Seinen Namen machte sich Maymann durch einen von Saatchi & Saatchi produzierten Spot für eine Surfmarke: Jugendliche werfen Dynamit in einen Fluss und surfen dann auf der Flutwelle. Der Clip wurde zunächst auf Extremsport- und Surfseiten gesät, um den harten Kern der Szene zu begeistern, bevor man den Zuschauerkreis in den Mainstream ausdehnte: Wer wann über was redet, wird von GoViral genau gesteuert. Im April 2007 war der Clip bereits über zehn Millionen Mal angeschaut worden, und auch außerhalb der Surfszene wurde diskutiert, ob Dynamitsurfen möglich sei.
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Dieses Video hat das virale Marketing verändert, wie "Der Weiße Hai" als erster Blockbuster das Kino veränderte. Denn seitdem wünschen sich alle Firmen solch einen viralen Erfolg, wissen meist aber nicht, dass dafür umfassende Maßnahmen notwendig sind. Das Management von T-Mobile, so Henning Patzner, habe noch vor kurzem geglaubt, es genüge, einfach ein Video ins Netz zu stellen. "Früher passierte viel von selbst, als Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt Maymann. Heute müsse man mit einer relevanten Botschaft in den Kern der Communitys vordringen, weil dort der Austausch über Themen intensiver sei, als wenn sich die Menschen nur lustige Clips weiterleiteten. Das ist die Lehre aus seinen Dynamitsurfern: Wenn man innerhalb einer Interessengemeinschaft maximale Aufmerksamkeit erzeuge, springe das Thema auf die Gesamtgesellschaft über. "Creating the momentum", nennt Maymann das und spricht den eigentlich recht lapidaren Slogan langsam und deutlich wie eine Zauberformel aus.
Werber betrachten Virals momentan als Königsdisziplin, weil die Konsumenten das Werk freiwillig anschauen, und es nur bei Gefallen weiterleiten. "Manchmal ist das virale Potential so hoch, dass es nur eines Seeding-Schubsers bedarf, um den Clip erfolgreich zu machen", sagt Christian Wilfer von der Agentur Dialog Solutions in Hamburg. Mit Beträgen zwischen 10.000 und 30.000 Euro ließen sich erfolgreiche Clips lancieren. Die strategische Platzierung auf Sites stehe im Einklang mit der sozialen Struktur des Netzes. Denn eine ernstzunehmende Empfehlung zähle mehr als die massive Präsenz auf Seiten wie T-Online.de oder Bild.de. Die Millionengarantie von GoViral ist in Wilfers Augen "unseriös".
Der amerikanische Viral-Spin-Doctor Dan Ackerman Greenberg sorgte mit einem Beitrag im Blog Techcrunch.com für Aufsehen. Unter dem provokanten Motto "Content is NOT king" beschreibt er, wie er für jedes Video 100.000 YouTube-Views generieren könne. Er erklärt genau, wie er die miesesten Filmchen in die Charts beförderte, indem er sie als Spam-Mail an unzählige Adressen schickte, Fake-Diskussionen in Foren auslöste, das Video in den Kommentarfeldern von MySpace-Seiten unterbrachte und es mit "Freunden" bei Facebook teilte.
Er empfiehlt, in den Kommentarfeldern unter Videos "erhitzt mit sich selbst zu diskutieren", und die jedem Clip zugeordneten Suchbegriffe so zu manipulieren, dass die eigenen Videos zunächst gegenseitig auf sich verweisen und später bei Google gefunden werden. "Die Wildwest-Tage von Lonely Girl sind vorbei", schreibt Ackerman Greenberg in Anspielung auf einen frühen YouTube-Star: "Heute wirkliche Viralität zu erreichen, erfordert Kreativität, etwas Glück und eine Menge harte Arbeit."
Luft! Keimfreie Luft!
Christian Wilfer plädiert auch bei Werbung für eine faire und transparente Netzkultur. In Großbritannien sind Virals, die ihre Werbebotschaft verschleiern, seit diesem Monat illegal. Dadurch sollen Konsumenten vor dem Irrtum geschützt werden, sie hätten eine Empfehlung von einem ganz normalen Community-Mitglied erhalten, während sie mit einem getarnten Werber kommunizierten. Jetzt macht sich jeder Blogger strafbar, der wissentlich Virals auf seine Seite stellt, ohne sie als Werbung zu kennzeichnen. Das Einschreiten des Staates belegt den Niedergang einer Form: Weil uns immer mehr Firmen mit Virals bombardieren, gerät die charmante Tarnung zum industrialisierten Kniff und die Frage nach dem Fake-Charakter des Gezeigten zum ermüdenden Effekt.
Ob der Basketballstar Kobe Bryant in ganz tollen Turnschuhen über ein Auto springt, der "Einkaufswagen-Flüsterer" in der Supermarkt-Parkplatz-Prärie unterwegs ist oder ein Videoblogger begeistert Weingummi verdrückt: Man fühlt sich, wenn man bei YouTube nach dem guten Geist der Clip-Kultur stöbert, inmitten des viralen Werbespams bisweilen wie in einem U-Bahn-Waggon während einer Grippewelle: Alle niesen, und man schnappt nach keimfreier Luft.
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ARD-Doku über Facebook
der "viralexperte" henning patzner hat noch vor einem jahr genauso gedacht wie das management von t-mobile und einen "viralfilm" einfach mal so in's internet gestellt.
leider hat das nicht so gut funktioniert. dummerweise war der spot auch wirklich langweilig:
http://www.youtube.com/watch?v=DPo6BDwpCOI
Mein bescheidener Beitrag ... :-) Ein weiteren Beispiel für gute Virale Kampagne ist, wenn ich richtig verstanden was virales ist, die Kampagne Aladygma. Ich verfolge es seit März, ist unglaublich. Über Aladygma sind auf youtube einige Videos erschienen aber sie scheinen alle von "fans" von Aladygma Website zu sein und nicht von Aladygma selbst oder irgendeine Agentur. Wobei man nicht genau weisst wer wie was macht. Wer auch immer dahinter steckt, wirklich genial gedacht, hier fühlen sich die User angesprochen die eigene kreativität einzusetzen. Ich selber hab noch nicht ganz verstanden ob das ein Spiel ist oder eine Virale Kampagne für einen Film oder sonst noch was...ich warte gespannt auf neue Indizien :-)
Als erstes muss ich mich outen: Mit moviebakery betreiben wir unsere eigene Viral Web Video Produktions- und Verteilungs Plattform. Transparenz ist für uns sehr wichtig - daher noch ein paar weitere Anmerkungen zu dem Thema:
Unsere Videos auf sind alle in mit Schlüsselwörtern gekennzeichnet die klar machen, dass es sich um ein Kommerzielles Video handelt das auf unserer Plattform produziert wurde.
Wenn man darauf setzt, die Betrachter in die Irre zu führen hat man ziemlich das Gegenteil von dem erreicht was eigentlich optimal wäre: Das sich jemand ein Video anschaut, es unterhaltsam findet und noch eine positive Verbindung zum Werbetreibendem hergestellt wird. Das klingt nicht einfach und ist es auch nicht.
Wir erarbeiten für jeden Kunden ein eigenes Distributionskonzept. Am Ende geht es um recht einfache Mathematik: Macht sich der Aufwand bezahlt?
Die Beispiele im Artikel von GoViral sprengen in der Regel die meisten Online Marketing Budgets. 30 Cent pro Video Betrachtung zu bezahlen erscheint uns unangemessen hoch.
Reine Betrachterzahlen lassen sich von bösen Fingern leider recht leicht manipulieren. Ich denke, das der Trend in Zukunft viel eher zu einem Cost-per-Action modell gehen wird: Wie viele neues Geschaeft lässt sich mit einem Viral Video generieren?
Dabei muss man oft ein wenig um die Ecke denken, denn ein Viral Video kann seine Betrachter nicht einfach dumpf anbrüllen oder in die Irre führen.
Wie kriegt man das am besten hin? Man muss sich schon etwas ausdenken, was für den Betrachter relevant ist. Zum Beispiel könnte ein Autohersteller heute auf der Grünen Welle schwimmen und schon mal Interessenten einsammeln die über zukünftige Modelle informiert werden möchten. Wenn man das richtig hinbekommt, kann man sich den Service von GoViral im Grunde auch sparen.
Das ist in meinen Augen eher eine Erfolgsabsicherung für die Marketing Abteilung. Die können dann nämlich ein paar Statistiken hervorkramen falls der Chef ankommt. Das beweist aber noch lange nicht das Sie in den Köpfen der Konsumenten angekommen sind.
Generell betrachte ich Viral Videos als seine weitere Stufe dem Konsumenten mehr Kontrolle zu überreichen. Das ist für viele Marken noch ein Lernprozess der radikales Umdenken erfordert. Wenn sich die Erfolgserlebnisse einsetzen - und das kann dauern - ist man allerdings wirklich im Internet angekommen;-)
Also 100.000 Views zu generieren ist fuer jedes Video Möglich :-) Es ist sogar möglich 1.000.000 Views zu generieren man muss nur die gesetze des Netzes kennen :-)
Christian Wilfer plädiert für eine faire und transparente Netzkultur
Das wird wohl eine Hoffnung bleiben. Gerade im Hinblick auf Werbung herrscht häufig keine Transparenz. Und das betrifft nicht nur das Internet. Auch im Printbereich gibt es oft keine klare Grenzziehung zwischen Journalismus, PR und Werbung: PR- Beiträge erscheinen im journalistischen Layout oder Anzeigen sind nicht als solche gekennzeichnet, obwohl sie nicht auf den ersten Blick als Werbung identifiziert werden können.
Das Grundproblem liegt wohl darin, dass man in der heutigen Zeit (auch aus rechtlicher Sicht) von einem aufgeklärten, durchschnittlich informierten und verständigen Verbraucher ausgeht. Dabei wird vergessen, dass man den Verbraucher auch erst einmal aufklären und informieren muss. Besonders Jugendlichen fehlt hier unter Umständen die Erfahrung.
Die Hauptnutzer von YouTube sind zwischen 12 und 17 Jahre alt und sicher nicht immer in der Lage, Werbung als solche zu identifizieren. Auch in den Communitiys, die angeblich fruchtbaren Boden für die Virals bieten, bewegen sich vorwiegend junge Leute.
Ein Verbot wie in Großbritannien halte ich dennoch für sinnfrei, denn das Internet zeichnet sich ja dadurch aus, dass es nur schwer zu kontrollieren ist.
Vielmehr sollte man den Verbraucher über die Methoden informieren und ihm Medienkompetenzen vermitteln.
Im übrigen erscheint es mir unplausibel, wenn Herr Ackermann Greenberg behauptet, er könne für jedes Video unabhängig vom Inhalt 100 000 YouTube- Views generieren.
Bei 65 000 neuen Videos pro Tag und ca. 100 Mio. Klicks erscheint mir das doch unwahrscheinlich. Viele Clips gehen einfach in der Masse unter. Auch über die Communitiys kann dem User nicht jedes Video schmackhaft gemacht werden. Denn über schlecht gemachte Clips diskutiert dort kaum jemand.
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