Von tomo

Wie das US-Ministerium für Heimatschutz Kinder fit für den Terror macht.

Das Leben ist ein Abenteuer. Der Berglöwe Rex schlägt sich durch den Dschungel. Die Cartoon-Figur ist perfekt ausgerüstet - mit Taschenlampe, Wasserflasche und Machete, ein abenteuerlustiges Grinsen enthüllt seine Reißzähne.

Kommissar bzw. Berglöwe Rex. (© screenshot)

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Rex ist das Maskottchen einer neuen Internet-Kampagne des Departements for Homeland Security, mit der die US-Behörde Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren auf den Ernstfall, also "Unwetter, Erdbeben, Tornados und Terroristen" vorbereiten will. Wer sich auf die Seite klickt (www.Ready.gov/kids), der sieht Rex durch einen dunklen Dschungel schleichen, aus dem es unheimlich gurrt und schnarrt. Unten im Bild glimmt das aktuelle Gefahrenbarometer des Ministeriums: Gelb! Erhöht!

Anscheinend ist die Seite Teil einer generellen Wachsamkeitsmobilmachung: "Es ist nicht nur Sache der Regierung, auf alle Gefahren vorbereitet zu sein", sagte Homeland Security Secretary Michael Chertoff während eines Besuchs an einer Volksschule in Chicago, bei dem er den Kindern den Ernst der Lage und die Aktion seines Ministeriums erklärte.

"Wir alle müssen lernen, wie man sich auf das Unerwartete vorbereiten kann."

Kern der PR-Aktion, die knapp 10 Millionen Dollar kostet, ist die Webseite: ein Ausbildungscamp für den Staatsbürgernachwuchs. "Packe deine Sachen! Mache einen Plan! Kenne die Fakten!", lauten die Lektionen. Potenzielle Gefahren wie Tornados, Erdbeben und Terrorismus werden sachlich erklärt.

Manchmal bleibt in der Aufregung sogar Zeit für eine ethymologische Herleitung der aktuellen Topgefahren. "Tsunami kommt aus dem Japanischen. Tsu bedeutet Hafen, Nami bedeutet Welle." Terrorismus wird definiert als "Gebrauch von Gewalt, um die Regierung einzuschüchtern."

Wer alle Fakten und das Notfallkoffer-Inventar kennt, kann in einem Online-Test der "Ready-Universität" graduieren und erhält danach ein Zertifikat, das an die Detektiv- und Polizei-Ausweise aus Plastik erinnert, die Comic-Heften beiliegen. Dann dürfen sich die Kinder auf weitere nützliche Seiten durchklicken.

Auf der Webseite der Heimatschutz-Behörde von Nevada gibt es die Möglichkeit, sich zum "Disaster Action Kid" ausbilden zu lassen. Auf der quietschbunten Homepage wird man belehrt, dass es großen Spaß bereite, ein solches Desasteraktionskind zu sein, weil man dann auf alles vorbereitet sei und sogar sein Haustier schützen könne. Und auf der Homepage des FBI kann man dem Agenten Bob Bureau mit Baskenmütze, Schnauzbart und Brille eine perfekte Tarnung verschaffen und ihn so "im Kampf gegen das Böse" unterstützen.

Der spielerische Ansatz der neuen Kinder-PR setzt sich klar von früheren Awareness-Kampagnen der Bush-Regierung ab. Im Herbst 2004 lief im US-Fernsehen eine Reihe von Spots, welche Eltern dazu ermutigen sollten, Notfall-Pläne für die ganze Familie aufzustellen.

Dabei waren verängstigte Kinder zu sehen, die ihre Vater fragten, was sie denn beim nächsten GAU tun sollen. Kinder-Psychologen hatten kritisiert, die Kinder würden mit derartiger Propaganda verängstigt.

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(SZ vom 25.2.2006)