Trotz einiger groß angekündigter Blockbuster geht die Zahl der Kinobesucher weiter zurück. Gleichzeitig steigt jedoch der Umsatz.
Mehr als vier Millionen Zuschauer hat der Kinofilm über die Simpsons (Foto: 20th Century Fox) bisher in die deutschen Filmtheater gelockt. Doch weder der Streifen über die unglaubliche Zeichentrickfamilie noch der fünfte Film über den Zauberschüler Harry Potter (6,6 Millionen Kinogänger) konnten den Besucherschwund aufhalten. Die Zahl der Kinogänger am Wochenende sei bis Mitte August um 1,67 Prozent auf 53,5 Millionen zurückgegangen, teilte der Verband der Filmverleiher mit. Parallel sei der Umsatz aber leicht gestiegen.
Trotz "Simpsons" und "Harry Potter": Die Filmtheater klagen über Besucherschwund. (© Foto: dpa)
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Die Diskrepanz zwischen weniger Besuchern und mehr Umsatz erklärte Verbandschef Thomas Negele damit, dass für viele Filme wegen Überlänge ein Aufpreis berechnet worden sei. Eine Kinokarte koste im Schnitt 5,90 Euro. Noch hat der Verband das Jahr aber nicht abgeschrieben. Michael Bully Herbigs Streifen "Lissi und der wilde Kaiser" und der in Cannes zweifach prämierte Film von Fatih Akin "Auf der anderen Seite" sollen die Besucher im Herbst in die Kinos locken.
(SZ vom 22.8.2007)
Partyzone Flußufer
Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen und besitze immer noch keinen.
Bislang war ich ein fleißiger Kinogänger.
Ob problematische Familien-Dramen aus Frankreich, tschetschenische Militärtragödien, Almodovar oder Transformers - ich ließ mich gerne unterhalten.
Daß mit dem neuen "Bourne"-Film allerdings schon die fünfte Trilogie in diesem Jahr (angeblich) beendet wird, ist weniger als kurios.
Ob Oger, Piraten, Spinnen oder Ganoven in Las Vegas, es ist einfach nur noch erbärmlich langweilend.
Und dann in einem Multiplex-Kino alleine für Tacos und Cola durchschnittlich 7 bezahlen, um dann in einem popcornverkrümelten Sitz eine halbe Stunde Werbung zu sehen?
Da treibt's mich dann doch lieber in die unterstützenswerten Programmkinos - oder in die Buchhandlung...
Sehe andere Gründe als oberflächliche . . . Was schon ist der Film, wenn er sich dem Publikum so wie üblich aufdrängt? Als die Bilder regelrecht laufen lernten und sich in Wohn- u. Schlagzimmern breit machten, wurden sie unbegehrt.
Im "Beschränktsehen" (offiziell "Fernsehen" genannt) tummeln sich ohnehin verkappte Werbebeiträge. Unauthentizismus, Kommerzialismus ist weithin verbreitet. Der Kinofilm nicht fern davon.
Durchschaut einer die Lügen hinter den Bildern, wird er sich brüsk abwenden. Dem Kino und "Fernsehen" stehen harte Zeiten bevor. Nicht nur weil auch Banken diese "Kultur" sponsern, was heisst finanzieren.
Wenn Künstler sich so verkaufen, sind sie keine mehr. Die Kunst lebt vom Verborgenen und sich Verstecken. Wird sie inflationär betrieben, ist sie nicht mehr attraktiv.
Unsere Zeit ist so betrachtet nicht attraktiv. Sie wird hohler und hohler. So manches Mega-Kino ist auch schon wegen seinen immer wieder kehrenden martialischen Tönen unerwünscht. Selbst Harry Potter ist ausgereizt. Der Zauber wurde entblößt und damit zum Alltag, schlicht langweilig. Es hat viele Gründe, warum das Kino nicht mehr so zieht: einer davon ist sicher, dass immer mehr Bundesbürger die Gürtel enger ziehen.