Die Sorge um die "Reinheit" einer Sprache ist Teil einer viel komplexeren Sorge um die Sprache. Das kann man beispielhaft an der klassischen Quelle des Purismus, an den Gründungsdokumenten der französischen Akademie von 1635, zeigen. Die "Reinigung" der französischen Sprache ist ausdrücklich eine ihrer Aufgabe: "la rendre pure".
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Der Purismus der französischen Akademie richtet sich aber nicht gegen ausländische Wörter. Der "Schmutz", von dem die Sprache gereinigt werden sollte - tatsächlich wird von "ordures", "Müll", in diesem Zusammenhang gesprochen -, findet sich im Inneren der Sprache und meint Niedriges, Dialektales und allzu spezielle Fachwörter im Französischen selbst. Gerade die Letzteren benutzt im Französischen übrigens der "pédant", der Spezialist, der Fachidiot. Der Purist ist also gerade kein Pedant, was immer die Weimarer Klassiker auch meinten.
Reizvolle Unterschiede
Hinter dem Reinigungsmotiv steht nicht Fremdenhass oder Rassismus, sondern der Wunsch nach Heilung eines inneren Übels: Das Bedürfnis nach Reinheit (und Ordnung) der kultivierten Sprache erwächst nämlich aus der Erfahrung des Bürgerkriegs, des französischen Religionskriegs, den man sich genauso scheußlich vorstellen darf wie den deutschen Dreißigjährigen Krieg danach oder Darfur und Kongo heute.
Vor dem Bürgerkrieg war das Französische sozusagen eine permissive Sprache gewesen. Es war offen für Entlehnungen, vor allem aus dem Lateinischen und Griechischen, man freute sich ihrer dialektalen Vielfalt, und auch die sozialen und stilistischen Unterschiede waren reizvoll und wurden literarisch genutzt.
Nun wurde diese Offenheit und innere Verschiedenheit, diese Komplexität der Sprache, gleichsam in Schuldhaft genommen für das Chaos des Bürgerkriegs: Man hatte einfach genug von Diversität, Komplexität, Dissonanz, man sehnte sich nach Einheit, Ordnung, Einfachheit. Es gab einen Wunsch nach Zähmung der Wildheit und der Passionen - eine Bewegung, die stark von Frauen getragen wurde, gleichsam als Gegenbewegung gegen die wilden Kerle, die das Land - und die Sprache - mit ihren unkontrollierten Leidenschaften in den Krieg, in das Blut der Bartholomäusnacht, in den Dreck getrieben hatten. Lasst uns eine aus einem einzigen geographischen und sozialen Ort hervorgehende vorbildliche Sprache schaffen!
Die Sprache der vornehmen Frauen
Die "reine" Sprache war der sogenannte "bon usage", der "gute Sprachgebrauch", den der Akademie-Grammatiker Vaugelas im "besten Teiles des Hofes" fand, in letzter Instanz war sie die gesprochene Sprache der vornehmen Frauen. Die Reinheit ermöglichte "noblesse et élégance" der Sprache. Sprachlicher Purismus ist also primär ein Ringen um Distinktion in einer hyperkomplexen, "schmutzigen" Welt.
Wenn man sich diesen politischen und kulturellen Leidenshintergrund hinter dem Purismus verdeutlicht, so sieht man, dass sich das puristische Motiv an ganz unvermuteter Stelle wiederfindet: Auch die Flucht der Deutschen aus dem Deutschen nach dem Dreißigjährigen Krieg und die Flucht der Deutschen aus dem Deutschen nach dem letzten Krieg verdanken sich nämlich diesem puristischen Motiv: Weg vom Dreck des Krieges, weg von den Gräueln der Nazizeit.
Der Umzug der deutschen Aristokratie ins Französische im 17./18. Jahrhundert wie auch der Umzug der Eliten ins Englische heute sind einem radikalen sprachlichen Purismus geschuldet, der sich von dem ganzen deutschen Müll befreien will. Insofern sollten die anglophonen Deutschen nicht von allzu hohen politischen Rössern herab gegen die Puristen wettern, die keine englischen Wörter mögen. Die radikaleren Puristen sind sie: Sie reinigen die Sprache nicht nur von ein paar "schmutzigen" Wörtern, sondern sie beseitigen gleich den Dreck einer ganzen schmutzigen Sprache. La rendre pure!
Der Autor ist emeritierter Professor für romanische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin.
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(SZ vom 23.09.2009/rus)
DFB-Torhüter ter Stegen
Es ist normal, dass sich in einer multikulturellen Gesellschaft auch die Sprachen vermischen.
Es ist trotzdem jedes Mal ein Brüller, wenn sich meine Landsleute(Griechen/Türken) in einer Mischsprache unterhalten. 'Blabla Butter blabla kaputt blala um die Ecke blabla vertehst blabla...'
Peinlich wird es erst, wenn man merkt, dass die Leute in der Heimat nicht über einen deutschen Wortschatz verfügen. Dann wird man sehr schnell zum 'Dummdeutschen' (gr.Lasojermanosr=In Deutschland lebender Grieche) abgestempelt.
Genau so empfinde Ich Leute die nur noch mit Fremdwörtern um sich schmeissen ... ;o))
Das ist der psychologische Aspekt.
Triebfeder der Amerikanisierung unserer Sprache und unseres ganzen Lebens (!) ist nicht "Kreativität" (auch das ist ein ursprünglich lateinisches Wort, das aber erst über das amerikanische "creativity" ins Deutsche gekommen ist), sondern es sind Minderwertigkeitsgefühle.
Warum wird denn die deutsche Sprache nicht im gleichen Maße wie durch amerikanische Begriffe auch durch ungarische, türkische, chinesische, schwedische usw. Begriffe "kreativ bereichert"?
Und gibt es nicht viele Millionen Deutsche, die eine panische (und geschürte) Angst vor Überfremdung haben?
Nur eben nicht vor der Überfremdung durch die US-Amerikaner. Wieso?
Der Grund ist ganz einfach - und sehr peinlich:
Deutsche (und andere) benutzen dauernd Amerikanismen, weil sie sich dadurch aufwerten wollen. Weil sie tiefsitzende Minderwertigkeitsgefühle haben und deswegen dauernd angeben wollen. Und weil sie glauben, mit der deutschen Sprache nicht genug angeben zu können.
Sie versuchen, sich "Größe" auszuleihen von den "groß-artigen" US-Amerikanern, und merken nicht, wie lächerlich sie sich dadurch machen.
Und sie merken auch nicht, dass die US-Amerikaner eben nur "groß-artig" sind und überhaupt nicht "groß", diese sind die Weltmeister im Angeben, und sonst nichts!
Alles in der Muttersprache ausdrücken zu können, bekundet höchste Geistes- und Seelenbildung.
Noch Fragen, Trabi?
" sookrates: Ein wichtiger Aspekt wird bei diesem Thema immer unterschlagen!
Das ist der psychologische Aspekt. "
Kappes.
Engisch hat eine große Sprachverwandtschaft zu deutsch. Im Gegensatz zu chinesisch oder Türkisch.
Es ergibt sich einfach häufiger, dass man englische Begriffe verwendet, weil uns die USA auch kulturell näher sind als China.
Ausserdem ist Englishc seiner Einfachheit wegen auch weiter verbreitet.
Viele der Lebensstile, die wir hier haben, haben einen amerikanischen Ursprung. Musikrichtungen, Friedensbewegung, Hippy, Punk, Pop, Hardcore, was auch immer, die USA und England waren dran beteiligt.
Dort, wo Asien wegweisend war, Tai Chi, Medizin und Philosophie haben wir dann auch Begriffe übernommen.
Türkisch wird nie ne Chance bekommen, weil es sich einfach fürchterlich anhört. Und mir reicht das Getthokidsdeutsch mit türkischem Akzent (ich würde den richtigen Namen sagen, weiß aber, dass der Begriff hier aus Unwissenheit der Moderatoren sofort gelöscht wird) schon vollkommen aus.
Das hat nichts mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun.
Dadurch, dass die USA in den letzten Jahrzehnten führend waren in den Wissenschaften und viele Referenzzeitschriften in Englisch publiziert wurden, verstärkte sich das noch.
Aus Spielen oder Tätigkeiten amerikanischen Ursprungs kennt man es ja auch.
Pokern oder Basketball sind nunmal Dinge, die Unmengen an englischen Begriffen haben, genauso, wie Skat deutsche hat. Es sind halt Fachbegriffe und müssen nicht übersetzt werden.
Ich finde es okay, dass sich Sprachen generell mischen, solange sie reich bleiben.
Wenn hier irgendwelche BWLer vollkommen überkanditelt für fast alles Anglizismen verwenden, oder, weil sie denken, es würde sich vornehm anhören, alles Francophil betonen, kann ich es nicht mehr ernstnehmen, genau so wenig wie das Ghettokid mit K.deutsch.
... dann behalten Sie es doch bitte für sich ;-)
Um es mal grob verkürzt vom Kopf auf die Füße zu stellen: Bis 1066 wurden auf der Insel diverse westgermanischstämmige Altenglisch-Versionen gesprochen und geschrieben. Die "Romanisierung" der englsichen Sprache ist das Resultat der normannischen (frankophonen) Eroberung, indem sich das Idiom der neuen Herrscherklasse (Französisch) mit dem der Beherrschten (germansisches Altenglisch) vermischte.
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