Unser Deutschunterricht mag für künftige Lehrer perfekt sein - für alle anderen, die etwas zu sagen haben, ist er ein Desaster.
Wörter zum Küssen: Die Schüler sollen ihr "Bedingungsgefüge überprüfen" und "Textkohärenz erfahren" - das Deutsch von Unterrichts-Linien ist unsäglich aufgeblasen. Als ob man nicht mit perfekter Grammatik die scheußlichsten Sätze produzieren könnte. Wolf Schneider hat Beispiele aus Unterricht und Medien parat.
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Der Video-Sprachblog, Teil 2:
Wie muss man schreiben, damit man gelesen wird? Das weiß unser Videokolumnist Wolf Schneider und lehrt es an fünf Journalistenschulen sowie in Seminaren für Öffentlichkeitsarbeiter und Werbetexter.
Schneider war Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Washington, Verlagsleiter des Sterns, Chefredakteur der Welt und Moderator der "NDR Talk Show". Er ist Träger des Medienpreises für Sprachkultur und Honorar-Professor der Universität Salzburg. Schneider hat 28 Sachbücher geschrieben, darunter "Der Mensch - eine Karriere", und den Bestseller "Speak German! Warum Deutsch manchmal besser ist".
Seit Mai 2009 meldet sich Sprachpapst Wolf Schneider auf sueddeutsche.de regelmäßig zu Themen der deutschen Sprache zu Wort - in seiner monatlichen Videokolumne mit dem Titel "Speak Schneider!". In kurzen Videoblogs widmet sich der bekannte Publizist stets einer Gruppe. In der ersten Folge waren es die Feministinnen, nun sind die Deutschlehrer dran.
Idee/Redaktion: Nicolas Büchse, Christian Fuchs, Heike Kottmann Schnitt: Marcel Kammermayer
Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/rus)
Griechenland in der Schuldenkrise
Sehr geehrter Herr Schneider,
Ihre launige und gespreizte Kulturkritik in Ehren, ein Dilemma jedoch damit zu begründen, ein Beispiel eines (von Ihnen?) ausgebildeten Zeitungsjournalisten vorzulesen - und eben nicht das eines Abiturienten - ist absurd.
Einen Untersuchungsgegenstand mit spitzen Fingern anzufassen, führt dann doch leider zu falschen Ergebnissen. Übrigens findet im Unterricht durchaus auch eine kritische Auseinandersetzung mit Brechts Werken statt, nicht nur eine formale Bewunderung, die sich, nun ja, in der Bewunderung erschöpft.
S. Klose, Hannover
Lieber Herr Schneider,
Ihr Beitrag spricht ein durchaus diffiziles Problem an: Viele Schüler haben auch noch im Abitur größte Schwierigkeiten sich in gutem Deutsch auszudrücken. Die Gründe dafür sind in Ihrem Beitrag jedoch irreführend dargestellt.
Erstens: Die Zitate, die Sie in ihrem Beitrag vorlesen, entstammen dem Lehrplan. Wie dieser sprachlich vom Kultusministerium formuliert ist, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass der Lehrplan für die Lehrer geschrieben ist! Also für Menschen, die fünf Jahre Germanistik studiert und sich in diesem Fachvokabular bewegt haben. Für den Lehrer sind diese Richtlinien demnach eine präzise Anweisung, WAS er im Unterricht zu behandeln hat. WIE er dies tut, also wie er diese Wörter zum Küssen für den Schüler übersetzt, stellt die Kernaufgabe des Lehrers dar: Er vermittelt zwischen Lehrplan und Schüler.
Zweitens tun Sie mit Ihren Anschuldigungen der modernen Lehrerausbildung an Seminarschulen schwer Unrecht. Ich bin selbst Referendarin an der Seminarschule eines Gymnasiums und muss die exzellente Arbeit meiner Seminarlehrer in Schutz nehmen: Den Schüler verständliches und flüssiges Deutsch beizubringen ist hier die oberste Maxime. Aus diesem Grund werden die angehenden Deutschlehrer intensiv darin geschult, wie sie dem Schüler zu einem guten Schreibstil verhelfen können.
Ich schätze Ihren Einsatz für die deutsche Sprache sehr. Aber pauschal alle Lehrer verantwortlich zu machen ist nicht fair, da Sie offenbar keinen Einblick in die moderne Lehrerausbildung haben und darüber hinaus die Funktion des Lehrplans missverständlich darstellen.
Wenn Sie wirklich ein Interesse an der Arbeit der Lehrer haben machen Sie sich die Mühe und besuchen Sie eine Seminarschule. Ich könnte mir vorstellen, Sie wären überrascht.
N. Brendel
Ach, Deutschunterricht ist schon ok. Bloß macht ja keine Schule Deutschunterricht, das sind fast alles verkappte Literaturvorlesungen von nicht-so-erfogreichen Germanisten die auf Lehramt ausgewichen sind. Sprachunterricht ist was anderes...
Ich habe den zitierten Satz über das Kommunikationsmodell von Shannon/Weaver schon verstanden. Weniger polemisch dafür aber wissenschaftlich präzise - das sollten Schüler auch verstehen können.
Aber nun gut. Die (Deutsch)lehrer sind doch eh immer die Dummen, oder?
Simon
Jawoll, immer schön drauf auf die Lehrer, die nicht schreiben können und die sich die im Videobeitrag zitierten Richtlinien übrigens nicht ausgedacht haben, sondern sie von gekrönten Häuptern vorgesetzt bekommen.
Wissen Sie, Herr Schneider, ich bin Lehrerin. Und ich beobachte bereits seit meiner eigenen Schulzeit die unverständliche Unsitte (oho... 2x "un-" ... schlechter Stil...), auf eine Berufsgruppe loszugehen, um die interessanterweise aber auch niemand herumkommt.
Mal sind wir zu faul, dann wieder können wir nicht schreiben.
Schade, dass eine Berufsgruppe, die sich nach wie vor redlich um Wissensvermittlung und Erziehung bemüht, nach wie vor ihre regelmäßigen Tritte in den Allerwertesten erhält.
Abgesehen davon: Wir sollen keine zukünftigen Deutschlehrer ausbilden, aber zukünftige Journalisten? Verstehe ich das richtig? Gymnasium / Oberstufe als Vorbereitungsdienst Journalismus? Hm.
Wie dem auch sei, ich bin inzwischen dazu übergegangen, lustige Aussagen über die Inkompetenz deutscher Lehrer mit der Frage zu quittieren: "Und von wem haben Sie gelernt, mehr als nur Ihren Vornamen zu schreiben?"
Es verbleibt
legasthenisch - von Berufswegen -
Ihre U. Schrelle
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