US-Fernsehen: Jimmy Kimmel Wer schläft hier mit wem?

Zwei Videos aus einer Late-Night-Show sorgen in Amerika derzeit für Aufsehen: Es geht um einen rappenden Matt Damon, um Ben Affleck im Glitzershirt und um Brad Pitt als Lieferboy.

Von Jürgen Schmieder

Es gibt ein merkwürdiges Video, das gerade in Amerika für Aufsehen sorgt. Da sitzt Matt Damon auf einer Couch und singt dauernd das Wort "Fuck". Das wird zwar weggepiept, aber er hat dennoch seinen Spaß. Damon singt von Sex mit Sarah Silverman, der Lebensgefährtin des Late-Night-Comedian Jimmy Kimmel. Er rappt: "On the bed, on the floor, on the towel by the door, in the tub, in the car, up against the minibar."

Brad Pitt als Paketboy.

Brad Pitt als Paketboy.

(Foto: Screenshot: ABC.com)

Es gibt einen Dance-Contest zwischen Silverman und Damon in Gangsta-Rap-Outfit. Damon spielt Gitarre, er gibt den Background-Sänger, er kriecht lasziv auf einer Hotelbar. Immer wieder hört man den Refrain: "I'm fucking Matt Damon." Einen Tag nach der Ausstrahlung hatten sich mehr als zehn Millionen Menschen das Video bei ABC.com oder YouTube angesehen.

Es gibt eine Vorgeschichte zu diesem Video: Seit 2003 beendet Jimmy Kimmel seine Late-Night-Show mit den Worten "My apologies to Matt Damon - We ran out of time!" - "Entschuldigung Matt Damon - wir haben keine Zeit mehr für dich!" Es ist ein Gag, weil zunächst keine A-Promis bei Kimmel auftreten wollten - nicht einmal Matt Damon, der sonst für jeden Spaß zu haben ist.

Mittlerweile gehört die Sendung zu den beliebtesten Shows in Amerika, der Running Gag am Ende blieb. Gerade als sich die Kritiker fragten, ob Matt Damon sich irgendwann einmal rächen würde für das alltägliche Verkohlen, da trat Sarah Silverman anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Show bei Kimmel auf. Sie ist eine der bekanntesten Drehbuchautoren Hollywoods und hatte wie ihre Kollegen drei Monate lang gestreikt. "Was hast du in der Zeit eigentlich gemacht", fragt Kimmel. Silverman wird rot und sagt: "Okay, zeigt den Clip!" Dann kommt das Damon-Fuck-Video.

Mehr als 20 Prominente

Kimmel ließ sich mehr als einen Monat Zeit für seine Rache - und sie wurde so süß. Es war ein paar Minuten, nachdem "No Country for Old Men" den Oscar als Bester Film 2007 bekam. Da zeigte Kimmel seinen Kurzfilm, der gute Chancen hat, das lustigste Musik-Video des Jahres zu sein. Er präsentierte die Replik für seine Lebensgefährtin und Matt Damon. Als Partner für Kimmel kam nur einer in Frage und so heißt das Video: "I'm fucking Ben Affleck!"

Das Video erinnert von der Aufmachung her an den Friedenssong "We are the World" aus dem Jahr 1985. Michael Jackson und Lionel Richie versammelten dereinst Prominente, die mit ihnen gegen die Hungersnot in Afrika sangen.

Nun gelang es dem Komiker Kimmel, mehr als 20 Schauspieler und Sänger für seine Rache zusammenzutrommeln. "Einen Gospelchor bestehend aus 20 Berühmtheiten, die darüber singen, dass Jimmy Kimmel und Ben Affleck Sex miteinander haben - das war eine religiöse Erfahrung", sagt Jill Leiderman, die Produzentin des Videos.

"Einen Tag nach dem 'Damon-Fuck'-Video sagte Jimmy: 'Ich brauche Ben Affleck!'", sagt Leiderman. "Innerhalb einer Stunde hat Ben unterschrieben." Affleck selbst schlug vor, andere Promis zu integrieren. Er rief Harrison Ford an, von dem er wusste, dass ihm das Silverman-Video gefallen hatte. Der Stein war im Rollen - und nicht mehr aufzuhalten.

Eine neue Kategorie

In den Tagen darauf unterschrieben Brad Pitt, Cameron Diaz, Christina Applegate, Meat Loaf, Robin Williams, Huey Lewis, Don Cheadle, Rebecca Romijn-Stamos, Pete Wentz, Dominic Monaghan, Joel und Benji Madden, Josh Groban, Perry Farrell, Lance Bass, Joan Jett, Christopher Mintz-Plasse und Dicky Barrett. "22 Prominente in einem Sketch! Ich denke, das definiert Late-Night-Comedy neu", sagt Leiderman.

"Es war ein ziemliches Durcheinander", sagt Pete Wentz, der Bassist der Band Fall Out Boy, über die Dreharbeiten. "Die Egos wurden einfach am Eingang abgegeben." Es sei eine verrückte Idee gewesen. "Aber wer würde sich die Chance entgehen lassen, bei einem homoerotischen Video dabei zu sein, in dem Brad Bitt mitspielt?"

"Wenn du etwas von mir nimmst, das ich liebe, dann kannst du dir verdammt sicher sein, dass ich etwas von dir nehme, das du liebst!" So beginnt Kimmel seine Anmoderation für seine Rache. Dann sagt er: "Matt, Sarah, this is for you." Das Video beginnt.

Zuerst sieht man peinliche Fotos aus Silvermans Vergangenheit, einen mit Lippenstift beschmierten Matt Damon, Dann setzt die Gitarre ein, Kimmel schreit: "I'm fucking Ben Affleck!" Im Video taucht Affleck in Glitzershirts auf, Brad Pitt als Paket-Ausfahrer, Cameron Diaz als enthusiastische Gospel-Sängerin. Harrison Ford hat einen Sticker an seinem Auto: "Honk if you are f***king Ben Affleck." Es gibt Anspielungen auf zahlreiche TV-Serien, Musicals und Filme.

Man sollte, nein: man muss dieses Video gesehen haben. Und man muss die Oscar-Academy bitten, im kommenden Jahr die Kategorie "Lustigstes Kurzvideo" einzuführen.

Das Video von Sarah Silverman von Ende Januar:

Die Replik von Jimmy Kimmel am 24. Februar 2008: