Wachsender Druck auf Betreiber Nur ein "Etappenerfolg"

Dass die Seite nun endgültig abgeschaltet ist, die durch die Diffamierung von Homosexuellen, Juden, Politikern, weltoffenen Katholiken und Journalisten bekannt wurde und sich als das am häufigsten frequentierte katholische www-Portal in deutscher Sprache bezeichnete, ist ziemlich unwahrscheinlich. Möglicherweise wechselten die Betreiber nur den Server, um die Fährten zu vernebeln. Deswegen will David Berger nur von einem "Etappenerfolg" sprechen.

Die Medienberichte der letzten Wochen hätten den Druck auf die Seite jedenfalls so stark erhöht, dass ihr zahlreiche Zulieferer und Informanten abgesprungen seien, weil sie fürchten mussten, entlarvt zu werden. Nach Bergers Beobachtung stellte kreuz.net in den letzten Tagen mehrere Artikel erneut online, die nahezu wortgleich bereits erschienen waren - offenbar aus Materialmangel. Die Demaskierung des Pfarrers Jolie als Autor habe manchem Zulieferer signalisiert, dass er sich nicht mehr sicher fühlen könne. Berger, der vor seinem Outing als Homosexueller selbst in erzkonservativen Kirchenkreisen zugange war, vermutet nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen in diesem reaktionären Milieu noch weitere katholische Priester als kreuz.net-Autoren. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Seite wieder ins Netz geht, um ihre menschenverachtenden Parolen zu verbreiten.

Furcht vor weiteren peinlichen Enthüllungen

Alles andere als Ruhm erntete beim Aufspüren der Hintermänner von kreuz.net die Deutsche Bischofskonferenz. Ebenso wie nun auch ihre österreichischen Kollegen, verurteilten sie die Seite als unkatholisch und drohten vollmundig mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen für katholische Priester, die sich daran beteiligten. Zur Aufklärung trug die Bischofskonferenz jedoch so gut wie gar nichts bei. Nicht durch die Bekundungen der Bischöfe sei Bewegung in die Ermittlungen geraten, sagt David Berger, sondern durch Hinweise, die bei der Initiative "Stoppt kreuz.net!" eingingen, und durch davon ausgegangene Recherche. Die Bischofskonferenz weigert sich, die Initiative zu unterstützen. Bergers Vermutung, dass sie weitere peinliche Enthüllungen über noch mehr Pfarrer als Verfasser von Hetzartikeln fürchtet, ist begründet.

Wie zurückhaltend die Bischöfe bei der Recherche sind, demonstrierte vergangene Woche das Bistum Mainz. Dort war Pfarrer Jolie wegen seiner Autorschaft auf dem Hetzportal zum Rapport erschienen. Auf kreuz.net steht beziehungsweise stand es jedoch auch ein Artikel, den er an Heilig Abend 2009 zusammen mit seinen Kollegen Guido Rodheudt und Uwe Winkel verfasst hatte. Auf die Frage der SZ, ob die Bistumsleitung bei der Befragung Jolies, der ja zuvor gelogen hatte, Erkenntnisse über die Co-Autorschaft von Rodheudt und Winkel gewann, kam erst diese Antwort: Zu "weiteren Einzelheiten des Gespräches mit Pfarrer Jolie" werde man sich nicht äußern. Auf eine insistierende Nachfrage hin, teilte das Bistum Mainz dann mit: Man habe "sich im Rahmen seines Verantwortungsbereiches und seiner Kompetenzen an der Aufklärung des Sachverhaltes beteiligt". Dem Bistum stünden "nicht die Möglichkeiten einer Ermittlungsbehörde zur Verfügung". Dabei hätte es Jolie nur fragen müssen, ob er all seine Artikel allein verfasst hat.

Wann kreuz.net wiederkommt, ist offen. Noch spannender ist, wie die Seite dann mit den Namen der Männer umgehen wird, die ihr nahestehen.