Der Akzent auf politische Positionen, der sich im vergangenen Jahr in der Auswahl der Preisträger noch feststellen ließ, ist diesmal der einzigen echten Attacke gewichen, die auf einen Beauty-Contest möglich ist: die brutal ausgestellte Hässlichkeit.

Jonas Ungers Nahaufnahmen von Gérard Derpardieu in seiner Küche, die das Zeit-Magazin veröffentlichte, sind von einer solch grotesken Wurstigkeit gegenüber jedem guten Geschmack, dass sie als einziges aufregendes Bildzeugnis in dieser Auswahl gelten können. Und dass ausgerechnet diese Fresse es bei allen Publikationen des Lead-Awards auf die Vorderseite geschafft hat, mag auf ein stilles Wissen der deutschen Blattmacher hindeuten, dass der Zeitungskrieg um die Leser mit den zahllosen Waffen des guten Geschmacks alleine nicht zu gewinnen ist.

17. Juni 2011, 13:592011-06-17 13:59:11 © SZ vom 17.6.2011/pak