Vincent Van Gogh Das letzte Werk

Sein Weizenfeld unter tiefblauem Himmel, gemalt im Juli 1890, gilt als das letzte Bild, das Vincent van Gogh malte. Im November wird es in New York versteigert.

Von Stefan Koldehoff

Es ist bis heute ein ungelöstes Rätsel, welches das letzte Bild war, das Vincent van Gogh im Juli 1890 malte, bevor er sich eine Kugel in den Leib schoss, an der er zwei Tage später starb. Die Frage wird wohl nie geklärt werden.

Eine Frage, die die Wissenschaft beschäftigt: An welchem Bild arbeitete Vincent van Gogh, als er sich umbrachte?

(Foto: Foto: Reuters)

Seit jedoch der Romancier Irving Stone und der Hollywood-Regisseur Vicente Minelli den tödlichen Revolverschuss mitten in ein scheinbar unendlich wogendes Kornfeld verlegten, gilt jenes Gemälde als sein letztes, das ebendieses Kornfeld wiedergeben soll. Verschiedene Interpreten glaubten sogar, in der Formation der darüber auffliegenden Krähen die Initialen "VvG" erkennen zu können.

Tatsächlich gibt es deutlich geeignetere Kandidaten, die den Rang des letzten Gemäldes beanspruchen könnten: die Darstellung eines Unterholzes, zwei Ansichten der Ebene von Auvers, ein Bild mit strohgedeckten Häusern - und die Darstellung eines Weizenfeldes unter tiefblauem Himmel.

Am 7. November wird Sotheby's das exzellent erhaltene Ölbild, das sich seit Jahrzehnten im Besitz derselben Zürcher Familie befindet, als Höhepunkt seiner New Yorker Impressionisten-Auktion versteigern. Den Schätzpreis gibt das Unternehmen mit 28 bis 35 Millionen Dollar an.

Im Zustand innerer Unruhe

Tatsächlich dürfte der Zuschlag deutlich höher liegen: Ein van Gogh dieser außerordentlichen Qualität ist seit der Auktion des "Portrait des Dr. Gachet" im Mai 1990 nicht mehr angeboten worden und kaum mehr in Privatbesitz zu finden.

Das menschenleere Bild "Die Felder" entstand im Juli 1890 in Auvers-sur- Oise, wo van Gogh nach seinem Aufenthalt in einer Heilanstalt in Südfrankreich Heilung von seinen Unruhezuständen zu finden hoffte. Nach dem Tod des Malers hing das niemals gefirnisste, 50 mal 65 Zentimeter große Bild in der kleinen Gedenkausstellung, die dessen Freunde in seinem Sterbezimmer arrangiert hatten.

Der Van-Gogh-Familie war das Bild so teuer, dass sie sich erst 1907 entschloss, es über die legendäre Berliner Galerie Paul Cassirer zu verkaufen. Es fand in die Sammlungen des Inhabers des Berliner Modehauses Gerson, Hermann Freudenberg, in jene des Gubener Hutfabrikanten Alexander Lewin, dessen Tochter das Bild nach Amerika retten und schließlich an den Industriellen und Sammler Alfred Hausammann aus Pfäffikon weitergeben konnte.

In den vergangenen Jahren vermittelte der Zürcher Kunsthändler Walter Feilchenfeldt das Gemälde als Leihgabe ans Van-Gogh-Museum in Amsterdam. Dort hingen die "Felder" Seite an Seite mit jenem "Kornfeld mit Raben", in dem die Legende lange Zeit van Goghs letzte Schöpfung hat sehen wollen.