhaupt auf 1000 Jahre. Es war wohle eine Hellseherin, die Ihnen das versprochen hat, wenn nichts vorher dazwischen kommt.
erster Teil den folgenden Kommentars unten...
... wurde gerade leider abgeschnitten.
Und Tradition: Genau, wir machen einfach das, was wir schon immer gemacht haben, das wird bestimmt gut sein! Munter fröhlich immer die gleiche Lösung, anstatt situationsangepasst die optimale Lösung zu suchen. Ich sage: Shape the vision to the land und nicht Shape the land to the vision.
Wer für sich in Anspruch nimmt, Fakten wiederzugeben, sollte diese besser auch selber aus dem Studium der Primär- und Sekundärquellen kennen. Lügen verbreiten tatsächlich nicht nur die Tunnelbefürworter sondern auch die Brückenbefürworter (es gibt auf beiden Seiten schwarze Schafe ).
Paging