US-Schauspieler Sam Shepard ist tot

Sam Shepard im Jahr 2011. Der Bühnenkünstler litt an der Nervenkrankheit ALS, die zu seinem Tod führte.

(Foto: dpa)
  • Der US-Schauspieler Sam Shepard ist an den Folgen der Nervenkrankheit ALS gestorben.
  • Der am 5. November 1943 in Fort Sheridan/Illinois als Sohn einer Lehrerin und eines Airforce-Offiziers geborene Künstler wurde 73 Jahre alt.

Der Schauspieler und Theaterautor Sam Shepard ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Ein Sprecher der Familie teilte am Montag mit, der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Shepard sei am Donnerstag in seinem Zuhause in Kentucky an den Folgen der Nervenkrankheit ALS gestorben.

Seine künstlerische Karriere hatte Shepard 1963 als 20-Jähriger in New York begonnen, wo er zunächst als Kellner arbeitete, aber auch mit dem Schreiben seiner ersten Theaterstücke begann. Die Bekanntschaft mit dem Begründer des "Theatre Genesis" half ihm, einige seiner Stücke auch bald auf die Bühne von Avantgarde-Bühnen zu bringen. Auch die Musikszene Ende der 1960er Jahre zog ihn an. Unter anderem bei der Rockband "Holy Modal Rounders" spielte er Schlagzeug.

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In nur wenigen Jahren gelang es Shepard, der meistgespielte amerikanische Dramatiker nach Tennessee Williams zu werden. In vielen seiner Stücke kultivierte er den Cowboy- und Westernmythos, den er selbst auch im eigenen Leben zu verkörpern schien. Der "Cowboy unter Amerikas Dramatikern" schrieb die FAZ im Jahr 2001, der Rodeos reitet, Pferde züchtet und das Leben eines Farmers lebt.

Die verwendeten Westernmotive dienten Shepard jedoch als Verfremdungseffekte und Mittel seiner Gesellschaftskritik. Seine Figuren waren häufig einsame, exzentrische, häufig angeknackste Individualisten, wie etwa Künstler im Kampf um ihre kreative Identität.

Es geht um "ungeklärte Familienbeziehungen, um das fremd gewordene Land, und um den eigenen Mythos, den man nicht mehr preisgeben mag", beschrieb die SZ 2005 Shepards frühe Arbeiten. Sie seien experimentell, die Sprache erinnere an Harold Pinter, das Szenario mitunter an Samuel Beckett. Sein Theaterstück "Vergrabenes Kind" von 1979 gewann den Pulitzer-Preis.

1983 für den Oscar nominiert

In den 1980er Jahren verlagerte sich Shepards künstlerischer Schwerpunkt allmählich vom Theater zum Film. Er schrieb zahlreiche Drehbücher, unter anderem für die Erfolgsfilme "Zabriskie Point" von Michelangelo Antonioni (1970) und "Paris, Texas" von Wim Wenders (1984), wofür er mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet wurde.

Auch als Schauspieler konnte Shepard überzeugen. Als melancholischer Farmer war er in "In der Glut des Südens" (1978) zu sehen. Die "Rolle seines Lebens" (FAZ, 2003) als Testpilot Chuck Yaeger in "Der Stoff aus dem die Helden sind" (1983) trug ihm eine "Oscar"-Nominierung ein.

Als Hauptdarsteller des Volker-Schlöndorff-Films "Homo Faber", nach der Romanvorlage von Max Frisch, stand er 1990 vor der Kamera.

Ein Mann weniger Worte

Nach etlichen Nebenrollen, unter anderem in dem Thriller "Passwort: Swordfish" (2001), in Ridley Scotts umstrittenem Kriegsfilm "Black Hawk Down" (2001) und dem Liebesfilm "Wie ein einziger Tag"(2004), kam Shepard mit Wim Wenders für "Don't Come Knocking" (2005) wieder zusammen. Er schrieb nicht nur das Drehbuch, sondern übernahm auch die Hauptrolle, des in die Jahre gekommenen Filmstars Howard, der eines Tages seines Daseins überdrüssig ist.

2011 übernahm Shepard nach längerer Zeit wieder eine Hauptrolle in Mateo Gils Westernhommage "Blackthorn". Er gab darin einen alten Viehzüchter, was ihm sehr gelegen haben dürfte: die Rolle des alten Westernhelden, "lakonisch, immer wieder von seinen Erinnerungen an seine besten Zeiten verfolgt", schrieb der film-dienst damals.

Shepard, der auf einer Ranch in Kalifornien aufwuchs, war ein Mann weniger Worte, der es im Laufe seines Lebens aber auf mehr als 50 Bühnenstücke brachte.