Amerika muss umdenken - die Utopie von größtmöglicher Mobilität und Bequemlichkeit wird wegen der Explosion des Ölpreises zu teuer.
Bisher wurden Jeeps in Amerika so beworben wie überall: Mit sexy Menschen, die durch Präriegras und futuristische Stadtlandschaften donnern. Doch seit ein paar Wochen hat der Traum eine neue Dimension. Wer bis 7. Juli einen Jeep, Dodge oder Chrysler kauft, zahlt für die nächsten drei Jahre nie mehr als 2,99 Dollar für jede Gallone Benzin, gut einen Dollar weniger als den derzeit üblichen Preis. Den Rest übernimmt der Autohersteller.
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"Let's refuel America", "Tanken wir Amerika auf!", nennt Chrysler die Kampagne, die die Realität des immer knapper und deshalb immer teurer werdenden Öls mit Harakiri-Ökonomie offiziell vergessen machen will.
Party like it's 2.99, das ist gemeinsam mit dem von McCain und Clinton vorgeschlagenen befristeten Steuerpause für Benzin, einer der verrückteren Versuche, die Uhr zurückzudrehen - und symptomatisch für die Schwierigkeiten, die das Land damit hat, sich auf das Ende des goldenen Ölzeitalters einzustellen.
Strukturelle Veränderungen stehen an
Doch während von oben wenig mehr kommt als Schönfärberei und Verleugnung, sind viele Amerikaner längst weiter. Im Jahr 2007 fuhren sie zum ersten Mal seit 1979 weniger Auto als im Vorjahr. Mit ein paar Fahrgemeinschaften wird es aber nicht getan sein. Das Land, dessen ganze Lebensweise vom billigen Benzin abhängt, sieht schmerzhaften strukturellen Veränderungen ins Auge.
Teuer und billig sind immer relativ. Mit zur Zeit umgerechnet rund 70 Cent pro Liter kostet Benzin in den USA dank niedriger Steuern immer noch erstaunlich wenig. Doch bedenkt man, dass der Preis sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelte, kann man die Bestürzung verstehen.
In Europa hingegen wurde der explodierende Preis durch den gleichzeitig sinkenden Dollarkurs gedämpft. Die Amerikaner trifft die Preisexplosion aber auch deshalb so viel härter, weil das Auto und das Flugzeug in ihrem Leben eine viel bedeutendere Rolle spielen.
Tausenderlei kleine Erfindungen zur Überwindung der Distanzen
Bald nach dem zweiten Weltkrieg, als in Europa gerade die letzten Pferde von den Äckern verschwanden, hatte Amerika in seinem Land bereits eine Realität gewordene Utopie von größtmöglicher Mobilität und Bequemlichkeit mit der gleichzeitigen Garantie uneingeschränkten Individualismus installiert.
Das effiziente Interstate-Autobahnnetz gehörte dazu, die modernen Flughäfen aber auch tausenderlei andere kleine Erfindungen zur komfortablen Überwindung der Distanzen. Der Pizzaservice und die Drive-Thru-Bank, FedEx und das Motel, aber auch das Leben in der grünen Vorstadt, dem Suburb, das die Nachkriegsjahrzehnte kulturell dominierte.
Einchecken, Abheben; Ankommen, Leihwagen; Parken, Essen - und 24 Stunden später wieder mit Gattin und Kindern am Pool, so sah das aus, streamlined, coast-to-coast.
Flugverkehr am akutesten betroffen
Eine hypereffiziente Metastruktur der Verkehrssysteme überformte das wilde und entsetzlich große Land und ließ es in der Erfahrung seiner Bewohner auf ein nahezu menschliches Maß schrumpfen. So musste niemand mehr das Trauma der ersten Siedler fürchten, die ihre Planwagen durch den Schlamm der Great Plains zerren mussten.
Doch nun fließen die Ströme dieses Infrastruktur-Organismus immer zäher. Am akutesten ist davon der Flugverkehr betroffen. Gerade war die Branche aus der Krise nach 9/11 wieder aufgetaucht, in deren Zuge sie bis zum letzten Erdnusstütchen eingespart hatte, was einzusparen war, da sieht sie plötzlich ihr ganzes Geschäftsmodell dahingehen.
Vor acht Jahren machten die Kosten für Kerosin 15 Prozent des durchschnittlichen Ticketpreises aus, heute sind es 40. Wie überall lassen die Airlines ihre Flugzeuge langsamer fliegen, legen hunderte alter Jets still und versuchen, mit allerlei Tricks die Preise zu heben.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie sich Amerika dem Öl geradezu ausgeliefert hat.
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- Das Auto und das Öl (3) Bei 65 Cent pro Liter denken die Amerikaner um 15.05.2008
- Das Auto und das Öl (4) "In 50 Jahren könnten wir uns beamen" 16.05.2008
- Mobilität in den USA Auf dem Highway ist die Hölle los 07.02.2008
- Das Auto und das Öl (1) Die Therapie beginnt 15.05.2008
- Das Auto und das Öl (5) Keine Bewegung! 31.05.2008
Diese rote Ampel konnte man schon aus größerer Entfernung sehen. Wer sie nicht wahrhaben wollte und rechtzeitig "Seitenstrassen" gesucht hat, wird jetzt lamentieren können, bis er sich entgültig lächerlich macht.
Sie haben es angesprochen. Zugverbindungen die nicht vorhanden sind, Bus alle Stunde, ausgestorbene Tante Emma Läden, Supermärkte etc.
Der klassische "American way of life". Abgesehen von Ölpreis- und Klimadiskussion wird es sowieso schon problematisch auf dem Lande für die die kein Auto mehr haben (Alters oder finanziell bedingt).
Schneller Feierabendeinkauf oder sozialer Kontakt bei Metzger oder Bäcker ... Fehlanzeige.
Da wird sich wohl was ändern müssen. Mich ärgert es halt das man die Leute 40 Jahre für dumm verkauft hat
Vielleicht sind sie einer der glücklichen Menschen die zu Fuß in die Arbeit sowie zu Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten und Verwandschaft gehen zu können. Ist ja ein Traum wenn man alles so kurz nahe beieinander liegen hat..
Also ich hab beruflich das Problem 20 km einfach zum Arbeitgeber zu gelangen, Zug Verbindung ist nicht vorhanden, Buszeiten sind stündlich. Ich wohne zwar in einer kleinen Stadt (12000 Einwohner) aber habe dennoch 4 km einfach zum nächsten Supermarkt da die Tante Emma Läden gestorben sind. Landwirtschaft ist zwar in unmittelbarer nähe (500 meter) aber der Bauer hat schon vor Jahren auf Forstwirtschaft umgestellt und nur noch ein paar Tiere für den "historischen" Bedarf hat..
Mobilität sagt nicht nur aus das die AMIS von A-B fliegen können.. nein.. es sagt auch unsere Einkaufsmentalität, Arbeitsmentalität und Lebensqualität aus.
Wie die Leute davor gelebt haben? Tja.. schauen sie sich die Vergangenheit an.. Großbauern die regional für die Lebensmittelproduktion zuständig waren und die Verbraucher übervorteilt haben um so die Abhängigkeit aufzubauen und auszunutzen..
Ein totaler Verlust von Treibstoff und Kunststoffen wäre die Rückabwicklung der Industriealisierung..
Achtung! Dies ist meine Meinung! Ich spreche nur für mich!
frage ich mich ernsthaft wie die Menschen bis 1900 es geschafft haben zu existieren.
Dieser American Way of Life hat sich als Irrtum mit Folgen herausgestellt jedoch die Erde dreht sich weiter und wir werden wohl oder übel mit ihr auskommen müssen.
Also umdenken ist angesagt
schreibe ich einen Kommentar zu einem Öl-Artikel..
Ich bleibe bei meiner Meinung. Es wird solange keine Besserung eintreten bis die 2 größten Ölverbraucher und Umweltsünder (USA, China) endlich am Boden der Tatsachen landen. Wenn die Mobilisierung in Indien und andren Schwellenländern genauso voran getrieben wird wie in den westlichen Ländern dann wird der Verbrauch des Rohöls noch viel viel schneller voranschreiten.. Erst wenn wirklich die Highways einen Tag lang leer sind wird Amerika begreifen das was schief lief..
Ja ich habe die Peak-Oil Meldungen alle gelesen, ja ich kenne die ganzen Theorien. Um gleich den noch kommenden Angriffen anderer Kommentatoren vorzubeugen.
Aus meiner Sicht heraus wird es nach wie vor nur helfen Milliarden an Euro in die Forschung für alternative Treibstoffe und Polymere zu stecken um die Mobilität der bisherigen Länder sowie die Produktion von Kunststoffen zu erhalten sowie auch aufstrebendere Länder an der Mobilität teilhaben zu lassen. Ich finde es nicht sinnvoll wieder 420 Mio. deutsche Euros in den Infrastrukturaufbau von Afghanistan fließen zu lassen und dies wieder ohne Gegenleistung für unseren Staat. Nehmt das Geld und forscht, stützt Klein-Unternehmer oder Regional stärkere Unternehmer oder unterstützt Familien um Familien nicht in Miete leben zu lassen. Und vor allem um im Falle des Falles (Benzin nur noch für Reiche) in Deutschland nicht die totale Landflucht einsetzen zu lassen.
Paging