J. D. Salinger erschuf in seinem Roman "Der Fänger im Roggen" eine Figur, mit der sich die Jugend der halben Welt identifizieren kann. Nun starb der amerikanische Kultautor im Alter von 91 Jahren.
Ein Wort haben alle Heranwachsenden gelernt, die J. D. Salingers kleinen Roman "Der Fänger im Roggen" je im Original lasen. Das Wort heißt "phony" und ist ein Ausdruck für die grundsätzliche Fremdheit, für die Dämlichkeit der Welt, so wie sie einem aufgeweckten Siebzehnjährigen als Objekt eines universalen Widerstands und der Verachtung entgegentritt.
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Lebte stets zurückgezogen: Der US-Autor J. D. Salinger (© Foto: AP)
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"Der Fänger im Roggen" ist ein wunderbares kleines Buch, das Werk eines Autors, der halb bewusst, halb zufällig auf eine Figur stößt, die sich in seinen Händen zu einer Geschichte entfaltet, mit der sich die Jugend der halben Welt identifizieren kann - präzise genug, um etwas zu erzählen, vage genug, um Raum für den Leser und dessen Weltgefühl zu lassen.
Und was für ein Held das ist, dieser Holden Caulfield, der von einer edlen Schule geworfen wurde und jetzt, mehr oder minder ziellos, durchs New York der vierziger Jahre wandert und sich einen Reim auf sich selbst zu machen versucht - einer, der an allem zweifelt und der dennoch von einer großen Humanität gezeichnet ist.
Am Donnerstag nun ist J. D. Salinger im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in New Hampshire gestorben.
Dieser Schriftsteller, der in seiner Jugend seinem Helden nicht wenig geähnelt haben muss, auch er ein "Dropout" und ein wenig haltlos in vielen Dingen, war einer der talentiertesten amerikanischen Schriftsteller seiner Zeit, ein Meister der Kurzgeschichte - bis zu diesem Roman, der ihn hinaushob in ganz andere Sphären, der so den Nerv der Zeit traf, dass ihm, auch mit den besten literarischen Mitteln, kein Werk dieses Schriftstellers mehr gleichen konnte.
J. D. Salinger publizierte seine letzte Geschichte im Jahr 1965. Danach war, abgesehen von ein paar Skandalen aus dem Privatleben, nur noch Schweigen.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(SZ vom 29.01.2009/dmo)
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Hallo? Jemand zu Hause?
Die Bedeutung des Wortes "phony" in Salingers Meisterwerk sollte der Schreiber eines Nachrufs aber schon verstanden haben. "Phony" hat nichts mit "Dämlichkeit der Welt", sondern mit deren Falschheit, mit der Heuchelei der Erwachsenenwelt zu tun. Empfehle dringend, das Meisterwerk auch selber mal zu lesen, unbedingt im Original!