Wagner-Oper in Düsseldorf Jüdische Gemeinde begrüßt Tannhäuser-Absetzung

Nazis, Gaskammern, Holocaust: Die Tannhäuser-Inszenierung in Düsseldorf war ein Skandal, einige Zuschauer mussten sich sogar ärztlich behandeln lassen. Die Absetzung des Musikdramas trifft nun auf viel Verständnis. Beim Regisseur hingegen nicht.

Die jüdische Gemeinde Düsseldorfs hält die Entscheidung der Rheinoper, die umstrittene Tannhäuser-Inszenierung abzusetzen, für sinnvoll. "Es besteht die Gefahr, dass das Leid der Opfer durch eine inflationäre Verwendung von NS-Symbolik bagatellisiert wird. Da muss man sehr sensibel sein", sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden von Nordrhein, Oded Horowitz. Er betonte jedoch, die Gemeinde wolle sich grundsätzlich nicht in künstlerische Belange einmischen.

Nach massiven Protesten und Empörung wegen der krassen Darstellung von Nazi-Morden und dem Sterben in Gaskammern hatte die Oper am Mittwoch angekündigt, den Tannhäuser von Richard Wagner von Donnerstag an nur noch konzertant aufzuführen. Eine Änderung einzelner Szenen habe der Regisseur Burkhard C. Kosminski aus künstlerischen Gründen abgelehnt.

Vertreter der Düsseldorfer Kulturpolitik äußerten ebenso Verständnis. Der Rheinischen Post sagte Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe (CDU), er respektiere die Entscheidung: "Die Verantwortlichen werden das sehr genau abgewogen haben."

Der Vorsitzende des Düsseldorfer Schauspiel-Freundeskreises, Hans-Michael Strahl, der selbst den Premierenabend besucht hatte, sagte der Zeitung, es sei schade, dass Opernbesucher sich nun keine eigene Meinung mehr über das Stück bilden könnten. Es sei aber letztlich Sache der Oper, abzuschätzen, ob sie die Inszenierung mit ihrer starken psychischen Wirkung weiter verantworten könne.

Die Opern-Leitung sei sich darüber im Klaren gewesen, dass das Konzept und die szenische Umsetzung des Tannhäuser kontrovers aufgenommen würden, hieß es in der Mitteilung über die Absetzung. "Mit allergrößter Betroffenheit reagieren wir jedoch darauf, dass einige Szenen, insbesondere die sehr realistisch dargestellte Erschießungsszene, für zahlreiche Besucher sowohl psychisch als auch physisch zu einer offenbar so starken Belastung geführt haben, dass diese Besucher sich im Anschluss in ärztliche Behandlung begeben mussten." Eine so extreme Wirkung könne die Oper nicht verantworten.

Gar nicht begeistert von der Entscheidung ist der Regisseur der Inszenierung, Burkhard C. Kosminski. "Ich bin vollkommen geschockt - vor allen Dingen über die Begründung. Es kann doch nicht sein, dass diese Art von Zensur stattfindet", sagte Kosminski dem Mannheimer Morgen. Er habe beim Intendanten des Düsseldorfer Oper, Christoph Meyer, den Wunsch geäußert, "in eine sachliche Diskussion einzusteigen und dadurch die in beide Richtungen aufgebrachten Gemüter zu beruhigen". Der Vorschlag sei nicht gehört worden.

Kosminski wolle klarstellen, "dass ich in keinem Moment die furchtbaren Verbrechen des Nationalsozialismus als Selbstzweck oder billiges Mittel, einen Skandal zu provozieren, benutzt habe". Die umstrittenen Szenen seien ein Beleg für eine unfassbare Schuld, "die in meiner Lesart Tannhäuser begangen hat. Ich will nicht die Opfer verhöhnen. Ich will die Opfer beklagen. Das Kernthema sind Schuld und Erlösung."

Vor zehn Monaten habe er der künstlerischen Leitung der Oper sein Tannhäuser-Konzept vorgestellt, sagte Kosminski. Allen Beteiligten sei klar gewesen, dass diese Inszenierung eine Kontroverse auslösen würde. "Mit einem Skandal hat keiner gerechnet", sagte der Regisseur der Zeitung.