Die Revolution wird heute vom Fernsehen gemacht: Der Filmproduzent R. J. Cutler über sein Reality-Format "American Candidate" und den Wahlkampf in den USA.
Der amerikanische Film- und Fernsehproduzent R. J. Cutler hat ein für seine Branche unübliches Interesse an Politik. 1992 produzierte er D. A. Pennebakers und Chris Hegedus' preisgekrönte Dokumentation "The War Room", die Clintons Spindoctor Robert Carville auf dem Weg zum Wahlsieg begleitete.
Einer der zwölf Teilnehmer von "American Candidate": Richard Mack. (© Foto: AP)
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Sein jüngstes Projekt ist das Reality-Format "American Candidate", das im Stil von "Deutschland sucht den Superstar" nach Polit-Talenten sucht. Am Sonntag wählten die TV-Zuschauer den konservativen Park Gillespie zu ihrem "amerikanischen Kandidaten". Der 38-Jährige bekam 200.000 Dollar und die Möglichkeit zur Nation zu sprechen; ein politisches Amt hatte Cutler nicht zu vergeben.
SZ: Mr. Cutler, manchmal wirkt"American Candidate" wie eine Satire auf die Mediendemokratie. Der Trailer fordert den Zuschauer auf: "Vote with your remote" - Wähle mit der Fernbedienung. An anderer Stelle heißt es: "The revolution will be televised", die Revolution wird gesendet, ein Zitat von Kurt Cobain. Cutler: Ursprünglich geht es auf Gil Scott-Herons Album "The revolution will not be televised" zurück, einen wunderbaren Song von 1974: "The revolution will not go better with coke. The revolution will not fight germs that may cause bad breath" - Die Revolution läuft nicht besser durch Coke. Sie hilft nicht gegen Viren, die Mundgeruch verursachen. - Aber das ist 30 Jahre her, heute wird die Revolution sogar vom Fernsehen gemacht. Wir sind in Amerika. Schwarzenegger ist Gouverneur - da sieht die Realität oft aus wie Satire. Aber das war nicht unser Leitmotiv.
SZ: Die Ur-Idee für "Candidate" war eine Langzeit-Doku-Soap über einen Politiker, der 2012 Präsident werden will. Warum ist daraus nichts geworden? Cutler: Weil Ihnen kein Sender acht Jahre Zeit für ein Projekt lässt. Ich wollte mit "Candidate" den politischen Prozess in unserem Land reflektieren; wollte, dass die Menschen sich mit den Mechanismen der Mediendemokratie beschäftigen, und neue Gesichter in das hermetische Politik-System schleusen. Man muss nämlich reich und weiß sein, um in diesem Land etwas zu bewegen.
SZ: Sie haben zehn Kandidaten auf eine fiktive Wahlkampftour durch Amerika geschickt. Cutler: Ich wollte eine authentische Wahlkampf-Simulation liefern. Man kann im Fernsehen keine Realität schaffen, aber viele unserer Berater sind Politikprofis, Carter Eskew etwa war 2000 der Chefstratege von Al Gore. Diese Jungs haben sich mit unseren Kandidaten zusammengesetzt und über das Design von Bildern und Botschaften gesprochen - dabei sollten die Zuschauer auch einen Blick hinter die Kulissen werfen können und begreifen, warum sich Politiker so komisch aufführen.
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