Vorbericht Ein Wolf ist kein Vegetarier

Märchenhaftes an der Salzach: Auf der Burghausener "Märchenalm" gibt es neben Prinzessinnen auch Bösewichte.

(Foto: Robert Banfic)

Theaterintendant Mario Eick gründet in Burghausen eine "Märchenalm", ein Projekt, in dem Kindern und Erwachsenen nicht nur die Erzählungen der Gebrüder Grimm in neuer Form präsentiert werden

Von Christina Prasuhn

Das habe ich mir als Kind schon gewünscht!" Mario Eick, Gründer und Leiter des "Theaters für die Jugend" in Burghausen, gerät ins Schwärmen, erzählt er von seinem neuen Projekt. Am 22. August eröffnet die "Burghauser Märchenalm - der zauberhafte Vergnügungspark für die ganze Familie" auf dem Gelände des Hotels Bayerische Alm in Burghausen. Nicht nur ein Spielort für das Kinder- und Jugendtheater, sondern ein Märchenland für die ganze Familie - eine Mischung aus Jahrmarkt, Kunstobjekt und Installation. Das historische Salettl wurde vollständig umgebaut und heißt nun "Grimms Märchenbühne"; bei schönem Wetter werden die Produktionen des kleinen Theaters für 70 Zuschauer auf der Freilichtbühne "1000 und 1 Nacht" gezeigt.

Auf dem weitflächigen Areal des ehemaligen Kräutergartens befindet sich "Andersens Märchenpark", ein Labyrinth-Garten mit Märchenwald, Hexenturm und einer Büchergrotte, in der sich die Besucher in Märchenerzähler verwandeln können. Außerdem können die Kinder in einem interaktiven Stationen-Theater mit dem Titel "Die fantastischen Abenteuer der Gebrüder Grimm" Prüfungen bestehen, Rätsel lösen und ihren Mut beweisen, um am Ende in einen geheimen Märchenorden aufgenommen zu werden.

An Wochenenden und Feiertagen werden Märchen aus aller Welt in ständig wechselnden Programmen gezeigt. Bereits der Beginn mit sechs Inszenierungen für je zwei Schauspieler ist für Mario Eick eine "logistische Hammerleistung"; das Ensemble besteht aus 20 freiberuflichen Schauspielern, und alle Rollen sind doppelt besetzt. Neben vielen Kollegen aus der Region, die er noch aus seiner Zeit als Intendant am Theater an der Rott kennt, hat Eick auch einige junge Akademie-Absolventen engagiert. Er selbst tritt in zwei Inszenierungen auf: in den "Bremer Stadtmusikanten" als Esel und in "Rotkäppchen" in einer Doppelrolle als Wolf und Rotkäppchens Mutter - letztere mit Mundschutz, damit man seinen Bart nicht sehen kann. Die Erklärung ist einfach: Rotkäppchens Mutter hat eine Angststörung.

Nur eine von vielen Ergänzungen und Anpassungen an die heutige Zeit, um den Zuschauern mehr mitzugeben als den Kern der Märchen, der leicht auch in fünf Minuten erzählt werden könnte. Da die Vorstellungen circa 50 Minuten dauern, bleibt genügend Zeit für eine genaue Ausleuchtung der Geschichten und die Entwicklung der Charaktere. Das zentrale Thema in "Rotkäppchen" ist Freiheit: Nachdem die intellektuelle und ziemlich dominante Großmutter den Wolf zunächst zum Vegetarier gemacht hat, läuft er Amok, wird später rehabilitiert und zur Anpassung gezwungen, bis er schließlich erkennt, dass man für die Freiheit nie zu alt ist. Lieber will er anders sein und in den Wald zurückkehren, als sich weiterhin zu langweilen.

Im Gegensatz zur Inszenierung von "Rotkäppchen" als absurde Komödie handelt es sich bei den "Bremer Stadtmusikanten" um Volkstheater für Kinder; einige Tiere werden nicht von professionellen Schauspielern, sondern von Kindern gespielt. "Rumpelstilzchen" wird zum Entwicklungsmärchen mit feministischer Botschaft und zeigt eine starke Frauenfigur, die sich gegen alle Männer behauptet. Bei "Hans im Glück" sind Parallelen zu Becketts "Warten auf Godot" erkennbar, aber es geht nicht nur um absurdes Theater, sondern auch um die Feststellung, dass Erfolg um jeden Preis nicht das einzige Ziel sein kann. Als besonderes Highlight nur für erwachsene Zuschauer wird in Spätvorstellungen um 22 Uhr "Der Wolf und die 7 Geißlein feat. ,Shining' von Stephen King" gezeigt, ein klaustrophobisches Horrormärchen über eine undefinierbare Bedrohung von außen, die nur das von Visionen heimgesuchte jüngste Geißlein abwenden könnte. Alle zwei Monate soll zur dynamischen Erweiterung des Programms ein neues Märchen hinzukommen; gespielt wird das ganze Jahr, Winter wie Sommer.

Die Idee zur "Burghauser Märchenalm" haben Mario Eick und Simone Sommer, die für die Ausstattung verantwortlich ist, gemeinsam entwickelt; beide arbeiten seit 2009 zusammen. Seit dem erfolgreichen Projekt "Der geheimnisvolle Adventskalender" mit 24 verschiedenen Märchen im Dezember 2014 weiß Mario Eick, dass die Märchen-Inszenierungen nicht nur Kindern und Eltern, sondern auch Erwachsenen ohne Kinder gefallen. Das Familientheater soll für alle Zuschauer funktionieren und Schwellenängste überwinden. Die Familienkarte kostet 28 Euro, der Eintritt für das Stationentheater 4,50 Euro. Im "verzauberten Bier- und Limonaden Garten" schenken die Schauspieler Getränke aus und stellen sich dann auch der Wahl zum Mitarbeiter des Monats. Bereits am Mittwoch, 19. August, findet um 17 Uhr eine große Eröffnungsparade vom Stadtplatz zur Alm statt; die einzelnen Märchen werden von den Schauspielern als "lebendes Bildertheater" vorgestellt.

Burghauser Märchenalm, Robert-Koch-Straße 211, 84489 Burghausen, 08678-237013, Samstag, 22. August, 14 Uhr, Wochenenden und Feiertage, 11-19 Uhr