Vorschlag-Hammer Das Leben ist ein ruhiger Stream

Vom Max-Joseph-Platz aus sollte am 8. Juli das diesjährige Opernfestspiel-Highlight "Parsifal" in Kinosäle übertragen werden. Seit Donnerstag ist klar, aus der Sache wird nichts

Kolumne von Susanne Hermanski 

Was hätte wohl Ludwig II. zu dieser Causa gesagt? Nach jahrelangem inneren Widerstand hatte sich Intendant Nikolaus Bachler von nicht weiter zu klärenden Kräften dazu überreden lassen, erstmals einer Live-Übertragung einer Aufführung der Bayerischen Staatsoper in Kinosäle zuzustimmen. Die Met in New York und das Royal Opera House in London machen das schon lange. Sie verkaufen ihre Produktionen auf diesem Wege weltweit.

Vom Max-Joseph-Platz aus sollte am 8. Juli also das längst ausverkaufte, diesjährige Opernfestspiel-Highlight "Parsifal" (Regie: Pierre Audi, Bühnenbild: Georg Baselitz) übertragen werden. Seit Donnerstag ist klar, aus der Sache wird nichts. "Aus produktionstechnischen Gründen", sagt die Oper. Wer es genauer wissen will, kann sich das Kuddelmuddel aus rechtlichen, strategischen und physikalisch-technischen Problemen in einem Vortrag von Wagneropernlänge erklären lassen.

Enttäuscht reagierten Fans und die Kinobetreiber, die ihrerseits schon jede Menge Tickets für die Veranstaltung verkauft hatten. Unter anderem waren Vorstellungen am Sendlinger Tor, im Cinemaxx, im Rio Filmpalast und in Fürstenfeldbruck geplant. Auf der Internetseite der Gröbenlichtspiele, die sich ebenfalls beteiligen wollten, steht: "Die Situation ist für uns als Kino sehr ärgerlich. Sie können die Karten an der Kinokasse zurückgeben!" Die Oper verweist nun auf zwei andere Möglichkeiten, den Parsifal doch noch - und zudem umsonst - zu sehen. Nämlich bei Oper für alle, die den Parsifal am 8. Juli nicht nur auf den Max-Josef-Platz (auf eine ebenfalls sehr, sehr große Leinwand) überträgt. Sie streamt den Abend auch live auf www.staatsoper.tv wie schon in früheren Jahren üblich.

Und Ludwig II.? Der hat einer "Oper für alle" bekanntlich für den persönlichen Kunstgenuss die "Oper für einen" vorgezogen. Hätte er Parsifal nicht eh allein im sonst leeren Opernhaus angesehen, ein nächtlicher Live-Stream an die Wände seiner Grotte in Linderhof hätte ihm sicher zugesagt. Dann hätte er die Zauberstimmen von Jonas Kaufmann, Christian Gerhaher und René Pape von seinem Schwanennachen aus genossen wie andere den "Krieg der Sterne" im Chevrolet im Autokino. Der Vorschlag also: Nicht ärgern, sich ins Getümmel lümmeln am 8. Juli oder es halten wie der Kini: einsam lauschen, aber froh.