Versuch eines Telefoninterviews Nachts um halb drei mit J.Lo

Viele Aktivitäten abseits der Bühne: Jennifer Lopez im September 2015 bei einer Veranstaltung der United Nations Foundation in New York zum Thema Geschlechtergerechtigkeit.

(Foto: AP)

Wer ein Interview mit Jennifer Lopez führt, verliert schnell die Kontrolle. Wie die Diva für ihre neue DVD "Jennifer Lopez - Dance Again" wirbt.

Von Paul Katzenberger, Jerewan

Die Interviewanfrage kommt so plötzlich, dass sie mich auf Reisen erwischt: Jennifer Lopez sei kurzfristig zu sprechen, wird mir mitgeteilt. Und da sitze ich nun in Jerewan, Armenien, und frage mich: Wie entlocke ich dieser Frau ein paar neue Erkenntnisse - und das auch noch am Telefon?

Denn als Interviewpartnerin ist sie eine Herausforderung: J.Lo, wie sie auch in Armenien gerufen wird, ist ja nicht gerade als authentische Künstlerin bekannt. Sie ist vor allem eine perfekt durchkonzeptionierte Kunstfigur.

Sie kommt als Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin zwar auf Rekordgagen, doch ihre Filme werden von der Presse regelmäßig als kitschig verrissen. "Lopez überzeugt durch Zurückhaltung", hieß es in einer Rezension des Melodrams "Ein ungezähmtes Leben", in dem sie an der Seite von Robert Redford auftrat. Über ihre Musik, die meist aus einem Mix aus Pop, R&B und Hiphop besteht, schrieb die Welt einmal: "Ihre Alben klingen eigentlich immer gleich."

Darüber muss man sich mit ihr nicht mehr austauschen, das haben die Kollegen schon zur Genüge getan. Ebenso über den Umstand, dass kaum jemand auf der Welt künstlerische Mittelmäßigkeit mit Erfolg so sehr in einer Person vereinigt wie J.Lo. Dank ihrer körperlichen Attribute ("The Butt"), ihrer Disziplin und ihres stets strikten Kalküls hat sie es schon auf die Forbes-Liste der "100 mächtigsten Frauen der Welt" geschafft (2012) - mit einfachen aber gnadenlos effizienten Mitteln: industrieller Fließband-Latinopop gepaart mit oft tief ausgeschnittenen oder fast durchsichtige Bühnenoutfits.

Hinter dieser Fassade steht allerdings ein Geschäftsimperium: Jennifer Lopez ist ja auch Produzentin, Modedesignerin, Restaurantbetreiberin, Verkäuferin von Accessoires, Parfums und vielen Dingen mehr.

Neue DVD

Es ist also wohl eher so, dass hier in Jerewan eine knallharte Geschäftsfrau anklopft, die so tut als ob sie über ihre Kunst reden will: Es soll um ihre neue Doku "Jennifer Lopez - Dance Again" gehen, die vor wenigen Tagen auch in Deutschland auf den Markt kam. Das Versprechen lautet: "So privat hat man die Diva nie zuvor gesehen."

Das ist die Botschaft, die J.Lo rüberbringen will. Doch soll man sich da als kritischer Journalist einfach einspannen lassen?

Wohl nur dann, wenn der Film das Versprechen wenigstens ein bisschen halten würde. Doch das ist nur auf den ersten Blick der Fall, wie die Sichtung per Streaming in Jerewan ergibt. In der Doku, die während J.Los erster Welttournee im Jahr 2012 entstand, lässt sie den Zuschauer zwar scheinbar hinter die Kulissen blicken. Es kommen ihre engsten Vertrauten, ihre Eltern, ihre Geschwister und ihre Mitarbeiter zu Wort. Lopez gesteht zudem schmerzhafte Niederlagen ein - wie etwa die Trennung von Ex-Ehemann und Salsa-Sänger Marc Anthony. Doch das Kalkül des Films ist leicht zu entschlüsseln: viele Emotionen transportieren, aber wenige neue oder gar überraschende Fakten.

Jennifer Lopez mit ihrem damaligen Ehemann Marc Anthony im Jahr 2010 in Los Angeles.

(Foto: REUTERS)