Von Von Jackson Browne

Carlos Varela, der große kubanische Songschreiber, hat ein Visum für die USA beantragt, um dort seine kraftvollen, wunderbaren Songs vorzutragen. Doch die Regierung hat ihn abgewiesen. Ein Gastbeitrag des US-Musikers Jackson Browne.

Er hatte Konzerte in Miami, New York und Los Angeles geplant. Auch anderen kubanischen Künstlern sind Visa verweigert worden, weil ihre Besuche angeblich "den Interessen unseres Landes schaden".

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Unsere Regierung will damit sagen, dass das Geld, das Carlos Varela bei seinen Konzerten in den Vereinigten Staaten einnähme, in die Kassen Fidel Castros fließen würde. Das entspricht nicht der Wahrheit.

In Kuba behalten angesehene Künstler einen Großteil dessen, was sie verdienen, denn die Regierung will ja nicht, dass sie das Land verlassen und woanders leben. Dennoch verhinderte die Bush-Regierung im Februar mit dem gleichen Argument die Teilnahme Manuel Galbáns und Ibrahim Ferrers vom Buena Vista Social Club an der Grammy-Verleihungszeremonie in Los Angeles. Beide gewannen die Auszeichnung in ihrer Kategorie.

Die Regierung erzwang auch die Verschiebung von Konzerten des spanischen Flamenco-Meisters Paco de Lucía, weil er mit dem Bassisten Alain Pérez Rodríguez zusammenspielt, einem gebürtigen Kubaner. Ich gratuliere dem Innenministerium, dass es letztlich doch noch zu der Erkenntnis gelangt ist, dass Pérez den "Interessen" unseres Landes nicht "schadet" - obwohl alle, die diesen Monat dann doch noch Gelegenheit hatten, ihn spielen zu hören, wissen, dass er ein wirklich gefährlicher Typ ist.

Unsere Regierung übernimmt zur Zeit eine zutiefst repressive Rolle, indem sie versucht zu kontrollieren, welchen Künstlern Zugang zu unseren Herzen und unserem Geist gewährt wird. Wir mögen denken, dass wir Kuba mit unserem Embargo und unseren Reisebeschränkungen isolieren. In Wahrheit sind wir Amerikaner diejenigen, die sich immer mehr isolieren. Aus Großbritannien, Australien, Kanada und Spanien reisen Menschen nach Kuba, aus Ländern also, die wir als unsere treuen Verbündeten betrachten.

Die Außenpolitik der USA gegenüber Kuba ist unpopulär in Amerika, und das aus gutem Grund. Sie verhindert, dass Amerikaner nach Kuba und Kubaner in die USA reisen. Sie verhindert, dass wir den Kranken Medikamente und den Hungernden Nahrung zukommen lassen. Diese Politik ist ein überholtes Relikt des Kalten Krieges. Es dient allein dazu, den konservativen amerikanischen Wählern kubanischer Herkunft im Miami politisch zu Gefallen zu sein.

Die Politik der Bestrafung Kubas funktioniert nur, wenn die Amerikaner das zornige Gesicht kubanischer Repression sehen. Doch im Gesicht von Carlos Varela, in der Sprache seiner Musik würden sie nicht die Maske eines Dämons erkennen, sondern die Hoffnungen eines Volkes, das genauso ist wie sie selbst. Der größte Widerspruch besteht im vorliegenden Fall darin, dass Varela nicht nur für sein Talent bekannt ist, sondern auch für den Mut, sich durch seine Songs Gehör zu verschaffen, die von vielen als Kritik an der kubanischen Regierung verstanden werden.

Obwohl die jungen Kubaner die Leistungen ihrer politischen Führer anerkennen, sind sie nicht nur bereit, ihre Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sie brennen sogar darauf. Sie wollen persönliche Freiheit und Unabhängigkeit für ihr Land. Sie wollen, dass das neue Kuba von Kubanern gestaltet wird, nicht von den Vereinigten Staaten.

Ich glaube an Gerechtigkeit und Menschenrechte - in den Vereinigten Staaten und im Ausland. Die Art, wie die kubanische Regierung mit politischen Dissidenten umgeht, betrübt mich sehr. Ich sehene mich nach dem Tag, an dem es Kubanern wie Amerikanern freistehen wird, in beide Richtungen über die Meerenge von Florida zu reisen, ohne sich unnötigen Gängeleien ihrer Regierungen ausgesetzt zu sehen.

Diese Freiheit wünsche ich mir nicht nur für die Künstler, sondern für alle Menschen in Kuba und Amerika, die in der Hoffnung auf eine Zukunft in Gerechtigkeit und Wohlstand leben. Ein Visum, dass es Carlos Varela ermöglicht, in Amerika aufzutreten, wäre ein guter Anfang.

Der Autor ist amerikanischer Liedermacher. Er wurde am 15. März in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Deutsch von Alexander Menden

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