Vorschlag-Hammer Sommernachlese

Die Festivalflut auf dem Land ebbt etwas ab. Immerhin hat man nun Zeit für die Nachzügler, wie das Filmfestival in Kaufbeuren

Von Sabine Reithmaier

Langsam ebbt die Festivalflut auf dem Land etwas ab. Das liegt vor allem an der Jahreszeit, nicht etwa an der Einsicht, dass das Angebot allerorten vielleicht inzwischen etwas zu sehr wuchert. Immerhin hat man nun Zeit für die Nachzügler. Logisch, dass einer davon ein Filmfestival ist. Kino passt eben gut zum Herbst. Die Rede ist von der "Filmzeit" in Kaufbeuren, einem Allgäuer Autorenfestival, das bereits zum achten Mal von einem kleinen Team um den Künstler Roman Harasymiw gestemmt wird. Das Besondere daran ist, dass sich dieses Festival im Hauptwettbewerb weder auf bestimmte Genres noch auf Themen oder Längen festlegt. 600 Einreichungen gab es, was die Fachjury bei der Auswahl vermutlich ziemlich stresste. Was sie ausgesucht hat, ist in fünf Blöcken in den nächsten Tagen zu sehen.

Regelmäßig setzt sich das Festival ein Sonderthema. "ACHTung" lautet es, zu sehen sind Filme, die sich mit Achtsamkeit, Respekt und Zivilcourage beschäftigen. Vielleicht öffnen die Beiträge ja manchen Zuschauer die Augen. Darauf scheint das Team jedenfalls zu hoffen, denn der Flyer zeigt eine Frau mit Hund, die Tomaten auf den Augen haben (bis 11. Oktober im Stadttheater und im Corona Kinoplex, www.filmzeitkaufbeuren.de). Zum zweiten Mal kooperiert das Festival mit dem Kunsthaus Kaufbeuren. War im Vorjahr Christoph Brech mit seiner Videokunst zu Gast, so gestaltet heuer die Schweizer Künstlerin Gabriella Gerosa die Ausstellung "Des Künstlers Garten". Und verwandelt das Kunsthaus angeblich in eine Oase der Stille (8. bis 25. Oktober, Kunsthaus Kaufbeuren).

Die Stille am Starnberger See hat auch Johannes Brahms genossen, als er sich im Mai 1873 ein Zimmer in Tutzing mietete. Er blieb bis September und komponierte ziemlich viel, unter anderem die Haydn-Variationen op.56. Auf diesen Sommerurlaub beziehen sich die Tutzinger Brahmstage, die schon zum 18. Mal stattfinden. Das kleine, aber feine Musikfestival bietet natürlich immer viel Brahms, erweitert das Angebot aber auch in Richtung Moderne. "Brahms meets Jazz" (16. Oktober) wartet sogar mit einer Uraufführung auf (11. bis 25 . Oktober, www.tutzinger-brahmstage.de).

Möglich ist natürlich, dass Brahms an der Stille gar nicht so interessiert war. In einem Brief schrieb er jedenfalls: "Eben hatten wir ein prachtvolles Gewitter; der See war fast schwarz, an den Ufern herrlich grün, für gewöhnlich ist er blau, doch schöner, tiefblauer als der Himmel, dazu die Kette schneebedeckter Berge - man sieht sich nicht satt!"