Visualisierung von Musik 1385 Musikgenres auf einer Landkarte

Auf der Musikkarte "Every Noise at Once": Wo der "gospel" ist, ist auch der "psychobilly" nicht fern.

(Foto: Screenshot everynoise.com)

Das Feld der Popmusik ist groß. Ein Big-Data-Experte arbeitet deshalb an einer Landkarte der Musikgenres. Bis jetzt hat er 1385 Stile gefunden.

Von Franziska Schwarz

Wer alle Begriffe auf dieser Karte kennt, spricht wohl eine eigene Sprache, das "Musik-isch": Das Projekt "Every Noise At Once" will alle bekannten Musikgenres der Welt zueinander in Beziehung setzen. Die interaktive Karte ist 2013 entstanden und inzwischen enorm gewachsen - 1385 Musikgenres sind es aktuell.

Zur Orientierung: Im Norden liegen die eher elektronischen Sounds , je weiter südlich man kommt, desto akustischer wird es. Im Westen finden sich eher gediegene, dichte und im Osten beschwingtere Stücke.

Zu allen Genres wie etwa "happy hardcore" oder "classical guitar" gibt es Soundbeispiele und eine Spotify-Playlist mit typischen Vertretern. Wem dieses Dickicht zu unübersichtlich ist, der kann auf die Listenansicht umschalten und sich durch Unter-Genres klicken.

Hinter "Every Noise at Once" steht Glenn McDonald von "The Echo Nest". Die US-Firma wertet Big Data zu Musik aus und empfiehlt dann ähnliche Tracks; im Jahr 2014 wurde sie von dem Musikstreaming-Dienst Spotify aufgekauft.

McDonald ist nicht der erste, der Landkarten des Pop erstellt. Aber so umfangreich wie seine sind die wenigsten dieser Kartografien. Auf Reddit zeigen sich Nutzer von der Karte begeistert, auch wenn die ein perfekter Zeitfresser ist: "Fuck, sogar Kehlkopfgesang ist vertreten", postet einer.

McDonald selbst bittet inzwischen um Mithilfe, schließlich steht seine Karte in Konkurrenz zu anderen Plänen mit potenten Hinterleuten. Die Musikversion des U-Bahnplans von London (hier als Pdf) beruht beispielsweise auf einer Idee des Guardian: Die Stationen sind nach Musikern benannt, und jede U-Bahnlinie steht für ein Genre. Und die "City of Pop" (hier als Pdf) des BR-Magazins "Zündfunk" ist eine fiktive Stadt, in der Straßen und Plätze nach Musikern und Genres benannt sind.

Spotify bietet seit dem Sommer hingegen die digitale "Musical Map: Cities of the World" an. Der Streaming-Dienst analysiert regelmäßig, welche Tracks in bestimmten Städten gerade besonders beliebt sind.

Die "Tourist Map of Music" hat eine optische Ähnlichkeit mit "Every Noise at Once". Doch das Prinzip ist ein anderes: Hier lassen sich neben Musikstilen auch einzelne Künstler suchen. Wer "Stevie Winwood" eintippt, erhält eine Karte mit dem Namen des britischen Multiinstrumentalisten in der Mitte. Ähnliche Interpreten wie Joe Walsh liegen dann nah, zu andersklingenden Musikern wie etwa den "Chemical Brothers" ist es eine weitere Strecke. Als Orientierung für den, der sich auf die Reise machen will.

Die animierte Karte "how music travels" stellt wiederum einen Bezug zwischen Tanzmusik, Zeit und geographischer Region her. Sie veranschaulicht, wo ein bestimmter Stil von 1800 an entstand, und wo er in den vergangenen 200 Jahren übernommen wurde.

Die Einsatzmöglichkeiten von Musikkarten sind also vielfältig. Ihr Charme liegt darin, dass jeder noch so verschrobene Musikfreak mitdebattieren kann.

Klar, es gibt um "Every Noise At Once" auch Streit, so mancher sieht den ein oder anderen Musikstil in der falschen Rubrik verortet. Glenn McDonald sieht das nicht so eng. Auf Reddit postete er: "Ich bin großzügig, wenn es darum geht, was ein Genre ausmacht: regionale Szenen, bestimmte geschichtliche Abschnitte, politische Bewegungen, was auch immer." Und: "Neo-Metal ist definitiv ein französisches Genre."